04.10.2021 - 16:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Bald keine kostenlosen Corona-Tests mehr: So geht es in Amberg und Amberg-Sulzbach weiter

Ab 11. Oktober ist Schluss mit der staatlichen Kostenübernahme: Wer dann noch einen Corona-Test machen will, muss dafür zahlen – mit wenigen Ausnahmen. Was kosten die Tests? Wo können Ungeimpfte sich noch testen lassen? Ein Überblick.

Wenn ab kommenden Montag, 11. Oktober, Corona-Tests für die meisten Bürger nicht mehr kostenlos sind, wird es für die Testzentren wohl weniger zu tun geben. Unser Bild zeigt eine Testzentrums-Mitarbeiterin in der Amberger Marienstraße.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Noch gibt es in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach insgesamt 20 registrierte Corona-Teststationen: Neun im Landkreis, elf in der Stadt. Doch wie lange noch? Ab kommenden Montag, 11. Oktober, sind Corona-Tests in Bayern für die meisten Menschen nicht mehr kostenlos. Rentiert es sich für Apotheken und Teststationen dann noch, das Angebot weiter aufrechtzuerhalten? Was wird ein Test kosten? Und für wen übernimmt der Freistaat weiterhin die Rechnung? Auch, wenn viele Fragen momentan noch offen sind, Oberpfalz-Medien hat sich umgehört und die aktuelle Lage zusammengefasst.

Die Staatsregierung begründet die Entscheidung, die Kosten für Corona-Tests künftig nicht mehr pauschal zu übernehmen, mit der fortgeschrittenen Impfquote in der Bevölkerung und der Tatsache, dass inzwischen ausreichend Impfstoff für jedermann zur Verfügung steht. Das Rote Kreuz nimmt diesen Schritt zum Anlass, seine beiden verbliebenen Teststationen im Landkreis zu schließen.

BRK-Stationen machen dicht

"Momentan betreiben wir noch Stationen in Auerbach am Edeka-Markt und in Neukirchen im Rot-Kreuz-Haus. Aber die Nachfrage ist mittlerweile so gering, dass wir bis zum 11. Oktober schließen und den Rest die Apotheken übernehmen können. Die machen das professionell und hauptamtlich, ihnen fällt das leichter." Das gibt Bernd Lödel bekannt, Kreisbereitschaftsleiter und Katastrophenschutzbeauftragter beim BRK-Kreisverband Amberg-Sulzbach.

Das Ende der BRK-Teststationen hat auch mit der Arbeitsbelastung zu tun. Zu Pandemie-Höchstzeiten habe der Kreisverband mit seinen Gliederungen wie Wasserwacht, Bergwacht und dem BRK-Bereitschaftsdienst zusammen 18 Teststationen gleichzeitig betrieben. "Für unsere Ehrenamtlichen war das nicht nur eine Zusatzbelastung, sondern auch eine große Herausforderung. Wir kommen leicht auf über 10.000 Arbeitsstunden nur fürs Testen. Zudem waren wir zuletzt noch im Fluthilfeeinsatz in Rheinland-Pfalz." Wenn ab kommenden Montag dann auch noch jeder Test einzeln abgerechnet werden müsse, sei der Arbeitsaufwand unverhältnismäßig groß. "Sollte sich die Lage ändern und wir künftig wieder gebraucht werden, stehen wir aber bereit", versichert Lödel.

Amberger Apotheker sprechen sich ab

Mit den Tests "auf alle Fälle weitermachen" will hingegen Patricia Pulkert. Auch von einem stark nachlassenden Interesse an den Tests kann die Inhaberin der Amann'schen Apotheke nahe dem Nabburger Tor in Amberg nicht berichten: "Der Bedarf wird weiterhin da sein, es gibt viele, die einfach nicht geimpft werden können oder wollen. Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen und bieten dieses Angebot auch weiterhin an." Allein die vergangenen zwei Wochen nach dem Schulbeginn hätten ein anhaltendes Interesse an den Tests gezeigt. "Wir hatten sehr viele Schüler. Sobald die einen kleinen Schnupfen verspüren, stehen sie bei uns." Laut Pulkert gibt es momentan allein in der Amann'schen Apotheke im Schnitt immer noch 20 bis 30 Tests pro Woche.

19,95 Euro für Schnelltest

Dennoch kann die 60-Jährige die Preis-Frage noch nicht beantworten. "Ich bin hier noch in enger Abstimmung mit meinen Kollegen der anderen Innenstadt-Apotheken." Dazu zählen neben der Amann'schen Apotheke die Sonnen-, Malteser-, Daig- und Vilstor-Apotheke sowie jene "Auf der Wart". Sicher ist aber: "Der Preis für einen Test wird bei allen Amberger Innenstadt-Apotheken einheitlich sein."

Pulkerts Kollegin aus Hirschau ist hier bereits weiter. Carina Eichenseer, die Chefin der dortigen Schloss-Apotheke, will ab kommenden Montag weiter testen und genau 19,95 Euro für einen Antigen-Schnelltest verlangen. Ob die 32-Jährige damit auf ihre Kosten kommt und ob sie den Preis halten kann, wird sich aber erst zeigen müssen. "Allein für unserer Teststelle im Raum für Bürger der Stadt Hirschau habe ich sieben Mitarbeiter in Teilzeit angestellt."

Testen als Draufzahl-Geschäft?

Kämen dann in einer Stunde nur drei Kunden, die sich testen lassen wollen, anstelle von beispielsweise zehn, mache sich das schon im Umsatz bemerkbar. Zumal das Aufrechterhalten des Testangebots aufwendig sei und sich deshalb auch wirtschaftlich rentieren sollte. "Es ist für uns eine große Zusatzaufgabe. Wir Apotheken sind ja auch noch für das Ausstellen der digitalen Impfzertifikate, für die Versorgung der Arztpraxen mit Corona-Impfstoff und der Kitas mit Selbsttests für die Kinder zuständig."

Eichenseer glaubt deshalb nicht, dass sie mit den Tests künftig viel Geld verdienen wird und sagt: "Wenn sich ein privater Anbieter finden würde, der das übernimmt, ich hätte auch nichts dagegen." Dennoch geht die Apothekerin davon aus, dass sie auch weiterhin noch genügend Test-Kunden hat. "Wir sind in Hirschau und Umgebung die Einzigen, die ein Testangebot machen. Es kommen auch viele aus den umliegenden Gemeinden und etliche Schüler zu uns." Und: "Wir machen weiter, weil wir unsere Kunden ja auch nicht hängen lassen wollen."

Liste aller Testmöglichkeiten

Ein Blick auf die Internetseiten von Landratsamt und Stadt Amberg, wo eine Liste alle Testzentren aufführt zeigt, dass es davon momentan noch 20 gibt: Neun im Landkreis, elf in Amberg, davon sechs in der Innenstadt. Ob neben den beiden BRK-Stationen, die ihren Dienst einstellen werden, noch weitere Apotheken oder Testzentren dicht machen, ist bislang unklar. Dies entscheide jede Einrichtung für sich selbst, geben Susanne Schwab und Christine Hollederer, die Pressesprecherinnnen von Stadt und Landkreis, unisono auf Nachfrage bekannt. "Wir aktualisieren aber die Liste auf unserer Homepage laufend, damit die Bürger informiert sind", sagt Schwab.

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Hintergrund:

Ausnahmen bei Corona-Tests: Wer muss weiter nicht bezahlen?

  • Zeitpunkt: Ab Montag, 11. Oktober, sind Corona-Tests (Schnell- und PCR-Tests) nicht mehr kostenlos. Die Preise legt dann jeder Anbieter selbst fest, erste Schätzungen schwanken zwischen 10 und 35 Euro. Für einen Schnelltest zahlt der Bund laut Coronavirus-Testverordnung aktuell noch 11,50 Euro. Die genaueren PCR-Tests werden mit knapp 52 Euro angegeben.
  • Ausnahmen: Die Kosten weiterhin übernommen werden laut Testverordnung für Personen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, für alle ohne Impfempfehlung, sowie für Schwangere und Kinder bis zwölf Jahre, Besucher und Angestellte von Pflegeheimen und Studenten (nur bis 30. November)
  • Nachweise: Wer sich künftig kostenlos testen lassen möchte, muss sein Anrecht darauf nachweisen. Wie eine solche Berechtigung aussieht, ist momentan noch unklar.
  • Wer schließt? Momentan gibt es in Amberg elf Testanbieter (sechs in der Innenstadt, fünf außerhalb) und im Landkreis neun. Sicher schließen werden davon die BRK-Teststationen in Auerbach (Edeka-Markt) und Neukirchen (Rot-Kreuz-Haus). Ob weitere Apotheken ihr Angebot beenden, ist möglich, momentan aber nicht bekannt. Einen Überblick aller Teststationen gibt es auf der Homepage des Landratsamtes (https://www.kreis-as.de/Gesundheit-Verbraucherschutz/Corona/Schnelltests/) und der Stadt Amberg (https://www.amberg.de/testen).
  • Hausärzte: Tests bei Ärzten bleiben weiterhin möglich.

"Der Preis für einen Test wird bei allen Amberger Innenstadt-Apotheken einheitlich sein."

Patricia Pulkert, Inhaberin der Amann'schen Apotheke in Amberg

Patricia Pulkert, Inhaberin der Amann'schen Apotheke in Amberg

"Die Nachfrage ist inzwischen so gering, wir werden unsere Teststationen schließen."

BRK-Kreisbereitschaftsleiter Bernd Lödel

BRK-Kreisbereitschaftsleiter Bernd Lödel

 

 

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