28.06.2021 - 12:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Bartholomäus Bauer: Ein Amberger auf dem Weg zur Seligsprechung

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Neapel ist sehr katholisch und von den gläubigen Neapolitanern kennt ihn jeder: diesen Mönch aus Amberg, an den sich in seiner Heimat kaum einer erinnert. Das soll sich jetzt ändern.

Das einzige Bildnis von Bartholomäus Bauer hängt in der Klosterkirche Schönau in Gemünden am Main (Landkreis Main-Spessart) und zeigt ihn im Habit mit einem Kreuz auf der Schulter.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Ein Amberger steht im Ruf der Heiligkeit und ist trotzdem fast vergessen worden in seiner Heimatstadt. Der Franziskanerpater Bartholomäus Bauer, der einst in der Unteren Nabburger Straße geboren wurde und aufgewachsen ist, wird in der Basilika San Lorenzo Maggiore in Neapel seit seinem Tod wie ein Heiliger verehrt, dabei ist er noch nicht einmal seliggesprochen. Doch das Verfahren dazu nimmt jetzt wieder Fahrt auf.

Domvikar Georg Schwager, der Leiter der Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse beim Bischöflichen Konsistorium in Regensburg, wünscht sich, dass das Leben und Wirken des Klosterbruders aus Amberg besser wahrgenommen wird. Er sei ein "großer Sohn Ambergs", betont Schwager und appelliert an die Gläubigen in der Region, Gebetsanliegen der Fürsprache Bauers anzuvertrauen. Schwager kennt viele Details aus dem Leben des Geistlichen und weiß auch, wie er nach Italien gekommen ist.

Geboren wurde Bauer 1560 mitten in Amberg und mitten in der Zeit der Reformation. Die Stadt war 1553 größtenteils protestantisch geworden. Es regierte Kurfürst Friedrich der Fromme - der Urgroßvater des Winterkönigs, der dem Calvinismus in der Pfalz immer mehr den Weg bereitete. Auch Bartholomäus Bauer wuchs protestantisch auf - irgendwann aber muss es ein Schlüsselerlebnis gegeben haben, das ihn zum glühenden Verfechter des katholischen Glaubens machte. "Die näheren Umstände seiner Konversion sind nicht bekannt", erklärt Monsignore Schwager. Fest steht aber, dass Bauer im Alter von 19 Jahren seinem Elternhaus den Rücken kehrte und nach Rom pilgerte, um sich ganz in den Dienst der katholischen Kirche zu stellen. Bei Kardinal Christoforo Madruzzo fand er freundliche Aufnahme und wurde schließlich in den Orden der Minoriten aufgenommen.

"Der 400. Todestag soll das Gedenken an diesen heiligmäßigen Seelsorger neu in Erinnerung rufen."

Domvikar Monsignore Georg Schwager

Domvikar Monsignore Georg Schwager

Als er im Glauben gefestigt und von seinen Mitbrüdern anerkannt war, durfte er mit Erlaubnis seiner Oberen nach Amberg zurückkehren, um seine Familie zur Konversion zu bewegen. Doch der Ausflug an die Vils sollte ihm nicht gut bekommen: Domvikar Schwager berichtet, dass er daheim alles andere als willkommen gewesen sein. Sein Vater und seine Brüder - streng calvinistisch - hätten ihm den Besuch so sehr nachgetragen, dass sie ihn sogar töten wollten. Auf Anraten seiner Mutter habe er das Elternhaus in der Amberger Altstadt fluchtartig verlassen und sei nach Italien zurückgekehrt.

Bartholomäus Bauer hielt sich dann als Ordensmann in Padua, Assisi, Tagliacozzo und Bari auf, bevor nach Neapel kam, wo er die Priesterweihe empfing und sich als Spiritual um die "Schwestern von der Buße" kümmerte. Diese Nonnen widmeten sich ganz der Kranken- und Armenpflege. In Neapel wurde der gebürtige Amberger bald berühmt, besonders sein Spruch: "Der glaubt wahrhaft, der durch Taten das übt, was er glaubt." Ein tatkräftiger Helfer aller Menschen in Not wollte er sein und so war er bekannt dafür, dass er barfüßig, ein Kreuz und einen Bettelsack auf den Schultern, durch Städte und Dörfer zog, um für die Armen und Kranken Almosen zu sammeln. Immer wenn er das tat, folgten ihm zeitgenössischen Berichten zufolge Kinder in Scharen. Viele Verdienste hat er sich auch als Kirchenmusiker erworben. Mehrere Kompositionen aus den Jahren 1575 bis 1600 sind von ihm erhalten.

Am 23. Mai 1621 - etwa ein halbes Jahr nach der für den Winterkönig so verhängnisvollen Schlacht am Weißen Berg - starb Bauer im Alter von 61 Jahren in Neapel nach einer nicht näher beschrieben schweren Krankheit. Seine Beerdigung geriet angeblich zu einem Triumphzug. Wie Domvikar Schwager berichtet, ist überliefert, dass Tausende kamen, um von dem "Padro santo" aus Amberg Abschied zu nehmen. Sein Leichnam musste drei Tage in der Kapelle des Heiligen Laurentius aufgebahrt werden. Bereits unmittelbar nach seinem Tod begannen die Bemühungen um eine Seligsprechung des Minoritenpaters. 1625 erteilte der Vatikan offiziell die Genehmigung dazu. Weil sich die Beschaffung notwendiger Dokumente aus Amberg als schwierig herausstellte, zog sich das Verfahren hin. Später verschleppten die napoleonischen Kriege viele dieser Prozesse, so dass Bartholomäus Bauer in Rom und erst Recht in Amberg nahezu in Vergessenheit geriet.

Das ändert sich jetzt. "Der 400. Todestag soll das Gedenken an diesen heiligmäßigen Seelsorger neu in Erinnerung rufen", wünscht sich Schwager. Er ruft die Gläubigen auf, auf die Fürbitte Bauers zu vertrauen. Sollte es eine Gebetserhörung geben, die dieser Fürbitte zugesprochen wird, soll sie der Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse beim Bischöflichen Konsistorium (Obermünsterplatz 7, 93047 Regensburg) gemeldet werden.

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Die Grabplatte Bartholomäus Bauers in Neapel. Für die Italiener heißt er Bartolomeo Agricola.
Info:

Bartholomäus Bauer

  • Geboren 1560 als Sohn des Küfermeisters Johann Bauer und seiner Frau Magdalena in der Unteren Nabburger Straße in Amberg.
  • 1579 Konversion vom Calvinismus zum Katholizismus, Verlassen des Elternhauses, Eintritt in den Minoritenorden in Tagliacozzo (Provinz L’Aquila, Abruzzen).
  • Priesterweihe und Volksprediger in Neapel.
  • Gestorben am 23. Mai 1621 im Ruf der Heiligkeit.
  • Seine Grabstelle in Neapel ist traditionell das Ziel vieler Pilger. 1987 wurden seine Reliquien in die Basilika San Lorenzo Maggiore übertragen.

 

 

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