23.02.2020 - 10:15 Uhr
AmbergOberpfalz

AZ-Podiumsdiskussion: Stadt wird oft schlechtgeredet

Sie ist das Herzstück Ambergs: die Innenstadt. Für sie sahen die OB-Kandidaten bei der Podiumsdiskussion im Ring-Theater durchaus noch Potenzial. Und hatten Vorschläge, wie die Leerstände bekämpft werden können.

Eine fast schon typische Szene für die Amberger Innenstadt. Beliebte Geschäfte und Leerstände wechseln sich ab. Wie hier in der Georgenstraße.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Wie attraktiv ist Ambergs Innenstadt? Das war eine der Fragen, die den vier der fünf OB-Kandidaten, die bei der Podiumsdiskussion dabei waren, im Ring-Theater gestellt wurden. Birgit Fruth, die für die SPD antritt, verwies vor rund 200 Zuhörern auf die vielen guten Vorschläge ihrer Fraktion in den vergangenen Jahren. Zum Beispiel die Leerstands-Offensive "Jung kauft alt". Oder die Bemühungen, "verstärkt Wohnen in die Altstadt reinzubringen".

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Unter "Aufhübschen der Innenstadt" fällt für Fruth, mehr Grün in die Stadt zu bringen, den Malteser als Platz erlebbar zu machen. Zur Belebung der Kunst schlug sie die Spitalkirche als Ort für Konzerte und Events vor. Fruth beklagte aber, dass die Musikerszene keine adäquaten Veranstaltungsräume in der Innenstadt habe. Das sei in Sulzbach-Rosenberg anders, sagte sie und verwies auf den Seidel-Saal: "Eine tolle Location."

Viel oder nichts passiert?

Moderator und AZ-Redakteur Andreas Ascherl pflichtete der Oberbürgermeister-Kandidatin der SPD bei. Das seien alles wahnsinnig tolle Ideen, "aber es wird nix gemacht". So wollte das Amtsinhaber und CSU-Kandidat Michael Cerny nicht stehen lassen. "Es ist in den letzten Jahren viel passiert", sagte er, verwies auf den Roßmarkt, "der toll geworden ist", und das Stadtmarketing, wofür er die Aktion Heimatshoppen als Beispiel brachte. "Es sind viele Einzelbausteine", sagte Cerny, der auch die vor ein paar Jahren eingeführte neue Weihnachtsbeleuchtung dazuzählt.

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Seine Liebeserklärung an Amberg ("Ich bin ein großer Fan dieser Stadt, sie ist toll und hat ein riesiges Potenzial") konnte auch Hans-Jürgen Bumes von Bündnis 90/Die Grünen unterschreiben. Als jemand, der in der Innenstadt wohnt, genieße er Nahversorger, Einkaufen, Restaurants und Cafés. "Das ist der richtige Weg, aber wir sind noch nicht ganz am Ziel." Diejenigen, die Gebäude in der Innenstadt sanieren, müssten auch Hilfestellungen bekommen. Und um Wohnen attraktiv zu machen, müsste man den Parkplatzsuchverkehr aus der Stadt bringen, sagte Bumes und erteilte dem "Mantra, dass Parkplätze vor den Geschäften sein müssen" eine Abfuhr. "Attraktivität entsteht durch Ruhezonen", betonte er und sah diesbezüglich noch viel Potenzial.

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Moderator Ascherl sprang ihm bei und zitierte das ISEK-Gutachten, wonach "Parksuchverkehr für die Innenstadt tödlich" sei. Für Franz Badura, ÖDP-Kandidat für den Chefsessel im Rathaus, ist "das Märchen von den nicht vorhandenen Parkplätzen seit dem Parkleitsystem Geschichte". Er verwies auf die vielfältigen Parkmöglichkeiten rund ums Amberger Ei. Geradezu paradiesisch seien in Amberg die kurzen Wege. Von der Tiefgarage am Pfalzgrafenring sei man in sechs bis sieben Minuten am Marktplatz. Badura verglich die kurzen Wege mit Nürnberg: Vom Bahnhof bis zum Hauptmarkt, das sei in Amberg "zweimal hin und her". Vehement forderte Badura "mehr blechfreie Zonen" und Plätze der Begegnung. Zur Belebung tragen seiner Ansicht nach auch E-Bike-Ladestationen bei: "Wir liegen ja am Fünf-Flüsse-Radweg." Auch im Tourismus sieht er einen Frequenzbringer für die Innenstadt. Von Auswärtigen höre er immer wieder, wie schön Amberg sei. "Wir neigen dazu, die Stadt schlechtzureden."

Hier gibt's einen kurzen Video-Überblick von der Podiumsdiskussion

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Plädoyer gegen horrende Mieten

Cerny verwies in Zusammenhang mit dem Handel darauf, dass im Vorjahr 30 Geschäfte neu eröffnet worden seien. Da Leerstände vor allem in den Seitenlagen existierten, müsse man überlegen, ob man dort "verstärkt in den Bereich Wohnen gehen kann". Um die Leerstände zu bekämpfen, sieht Fruth die Immobilienbesitzer gefordert, auch einmal nachzudenken: "Wenn man mit horrenden Mieten rangeht, kriegt man keine Leute rein." Wie auch Oberbürgermeister Cerny kann sich die OB-Kandidatin der SPD vorstellen, leerstehende Gewerbeflächen in Wohnraum zu verwandeln.

Mehr von der Podiumsdiskussion mit den Amberger OB-Kandidaten

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