13.12.2019 - 16:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Autohaus Widmann baut in der Gemeinde Ebermannsdorf

Eigentlich ging es im Gemeinderat nur um die Frage eines Straßennamens. Doch die Hintergrundinfos dürften im Amberger Rathaus keine Begeisterungsstürme wecken. Der Stern eines renommierten Autokonzerns könnte Amberg bald verlassen.

Das Autohaus Widmann sucht einen neuen Standort.
von Gerd SpiesProfil

Routine im Gemeinderat: Für die Erschließungsstraße in das neue Industriegebiet Schafhof-Ost wurde ein Name gesucht und auch gefunden. Die Wahl fiel auf den Namen "Am Sand", den Vorschlag von Bürgermeister Josef Gilch. Als Gilch dann bekanntgab, dass diese Straße einmal zum Areal des Autohauses Widmann führen wird, stutzte doch so mancher Zuhörer im Saal.

7,3 Hektar habe das Unternehmen hier erworben. Gilch ergänzte, dass man damit schon in die Öffentlichkeit gehen könne, da ja bereits die Woche zuvor die Belegschaft des Autohauses im Amberger Industriegebiet-Süd darüber informiert worden sei. Der Autokonzern wird diesen Standort aufgeben. Aber da war ja im Juni 2019 die Amberger Stadtratssitzung, in der Baureferent Markus Kühne die Pläne eines neuen Gewerbegebiets an den Franzosenäckern vorstellte. Eben für dieses renommierte Autohaus mit dem Stern als Markenzeichen.

Ursprünglich hatte die Amberger Gewerbebau das fünf Hektar große Areal für einen ortsansässigen Baumarkt erworben. Doch dieser zeigte plötzlich kein Interesse mehr. Allerdings regte sich in der Sitzung des Stadtrats im Juni Widerstand gegen die Pläne. "Schon wieder Flächenfraß", beklagten die Grünen, ÖDP und Amberger Bunt und stimmten dagegen. Seitdem ist es ruhig geworden um dieses Thema.

"Eine unendliche Geschichte"

Dem Autohaus Widmann läuft aber die Zeit davon. "Es wird eng", beschreibt Bernd Widmann, der Inhaber aus Aalen in Baden-Württemberg, auf Anfrage das Zeitfenster, das dem Unternehmen für eine Neuausrichtung des Standorts zur Verfügung steht. Bis 2021 müsse der neue Standort stehen, laute die Vorgabe des Konzerns. Mit Kritik an der für die Wirtschaftsförderung in Amberg zuständige Gewerbebau hält sich der Geschäftsmann nicht zurück. "Seit 2017 ist nichts passiert. Es ist eine unendliche Geschichte", sagt er. In etwa vier Wochen werde nun entschieden, ob nur der Lkw-Bereich des Unternehmens mit weiteren Zentralfunktionen wie etwa dem Gebrauchtwagenbereich nach Schafhof geht oder der gesamte Betrieb, also auch mit dem Pkw-Segment. Mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge sieht Karlheinz Brandelik, der Geschäftsführer der Gewerbebau, die Entwicklung um den neuen Standort des Autohauses. "Wir können nun mal derzeit dem Unternehmen in Amberg keine passende Fläche in dieser Größenordnung und unter den Zeitvorstellungen anbieten", räumte Brandelik ein. Für das Areal gegenüber den Franzosenäckern sei zwar schon 2016 ein Bauleitplanungsverfahren gestartet worden. Dieses wurde aber negativ beschieden, da der geplante Kreisverkehr an dieser Stelle abgelehnt wurde. Ein neues Verfahren musste aufgerollt werden. "Dies braucht seine Zeit. Außerdem wird die von der Nachbargemeinde Kümmersbruck formulierte Kritik zu diesem neuen Gewerbegebiet ernst genommen."

Amberg

Kritik wird ernstgenommen

Der Gewerbebau-Chef kann der Situation auch Positives abgewinnen: "Zumindest bleibt Widmann in der Region." Weil der Stadt nur wenig Spielraum bei der Bereitstellung von Gewerbeflächen zur Verfügung stehe, habe sie eine interkommunale Zusammenarbeit "Wirtschaftsraum Amberg" ins Leben gerufen. Mit sechs Nachbargemeinden, unter anderem auch Ebermannsdorf, will sie interkommunale Gewerbegebiete anbieten. Schafhof-Ost ist eines davon.

Hahnbach
Unmittelbar bei der Autobahn-Ausfahrt Amberg-Ost entsteht das Gewerbegebiet Schafhof-Ost.
Kommentar:

Flächenfraß schreitet voran

Was soll das Gejammer über den Wegzug von Grammer oder den möglichen Abschied von Widmann aus der Stadt? Die Unternehmen bleiben der Region treu. Die Beschäftigten sind mobil und flexibel, Amberg und die Gemeinden drumherum sitzen längst in einem Boot. Welche Kommune nun die Gewerbesteuer einstreicht, ist für die Region als Ganzes unerheblich.
Schlimm ist ganz etwas anderes: Dass der Flächenfraß nicht aufhört. In Ursensollen, in Ebermannsdorf und in etlichen anderen Kommunen werden weiterhin munter Wälder, Äcker und Wiesen zubetoniert, um Unternehmen zu halten und neue anzulocken. Die Frage ist längst aufgeworfen, wie viel Natur für wirtschaftliche Prosperität noch geopfert werden soll. Die Antwort wird schmerzhaft und höchst umstritten sein.

Uli Piehler

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