28.09.2021 - 17:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Baumfällungen in Amberg: 200 kranke Eschen müssen weg

Durch kranke Eschen ist in Amberg die Sicherheit auf Straßen, Spielplätzen und Freizeitflächen akut gefährdet. Die Stadt reagiert und fällt etwa 200 Bäume in der Kräuterwiese.

von Miriam Wittich Kontakt Profil

Es wird das Bild der Kräuterwiese in Amberg gewaltig verändern: 200 Eschen müssen hier gefällt werden. Beim Blick in die kleinen grünen Wäldchen leuchten die orangefarbenen Markierungen an den Stämmen, die weichen werden müssen, deutlich hervor. "Richtige Löcher werden hier entstehen", bedauert Florian Haas von der Unteren Naturschutzbehörde. Die Esche sei in der Parkanlage an der Vils "irre prägend", mit der Entnahme komme es zu großen Veränderungen. Doch die Bäume müssten entfernt werden, sie zeigen Symptome des Eschentriebsterbens.

Ein "Riesen-Problem", denn die kranken Bäume können ohne Vorwarnung fallen, erklären Bernhard Frank, der Leiter des Sachgebiets Grün im städtischen Baureferat, und sein Mitarbeiter Wolfgang Zehend. Bei einigen der Eschen in der Kräuterwiese ist das schon passiert. Bäume mit einer scheinbar gesunden Krone liegen quer. An den herausgerissenen Wurzeln zeigt sich das Problem: sie sind porös. Durch die Holzfäule sehen sie schwammartig aus, und lassen sich mit den Fingern zerbröckeln. "Die Bäume sehen grün aus, fallen aber reihenweise um, weil die Wurzeln sich regelrecht auflösen", schildert Wolfgang Zehend die Schwierigkeit. "Wir müssen handeln, um die Verkehrssicherheit nicht zu gefährden."

Gefahr für Menschen

Eine besondere Gefahr würden die kranken Eschen für die Fußgänger und Radfahrer im Park darstellen, für die Kinder, die dort am Spielplatz toben, und die Fußballer am Bolzplatz. Aber auch die Nähe zum Parkdeck, zur Bayreuther und zur Sulzbacher Straße ist problematisch. "Anderswo könnte man die Natur einfach sich selbst überlassen", sagt Haas. In Auwäldern, wo die Esche häufig vorkommt, zum Beispiel. Das gehöre ja zum natürlichen Prozess. "Aber hier geht das natürlich nicht." Die Kräuterwiese ist dafür zu stark frequentiert.

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Amberg

Das Eschentriebsterben wird durch einen Pilz mit dem Namen "Falsches weißes Stengelbecherchen" verursacht. In Bayern seit 2005 nachgewiesen, breitet er sich stark aus und befällt Eschen aller Altersklassen und an jedem Standort. In Amberg habe man schon 2018 an zahlreichen Eschen in der Kräuterwiese die typischen Symptome gesehen: Triebspitzen und Blätter der Eschen sterben ab. Durch diese starken Schwächungen komme es dann zur Wurzelstockfäulnis oder auch zu Käferbefall.

Kaum Heilungschancen

"Kurzfristig kann es helfen, die Eschen zurückzuschneiden und Totholz aus den Kronen zu entnehmen", erklärt Zehend. Den Verfall der Esche halte das jedoch nur selten auf. "Wir sind auch mit vielen anderen Städten in Kontakt. In Augsburg zum Beispiel haben sie versucht, mit Baumkletterern die Kronen zurückzuschneiden und die Eschen so zu retten. Aber das wurde nun auch aufgegeben. Es gibt keine wirksame Behandlungsmöglichkeit." Eine Gesundung des Baumes sei so gut wie ausgeschlossen, früher oder später müssten die Eschen gefällt werden. Überrascht habe jedoch die Geschwindigkeit. "Der schnelle Verfall ist bemerkenswert", sagt Zehend. "Das war so nicht absehbar." Die Trockenheit der vergangenen drei Jahre habe das Absterben vermutlich beschleunigt. Zehend: "Ein Baum hat eigentlich ein super Immunsystem und kann sich gut selbst wehren. Aber Stressfaktoren, wie andauernde Trockenheit oder Autoverkehr, können dieses Immunsystem schwächen."

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Amberg

Die Esche wird wohl nicht zukunftsfähig sein und ist in ihrer Existenz bedroht, sind sich die Experten vom Team Grün der Stadt und Florian Haas einig. "Derzeit geht man von einer Resilienz von nur zwei Prozent aus", sagt Wolfgang Zehend. Das bedeutet, dass wohl nur zwei Prozent aller Eschen überleben werden. Auch in der Kräuterwiese in Amberg sollen vereinzelte Bäume ohne Symptome erhalten bleiben – und natürlich werde mit anderen Baumarten wieder aufgeforstet.

Mit den Baumfällungen beginnt die Stadt in etwa zwei Wochen. Die Abteilung für Grünplanung und Landespflege geht von geschätzten Kosten in Höhe von 45.000 Euro für die Arbeiten aus. Dabei kommen Spezialgeräte zum Einsatz, und der Park muss großflächig gesperrt werden. Auch die Sulzbacher und die Bayreuther Straße werden betroffen sein. Die Straßensperrungen werden kurz zuvor gesondert angekündigt.

Auch eine Weide in der Kräuterwiese ist von einem Pilz befallen

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Hintergrund:

Die Kräuterwiese

  • Als Kräuterwiese wird der Grünbereich auf beiden Seiten der Vils zwischen Sulzbacher und Bayreuther Straße bezeichnet
  • Sie wurde in den 1950er-Jahren als Landschaftspark angelegt
  • Es gibt Spazierwege, Spielgeräte für Kinder, einen Bolzplatz, Parkplätze und waldähnliche Strukturen
  • Das Gesamtareal umfasst 8 Hektar, die Waldfläche nimmt davon 2,5 Hektar ein
  • Gepflanzt sind hier überwiegend heimische Laubbäume
  • Im Bestand sind auch etwa 200 Eschen. Sie müssen nun fast alle gefällt werden, weil sie von einem Pilz befallen sind.

"Die Bäume sehen grün aus, fallen aber reihenweise um, weil die Wurzeln sich regelrecht auflösen."

Wolfgang Zehend, Team Grün der Stadt Amberg

Wolfgang Zehend, Team Grün der Stadt Amberg

"Richtige Löcher werden hier entstehen."

Florian Haas, Untere Naturschutzbehörde, über die Entnahme der Eschen aus den Wäldern der Kräuterwiese

Florian Haas, Untere Naturschutzbehörde, über die Entnahme der Eschen aus den Wäldern der Kräuterwiese

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