13.08.2020 - 16:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Der Ammerbach trocknet immer mehr aus

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Dutzende toter Krebse liegen unter der Brücke über den Ammerbach bei Lengenloh. Soweit man von einem Bach überhaupt noch reden kann. Denn Wasser hat der schon länger nicht mehr gesehen. Er ist vollkommen trocken.

Hans Heinig, der Vorsitzende der Lengenloher Kleingärtner, an der letzten Wasserlache, die vom Ammerbach übrig ist. Und die versorgt er künstlich mit Wasser, um die Krebse darin zu retten.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Schlängeln sollte er sich wieder, der Ammerbach, hemmungslos mäandern und bei Hochwasser sogar über die Ufer treten und die angrenzenden Wiesen überschwemmen dürfen. So hieß es vor nicht einmal vier Jahren in einem Artikel der Amberger Zeitung über die Renaturierung des Ammerbachs zwischen Kemnather Mühle und dem Segelflugplatz. Rund 600.000 Euro investierte die Stadt Amberg damals in die Maßnahme, der Freistaat Bayern gab 450.000 dazu.

Das Thema Wassermangel im Ammerbach ist nicht neu

Amberg

Doch wer derzeit den Ammerbach sucht, tut sich schwer. Stellenweise ist der kleine Bach, in dem sich normalerweise Fische und Krebse sowie andere Wassertiere tummeln, seit Wochen versiegt. Hans Heinig, der Vorsitzende der Lengenloher Kleingärtner, zeigt die Stelle unter der Brücke neben der Anlage, wo sich die toten Krebse stapeln. "Man hätte sie ja wenigstens einfangen können, als noch ein bisschen Wasser da war, und woanders hinbringen", sagt er.

Er selbst versucht alles, um die letzten Tiere vor dem Trocken- und Hitzetod zu bewahren. Denn direkt neben der Kleingartenanlage gibt es im ehemaligen Bachbett noch eine kleine Wasserlache. Ein, zwei, drei Krebse - übrigens von der einheimischen Sorte - kämpfen hier ums Überleben. Ein paar kleine Fische zischen noch hin und her. Dass es hier überhaupt noch Wasser gibt, das verdanken die Tiere dem Vorsitzenden der Kleingärtner.

Zur Renaturierung des Ammerbachs

Kleiner Damm aus Matsch

"Ich habe hier aus Matsch einen kleinen Damm gebaut, um das Wasser zurückzuhalten", so erzählt er. Wobei das Wasser in der Lache nicht etwa aus dem Ammerbach stammt - der gibt derzeit überhaupt nichts mehr her. "Ich gieße mittlerweile den Ammerbach", sagt Hans Heinig und zuckt die Schultern. Sollte es irgendwann regnen, dann würde es den künstlichen Damm einfach wegschwemmen und der Bach könnte wieder frei fließen. Könnte. Denn irgendwo zwischen Kemnather Mühle und dem Segelflugplatz hört der Ammerbach auf zu existieren. Zumindest in der bekannten Form als richtiger Bach.

Nach der Renaturierung waren alle glücklich

Wer sich aber an den kraftvollen Bach erinnert, der von Unterammerthal her über die Finkenmühle zur Kemnather Mühle gerauscht ist, und auf dem die Kinder vor gar nicht so langer Zeit mit Trögen hinab fuhren, der wird heute enttäuscht sein.

Nur noch ein Rinnsal schlängelt sich an der Finkenmühle vorbei, kurz hinter Kemnather Mühle verschwindet das Wasser dann in der wild wuchernden Vegetation, um kurze Zeit später völlig zu versiegen. "Die Renaturierung ist schuld", machen sich die sozialen Medien auf Ursachensuche. Seit der Bachlauf im Zuge der Maßnahme verlegt wurde, so die Vermutung, fließt kein Wasser mehr. Doch die wahre Antwort ist so einfach wie banal: Der Ammerbach trocknet seit nunmehr einigen Jahren im Sommer fast vollständig aus, weil es zu wenig regnet.

"Uns fehlen in den letzten Jahren die Niederschläge", sagt Alois Fischer vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt in Weiden. "Ich war auch erst vor einigen Tagen an der Ammerbach-Quelle, da kommt schon kaum mehr etwas heraus." Geologisch erklärt Alois Fischer das so, dass die in einem Karstgebiet liegende Quelle vor allem von einem ergiebigen Winter-Niederschlag lebt. Regne oder schneie es zu wenig, dann sinke der immer noch vorhandene Wassertopf, also der Grundwasserspiegel, an der Quelle ab, diese versiege vor allem in den heißen Sommermonaten.

"Das Wasser ist schon da, es liegt nur ein paar Meter tiefer", sagt Alois Fischer. Das Wasserwirtschaftsamt stehe diesem Phänomen hilflos gegenüber. "Die Quelle können wir auch nicht beeinflussen", so Fischer. "Wir würden halt besonders im Winter die Niederschläge brauchen." Die fehlen nach den Erkenntnissen von Florian Haas von der Unteren Naturschutzbehörde gerade im Bereich von Ammerthal, das in den vergangenen Jahren von der Trockenheit besonders betroffen war. Auch Haas muss beinahe untätig zusehen, wie der Ammerbach immer mehr verlandet.

Derzeit mehr ein (J)ammerbach

Immerhin habe die Naturschutzbehörde den Fischereiverein gebeten, die Fische aus dem Bach zu retten - soweit dies möglich war. "Der Verein wurde auch tätig und hat das gemacht", sagt Thomas Graml von der städtischen Pressestelle. Darüber hinaus seien im Ammerbach die Biberdämme entfernt worden, um die Durchlässigkeit in den Zeiten zu erhöhen, wenn das Wasser fließt. "Für die Zukunft müssen wir uns trotzdem überlegen, wie man mit dem Ammerbach umgeht", erklärt Thomas Graml.

Derzeit nützen die Überlegungen nicht viel, der Ammerbach ist einfach nur trocken. "Ammerbach kein Jammerbach", titelte die Amberger Zeitung zu der Zeit, als die Renaturierungsmaßnahme für das Gewässer begonnen hat. Wer den Ammerbach derzeit anschaut, wird diese Aussage nicht bestätigten können. Und eine Lösung, die eine langfristige Rettung bringen könnte, ist nicht in Sicht. Außer, der Klimawandel bleibt aus und in den kommenden Jahren fällt der Regen wieder so, wie ihn die Menschen gewohnt sind, die entlang des Ammerbachs wohnen.

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Kurz nach Kemnather Mühle verschwindet der Ammerbach erst in der Vegetation und versickert dann vollständig.
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