03.12.2020 - 16:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Bahn AG und Trassengegner im Raum Amberg gehen aufeinander zu

Der Verkehr soll weg von der Straße und mehr auf die Schiene. Wie schwer das aber in der Realität ist, zeigt die aktuelle Diskussion um die Bahnstromversorgung. Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt (Die Grünen) kann ein Lied davon singen.

Die Zeiten, in denen die attraktive Alex-Verbindung zwischen Nürnberg und Prag einen Halt in Amberg machte, sind längst vorbei. Seit 2009 sind die Einstiege am Amberger Bahnhof um 21 Prozent gesunken.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Würde es tatsächlich gelingen, die Fahrgast- und Frachtzahlen auf der Schiene zu verdoppeln, dann wären das gerade einmal zehn Prozent des gesamten Aufkommens. Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) weiß das. Seinen nahezu missionarischen Eifer, was die Stärkung der Schiene in der Oberpfalz angeht, kann diese Tatsache aber nicht bremsen. Er will die Elektrifizierung, er will die bestehenden Strecken ertüchtigen und er will aufgelassene Linien revitalisieren.

Apropos Bahnstrom. Wie Stefan Schmidt und der Kreisvorsitzende von Amberg-Sulzbach, Karl-Heinz Herbst im Videogespräch erzählen, tut sich da was. Hatten die von der Stromtrasse betroffenen Kommunen und die eigens gegründete Interessensgemeinschaft zunächst heftigen Widerstand aufgebaut, scheint nun ein Kompromiss mit der Bahn AG gefunden. Demnach soll ein unabhängiger Gutachter Alternativen zum Bahnstrom untersuchen inklusive der Möglichkeit zur Versorgung aus dem öffentlichen Stromnetz und die Erdverkabelung. "Da bin ich einigermaßen zuversichtlich, dass wir mit der Elektrifizierung weiterkommen," kommentierte das Schmidt.

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"Die Bahn hat halt am Anfang versucht, die billigste Lösung zu finden", zeigte Karl-Heinz Herbst ein gewisses Verständnis für das staatliche Schienenunternehmen. Jetzt bewege sich die Bahn und damit würden die alternativen Möglichkeiten in den Fokus rücken. Wichtig ist laut Stefan Schmidt in diesem Zusammenhang auch, dass jetzt endlich die offizielle Zusage ergangen ist, für die Metropolenbahn von Nürnberg über Amberg nach Prag im ersten Quartal 2021 den Planungsauftrag zu erteilen. Viel zu spät, wie der grüne Bundestagsabgeordnete meint. Aber offensichtlich hätten die deutsche und die tschechische Seite in den vergangenen drei Jahrzehnten in Sachen Metropolenbahn nicht miteinander geredet.

Wie wichtig die gerade für unsere Region wäre, zeigt laut Schmidt die Entwicklung der Fahrgastzahlen. Die sank nämlich in Amberg von 2009 bis 2019 um 21 Prozent von täglich 2400 auf 2100. Allerdings scheint sie 2020 wieder leicht gestiegen zu sein. Auf der anderen Seite boomt der Bahnverkehr beispielsweise in Regensburg (+29 Prozent), Schwandorf (+ 8 Prozent) oder Parsberg (+ 44 Prozent). Wo die Bahn attraktiv ist, so der Schluss daraus, fahren die Menschen sehr gerne mit dem Zug. Trotzdem warnt Stefan Schmidt vor übertriebener Euphorie. Denn zwischen der Ankündigung etwas zu tun und der tatsächlichen Umsetzung würden oft Jahrzehnte ins Land gehen. "Da wird teilweise ein falsches Verständnis geweckt." Was die Metropolenbahn angeht rechnet Schmidt beispielsweise nicht vor Mitte der 2030er-Jahre mit einem konkreten Ergebnis.

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