03.10.2021 - 16:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Drei Höfe sind ein Versprechen in die Zukunft

Die Arbeiten an den Drei Höfen in der Bahnhofstraße, dem ehemaligen Storg-Gebäude, gehen voran. Derzeit liegt der Schwerpunkt noch beim Rückbau des gewaltigen Baukörpers. Doch erste Spuren der Zukunft sind bereits zu sehen.

So sieht es derzeit auf der Baustelle aus: Die Drei Höfe nehmen erste Konturen an.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Zentimeterweise schiebt sich der große Lastwagen durch die enge Zufahrt vom Münzgäßchen her in den ehemaligen Storg-Innenhof. Links und rechts bleiben nur ein paar Zentimeter, um das schwere Gefährt an die Stelle zu rangieren, an der schon der Abbruchbagger wartet. Mit seiner Schaufel wuchtet dieser Ziegel und Beton auf die Ladefläche. Es sind letzte Reste des einst in der gesamten Region bekannten Kaufhauses Storg, die zum größten Teil auf der Deponie landen. Denn in Kürze entsteht hier etwas ganz Neues: die Drei Höfe.

Bauart-Architekt Thomas Helm steht mitten im Dreck der Baustelle und schaut dem lauten und geschäftigen Treiben zufrieden zu. "Natürlich wäre es schneller gegangen, wenn wir alles einfach abgerissen hätten", sagt Helm. "Aber das wollten wir ja nicht." Der Schutz des Denkmals – soweit es noch vorhanden ist – wird groß geschrieben auf der riesigen Baustelle im Herzen der Altstadt. Was alt ist und erhalten werden kann, bleibt stehen – beispielsweise die historische Fassade des Teilbaus Bahnhofstraße 12, über die das Todesurteil bereits gesprochen war. Sie sollte in der Vor-Bauart-Zeit einfach weggerissen und durch eine neomoderne Betonfassade ersetzt werden. Für ihr Vorgehen haben die Bauart-Leute viel Lob erfahren und auch Mehrkosten in Kauf genommen.

So schauen die Drei Höfe fertig aus

Statik nicht ganz unproblematisch

Überhaupt ist der "moderne" Teil, der einstige Verkaufsbereich des ehemaligen Storg-Gebäudes, das Sorgenkind. Weil der Keller erst bei einer der Umbauten im 20. Jahrhundert bergmännisch unter das schon bestehende Haus gegraben worden ist, waren Gründung und Gesamtstatik ziemliche Unsicherheitsfaktoren. Inzwischen wurden hier lange Betonpfähle durch den schlammigen Untergrund getrieben, um das Gebäude auf solide, felsige Fundamente zu stellen. "Das ist uns auch geglückt", meldet Thomas Helm Vollzug. Während er das sagt, gräbt sich ein kleiner Bagger ganz unten durch den gelblichen, zähen "Baaz", auf dem die Amberger Altstadt steht. "Hier kommt das große Treppenhaus hin", erklärt Thomas Helm. Aber man kann sich irgendwie überhaupt noch nicht vorstellen, dass hier schon in knapp eineinhalb Jahren ein Hotel mit über 100 Zimmern, Gaststätten und kleinen Geschäften stehen wird.

Die Baustelle in der Bahnhofstraße ist gewaltig. Und der Anstieg der Baupreise ist es derzeit auch. "Wir haben da noch ziemlich Glück gehabt", sagt Thomas Helm. Viele Gewerke seien schon vor dem großen Preisanstieg ausgeschrieben und zu den damaligen Konditionen bestellt worden. Etwas Sorgen bereitet dem Architekten der enge Zeitplan. Die Unwägbarkeiten der Baustelle haben zu Verzögerungen geführt. "Wir sind im Augenblick um gut zwei Monate zurück – das ist aber nichts, was wir nicht wieder aufholen könnten." Ein guter, also milder Winter, und schon ist die Baustelle wieder im Soll.

Glasüberdachung ist nicht geplant

Ein paar Schritte weiter steht der staunende Besucher inmitten des ehemaligen Innenhofs. Früher war er nach oben offen, am Ende wird es wieder sein. Doch jetzt hat er einen Deckel aus Gerüstteilen. Das ist aber kein Blick in eine Zukunft mit Dach. Eine weitere Arbeitsplattform ganz oben ist das, eine zusätzliche Stellfläche für die Materialien, welche die Arbeiter hier brauchen. Eine Glasüberdachung des Hofs war im Verlauf der Planung zwar mal angedacht, sie scheiterte letztlich an der komplizierten Statik und dem Veto der Denkmalschützer.

Mit denen steht die Bauart übrigens im guten Einvernehmen, wie Thomas Helm immer wieder betont. Ein Beispiel dafür sind die historischen Kreuzgewölbe im Gebäudeteil Bahnhofstraße 10, in denen früher die kleineren Geschäfte wie der Hutladen Zaremba oder das Schmuckgeschäft Huber untergebracht waren. Hier soll eine Gaststätte einziehen. Die Idee war nun, dass diese Kreuzgewölbe für die Gäste sichtbar sein sollen. "Allerdings waren die immer schon verputzt", nennt Thomas Helm die Schwierigkeit. Tatsächlich hätten die Denkmalschützer aber ihre Bedenken beiseite geschoben und zugelassen, dass sie offen bleiben.

Dachstuhl fast saniert

Der Schutz des Denkmals wird hier ohnehin groß geschrieben. Mit einem wackeligen – aber sehr stabilen – Aufzug (Thomas Helm: "Der ist natürlich absolut sicher.") geht es hoch unter das Dach. Der barocke Dachstuhl hat die jahrzehntelange Nutzung als Lager und Büro gut überstanden, inzwischen ist er frei gelegt und weitestgehend saniert. Wie in den meisten alten Häusern waren auch hier die Füße der Balken verfault und mussten ersetzt werden. "Das hält wieder ein paar Jahrhunderte", sagt Thomas Helm und klopft auf Holz.

Dort oben unter dem historischen Dach können sich später einmal Gäste im Boarding House über einen längeren Zeitraum einmieten. Handwerker oder Ingenieure, die Wochen oder Monate in Amberg zu tun haben und nicht im hauseigenen Hotel Mariandl am Berg nebenan leben wollen. Wenn alles gut geht, wird das Hotel, das übrigens schon seit ein paar Jahren ein Pendant auf Rügen hat, bereits im Dezember 2022 eröffnen. Für einen Cocktail in der spektakulären Rooftop Bar wird es dann vielleicht ein bisschen kalt sein, doch auch mit Winterjacke ist der tolle Blick über die Dächer der Stadt nicht zu unterschätzen.

Versprechen für die Zukunft

Das alles kann man sich im Augenblick überhaupt nicht vorstellen, wenn man im Erdgeschoss des ehemaligen Kaufhauses Storg/Form steht und nach oben in den blauen Himmel blickt. Das Dröhnen der Bagger und das Kreischen der Betonsägen aber sind schon heute ein Versprechen für die Zukunft. Hier passiert etwas in der historischen Amberger Altstadt. Ganz unaufgeregt und von den Ambergern schon ganz neugierig erwartet. Architekt Thomas Helm lässt an diesem kalten Vormittag keinen Zweifel daran, dass die Drei Höfe mit dem Hotel Mariandl, mit den Gaststätten und den Läden schon bald ein attraktiver Anziehungspunkt sein werden.

Mehr zu den Drei Höfen

Amberg
Hintergrund:

Von der Alten Münze zu den Drei Höfen

  • 1708/09: Nach einem Brand wird das Anwesen Bahnhofstraße 10 neu gebaut – hier zieht später die Amberger Münze ein.
  • 1861: Bau der Bahnhofstraße 12 und Errichtung der Bayerischen Gewehrfabrik.
  • 1931 Verkauf der beiden Immobilien an Georg Frauendorfer. Verpachtung des Erdgeschosses an die „Einkaufsgenossenschaft Rheinisch-Westfälischer Geschäftshäuser“ (ERWEGE). Der jüdische Gesellschafter Siegfried Hirsch machte daraus ein Kaufhaus für Textilien und Lebensmittel.
  • 1936 übernahm wegen nationalsozialistischer Hetze und Boykottaufrufen, die sich gegen Hirsch richteten, Heinrich Storg Senior die Geschäftsführung des Warenhauses.
  • 1953 kauft Heiner Storg die beiden Anwesen. Mehrmalige Umbauten und Umwandlung in ein großes Kaufhaus.
  • 11. Januar 2000: Insolvenzantrag für das Kaufhaus Storg.
  • Mai 2000: Storg-Geschäftsführer Hans-Joachim Treutler übernimmt das Kaufhaus und gründet das Forum.
  • 31. Januar 2005: Das Kaufhaus Forum schließt endgültig seine Türen.
  • Dezember 2005: Verkauf an RMI-Immobilien und Beginn eines langen Stillstandes.
  • Februar 2016: Verkauf an die städtische Tochter Gewerbebau. Das Kaufhaus soll sich um einen Ankermieter herum entwickeln. Doch der springt im April 2019 wieder ab.
  • Juli 2019: Kauf der Immobilie durch die Bauart GmbH aus Amberg - es soll nun ein Hotel mit rund 110 Zimmern entstehen.
  • Januar 2020: Baubeginn für die Drei Höfe.
  • Dezember 2022 (voraussichtlich): Fertigstellung der Drei Höfe mit dem Hotel Mariandl am Berg, Gaststätten und kleinen Geschäften.

 

 

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