03.10.2021 - 17:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach eineinhalb Jahren Corona: So geht es der Amberger Wirtschaft wirklich

Der Wirtschaft, dem Handel und der Gastronomie hat die Pandemie nicht so geschadet wie befürchtet. Vor allem die Zahl der Neueröffnungen überrascht. Allein im vergangenen halben Jahr hieß es in Amberg zwölf Mal: Neustart in der Krise.

Im Hintergrund ist die neue Backstube der Bäckerei Nußstein an der Kastnerstraße zu sehen. Ulf Fischer, Neffe der Firmengründer-Enkelin Irene Kraft, hat in den Neubau „viel Geld“ investiert. Wie viel genau, ist ein Betriebsgeheimnis.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Arbeitslosigkeit, Insolvenz, Kurzarbeit - Wörter wie diese hingen über Monate hinweg wie ein Damoklesschwert über der Region. In der Stadt Amberg haben sich die anfänglichen Befürchtungen, Geschäfte, Restaurants und Betriebe könnten in Folge der Pandemie reihenweise für immer von der Bildfläche verschwinden, nicht bewahrheitet. Auch nicht in der Unkenrufen zufolge ausblutenden Altstadt. "Ich weiß keinen einzigen Laden, der nur wegen Corona geschlossen hat", sagt Verena Fitzgerald von der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Gewerbebau im Exklusiv-Gespräch mit Oberpfalz-Medien und ergänzt: "Die Lockdowns haben niemanden ausschließlich zu einer Schließung gezwungen. Wir haben nur Schließungen bei den Geschäften, die früher oder später ohnehin damit geplant hatten."

Ihr Chef Karlheinz Brandelik bestätigt das: "Wir waren im ersten Lockdown deutlich pessimistischer und sind extrem überrascht, wie gut unsere Händler und Gastronomen durch diese Krise gekommen sind." Am meisten überrascht sind Brandelik und Fitzgerald von der Tatsache, dass inklusive der Stadtgrenze zur Gemeinde Kümmersbruck im vergangenen halben Jahr gleich zwölf Läden neu eröffnet haben. "Das ist qualitativ alles auf sehr hohem Niveau", freut sich Brandelik und fügt hinzu: "Amberg ist insgesamt auf einem sehr, sehr guten Weg."

Projekte "nicht gerade klein"

Fitzgerald will nicht verleugnen, dass sie mit dieser Entwicklung insgeheim gerechnet hatte, aber keineswegs zu so einem frühen Zeitpunkt: "Ich dachte, dass diese Phase schon kommt, aber wirklich nicht so schnell." Das sei ein gutes Zeichen und spreche für den Standort Amberg. Auf der Suche nach möglichen Ursachen landet die Wirtschaftsförderin schnell bei den in der Innenstadt laufenden, aber noch nicht abgeschlossenen Projekten Drei Höfe, Notstain und Bootshaus, die alle "nicht gerade klein" seien und schon jetzt Strahlkraft nach außen besäßen: "Wenn wir die drei Projekte jetzt nach dem Ten-Brinke-Aus nicht hätten, wäre die Stimmung sicher anders." Brandelik spricht in diesem Zusammenhang von einer Aufwärtsspirale: "Das hatten wir schon ganz anders."

Die Stadt und ihre Wirtschaftsförderung tragen laut Fitzgerald und Brandelik übrigens auch einen Teil dazu bei: Stichwort Stadtlabor im ehemaligen Reichert-Bau an der Bahnhofstraße. Dort haben Existenzgründer und Selbstständige die Möglichkeit, ihre Geschäftsidee in einem Pop-up-Laden auszuprobieren, "ohne gleich in einen großen Mietvertrag einsteigen zu müssen", wie es Brandelik formuliert.

Ausgebuchtes Stadtlabor

Fitzgerald fügt hinzu, dass sie sich vor Anfragen derzeit kaum retten könne: "Wir sind im Zwei-Wochen-Rhythmus bis Weihnachten durchgebucht. Wir haben Anfragen, von denen wir noch gar nicht wissen, wie wir sie unterbringen sollen." Bei den Mietern handle es sich vornehmlich um Geschäftsleute, "die wirklich Qualität reinbringen und die super Sachen machen. Aber alle bisher nur online." Im neuen Stadtlabor, das im Juli dieses Jahres eröffnet wurde, könnten die Händler nun ohne Risiko ausprobieren, ob sich ein eigener Laden rentiert.

Der Blick von Karlheinz Brandelik geht auch über die Altstadt hinaus. Mit Stolz erwähnt er, dass die Bäckerei Nußstein ihre Produktion vom traditionsreichen Standort im Dreifaltigkeitsviertel in ein Gewerbegebiet an der Kastnerstraße, einem Seitenarm der Fuggerstraße, verlagert hat. Ein Millionenbetrag sei investiert worden: "Wenn wir diese Flächen nicht gehabt hätten, hätte der Handwerksbetrieb Amberg womöglich verlassen." Dass der 1600 Quadratmeter Nutzfläche bietende Neubau in der Stadt entstanden sei, belege eindeutig, "wie viel derzeit in Amberg los ist".

Amberg "relativ krisenfest"

Brandelik ist überzeugt, dass das auch so bleiben wird: "Ich bin vorsichtig optimistisch. Die Stadt Amberg hat sich als relativ krisenfest behauptet. Jetzt wird sich das Ganze noch weiter positiv entwickeln."

In Amberg entstehen die Drei Höfe: Reportage von der Baustelle

Amberg
Hintergrund:

Das sind die Neueröffnungen

  • RaumGestalt: Wohnaccessoires und Mode (Georgenstraße 50)
  • The Library:Irish Pub (Georgenstraße 60)
  • Lui Burger: Restaurant und Bar (Bahnhofstraße 18 a)
  • Volksbank Regio-Markt: Lebensmittel, Geschenkartikel (Bahnhofstraße 19)
  • Domino’s Pizza: Imbiss und Lieferdienst (Bahnhofstraße 20)
  • Miss Hoian: Vietnamesische Küche (Mosacherweg 2)
  • Bäckerei Nußstein:Gläserne Backstube (Kastnerstraße 3)
  • E-Center Kunert: Eigene Bäckerei mit Hiltner-Zulieferung (Welserstraße 11)
  • Bäckerei Hiltner: Neue Filiale und Café (Vilstalstraße 60)
  • Unverpacktladen: Dinge des täglichen Bedarfs (Friedlandstraße 6)
  • Stadtbrille:Optikerin (Fleurystraße 3)
  • Brandsbado:Wohnaccessoires und Mode (An den Franzosenäckern 15)

 

 

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