21.02.2020 - 11:26 Uhr
AmbergOberpfalz

AZ-Podiumsdiskussion: Mariahilfberg ein Kommunikationsproblem?

Als Wahlkampfthema taugt die Erweiterung der Wirtschaft auf dem Mariahilfberg nicht. In der Gesamtbewertung sind sich die vier OB-Kandidaten bei der Podiumsdiskussion einig. Nur bei einem Detail gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Der aktuelle Blick auf den Mariahilfberg von der Bahnhofstraße aus. Dass man selbst bei kahlen Bäumen die derzeit auf der Terrasse zusammengeschobenen großen Sonnenschirme nicht sehen kann, wertet Franz Mertel als Beweis, dass auch die vorgesehene Erweiterung des Gebäudes nach hinten, also in den Hang hinein, von unten kaum wahrzunehmen sein werde. Der Kirchenpfleger der Filialkirchenverwaltung Mariahilfberg hat dazu selbst eine Fotostrecke aus vielen unterschiedlichen Standpunkten in der Stadt angelegt.
von Markus Müller Kontakt Profil

Es war eine Besucherfrage aus der Sammel-Urne, mit der Moderator Andreas Ascherl bei der Podiumsdiskussion von AZ und Wirtschaftsjunioren das Aufregerthema der letzten Wochen einführte: Warum ausgerechnet "DAS Wahrzeichen" von Amberg "ent-traditionalisiert" werden müsse, indem dort ein Hotel gebaut werde?

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Adressiert war die Frage an OB Michael Cerny (CSU). Er holte weiter aus, um die Lage auf dem Mariahilfberg nachvollziehbar zu erklären: Die Bausubstanz der Bergwirtschaft sei in einem "ganz schlechten Zustand", sie brauche unbedingt eine Sanierung. Diese biete die Chance, den Saal ("brandschutzmäßig eine Katastrophe") ebenerdig und die Toiletten barrierefrei sowie öffentlich zugänglich zu machen. Zudem könne man die Terrasse ("die ist immer voll") erweitern.

"Flächenfraß" contra Wünsche der Wirtschaft

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Der Stadtrat habe diese Planungen gutgeheißen, genauso wie die Größenordnung von 20 Zimmern im Hotel. Das brauche der Investor, damit er rentabel arbeiten könne. "Wir sollten froh sein, dass wir einen Investor haben, der das mit der Kirchenverwaltung gemeinsam macht", lautete Cernys Fazit. Mit Blick auf das Vorgehen der IG "Unser Berg" ergänzte er: "Der Stil, wie jetzt die Diskussion läuft, gefällt mir überhaupt nicht."

Auch Franz Badura, OB-Kandidat der ÖDP, bezeichnete die aktuelle Situation der Wirtschaft als "unhaltbaren Zustand für alle". Und zur Größenordnung von 20 Zimmern bemerkte er, das sei nach seinem Verständnis kein Hotel, eher eine Pension.

Hier gibt's einen kurzen Video-Überblick von der Podiumsdiskussion

Birgit Fruth (SPD) wertete die Projektpläne als Bereicherung für Amberg: "Wir stehen voll dahinter." Gleichzeitig sah sie hinter der Auseinandersetzung aber auch ein "Kommunikations- und Transparenzproblem". Genauer gesagt: "Die Stadtverwaltung hätte im Vorfeld informieren müssen, hätte die Leute mit einbeziehen müssen, dann wäre diese ganze Gerüchteküche nicht entstanden." Das wollte Cerny nicht so stehen lassen: Die Kirchenverwaltung habe zum Umbau der Bergwirtschaft einen Wettbewerb gestartet und sei offensiv mit dem Thema umgegangen. Im September 2018 sei das Konzept im Bauausschuss öffentlich behandelt worden, später mitsamt Modell des Baukörpers im Stadtrat: "Da wurde nichts hinter dem Berg gehalten." Badura sprang dem OB in dieser Frage bei: "Ich kann das Kommunikationsdefizit so auch nicht sehen." Seine Empfehlung zur Beruhigung: "Man muss nicht jeden Mist kommentieren."

Die Fotos von der Podiumsdiskussion

Hans-Jürgen Bumes (Grüne) forderte einen behutsamen Umgang "mit dem, was wir im Landschaftsschutzgebiet haben", doch die Baupläne sah er als "Aufwertung des bestehenden Gebäudes". Als Manko bei der Auseinandersetzung empfand er: "Von der anderen Seite kommt ja auch nichts, dass es heißt: Ja, so machen wir es."

Mehr zur Podiumsdiskussion mit Ambergs Oberbürgermeister-Kandidaten

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Kommentare

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Ulrich Kreillinger

Die erweiterte Bebauung am Mariahilfberg ist im Ansatz falsch. Es fehlen zunächst die erschließungsmäßigen Vorausetzungen für eine intensivere Nutzung, da nur der Mariahilfbergweg und die Bergauffahrt als Erschließungsstraßen vorhanden sind und beide einen geringen Ausbauzustand haben. Aber auch städtebaulich ist der Eingriff in das sensible Bauensemble kontraproduktiv! Es handelt sich um ein landschaftlich wertvolles Gebiet, das bisher baulich nur durch die Bergkriche, das Kloster und das Mesnerhaus geprägt ist. Daneben ist ein Forsthaus vorhanden, das der Waldbewirtschaftung dient. Eine erweiterte Hotelnutzung steht dazu in einem großen Spannungsverhältnis. Auch denkmalspflegerische Gesichtspunkte sind zu berücksichtigen.

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