29.01.2020 - 16:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Autohaus Widmann verzichtet auch offiziell auf Neubau in Amberg

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Etwas diffus wabert die Meldung seit einiger Zeit durch die Stadt, jetzt bestätigt sie Bernd Widmann auch offiziell. Das Mercedes-Autohaus Widmann verlässt Amberg und geht nach Ebermannsdorf - vollständig.

Ein Bauzaun im Nebel. Dieser lichtet sich rund um die Neubaupläne des Autohauses Widmann aber immer mehr. Das Unternehmen verlässt Amberg und verlegt seinen Oberpfälzer Firmensitz nach Ebermannsdorf ins Industriegebiet Schafhof.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

"Ich habe in Amberg einfach keine Planungssicherheit", sagt Bernd Widmann, Geschäftsführer des Mercedes-Autohauses mit Sitz im württembergischen Aalen. Aus diesem Grund wechselt nicht nur die hiesige Lkw-Sparte des Unternehmens vom derzeitigen Standort im Industriegebiet Süd nach Schafhof an der A6. Auch die Personenwagen aus dem Hause Mercedes werden künftig dort verkauft, wie Widmann bestätigt.

Amberg

Ursprünglich sollte es, basierend auf einem neuen Verkaufskonzept, das den Händlern vom Hersteller vorgegeben wird, eine Zweiteilung der Amberger Widmann-Niederlassung geben. Die Lkw-Sparte sollte nach Schafhof wechseln, für die Personenwagen war ein attraktiver Standort an der B 85 eingeplant, im Kreuzungsbereich der Bundesstraße mit der AM 30.

An Kreisverkehr gescheitert

Allerdings musste dort zunächst einmal ein neues Industriegebiet ausgewiesen werden. Ein erster Vorstoß war vor einigen Jahren schon einmal fehlgeschlagen, weil die gewünschte Erschließung via Kreisverkehr an der Obersten Baubehörde in München gescheitert war. Damit lief das damit verbundene Bebauungsplanverfahren für das rund acht Hektar große Areal, von dem Widmann rund 3,3 Hektar belegen sollte, erst Mitte des Jahres 2019 an, ein einstimmiger Einspruch des Gemeinderats des benachbarten Kümmersbruck brachte noch einmal eine Verzögerung mit sich. Zudem kündigten benachbarte Landwirte ihren Widerstand gegen die Plänte für ein Gewerbegebiet an dieser Stelle an.

Amberg

"Am 31. Dezember 2021 müssen wir fertig sein", hält Bernd Widmann die Vorgaben des Herstellers dagegen. "Das wird uns zeitlich zu eng, das ist viel zu riskant", macht er im Gespräch mit der Amberger Zeitung deutlich. Da könne auch der attraktive Standort kein Trost sein. "Es hilft mir ja nichts, wenn ich da nicht bauen kann."

Damit wandert Widmann komplett nach Ebermannsdorf ins Gewerbegebiet Schafhof ab. Dort gehört dem Unternehmen mittlerweile ein Grundstück von rund 7,3 Hektar, auf dem sich bequem alle Fahrzeugsparten samt Werkstatt und Gebrauchtwagenhandel unterbringen lassen. Aus seiner Enttäuschung macht Bernd Widmann aber kein Hehl. "Wir hätten das gerne in Amberg als zentralen Standort in der Oberpfalz gemacht", sagt er. Schränkt aber ein, dass es für den Erfolg der Marke kein Unterschied sei, ob sie in Amberg oder Schafhof angesiedelt sei. "Wir müssen nicht direkt in der Stadt sein, das sagt uns auch die bisherige Kundenresonanz."

Planung für Schafhof angelaufen

Wie Bernd Widmann sagt, ist bereits die Planung für den neuen Standort angelaufen, noch in diesem Jahr soll in Schafhof Baubeginn sein. "Das Thema Mobilität wäre an diesem Standort interessant gewesen", drückt Karlheinz Brandelik, Geschäftsführer der städtischen Gewerbebau GmbH sein Bedauern aus, die federführend ist für die Erschließung des neuen Gewerbegebiets. "Aber es war absehbar, dass es so kommt", zeigt er sich angesichts des schleppenden Verfahren realistisch.

Keine Auskunft für Birgit Fruth

So bedauerlich das auch sei, er habe keine Angst, auf den nun frei werdenden Flächen sitzen zu bleiben, sagt Brandelik weiter. Die Nachfrage sei unverändert hoch und gerade für schnelle unternehmerische Entscheidungen könne die Stadt bisher keine entsprechenden Flächen vorhalten, auf denen ein schneller Baubeginn möglich wäre. "Diese Flächen haben wir ja dann in der Schublade."

Mit weniger Verständnis nimmt die OB-Kandidatin der SPD, Birgit Fruth, die Meldung auf. Sie stellte umgehend die Anfrage an den Oberbürgermeister, wie viel Gewerbesteuer der Stadt durch die Verlegung des Widmann-Firmensitzes nach Ebermannsdorf verloren geht. Eine Antwort darauf hat sie allerdings nicht bekommen - unter Verweis auf das Steuergeheimnis.

Kommentar:

Kein schonender Umgang mit Flächen

Die Meldung, dass sich das Autohaus Widmann komplett aus Amberg zurückzieht, hat sich angedeutet. Ein neues Konzept von Mercedes erfordert größere, noch attraktivere Präsentations- und Verkaufsräume, so sagt es der Eigentümer. Das mag so stimmen, doch macht es die Sache nicht besser.
Es zeigt sich an diesem Beispiel nämlich auch, dass der schonende Umgang mit Flächen meist nicht mehr ist als ein Lippenbekenntnis. Fordert ein Unternehmen ein großes Grundstück an attraktiver Stelle, dann bekommt es dieses auch. Kaum eine Gemeinde wird es wagen, eine Gewerbeansiedlung aus diesem Grund abzulehnen. Denn der neidige Nachbar lauert ja schon darauf, nach dem fetten Brocken zu schnappen. Interkommunale Zusammenarbeit wird da gerne hintenan gestellt.
Dass Widmann nach Ebermannsdorf geht, das mag weder für die Stadt noch für das Unternehmen ein großer Verlust sein, wie gerne behauptet wird. Doch dadurch wird kein Quadratmeter Boden weniger versiegelt. Im Gegenteil: Für die frei werdende Fläche in Amberg, auf der Widmann seinen Neubau errichten wollte, gibt es sicher zahlreiche Interessenten.

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