11.05.2021 - 10:57 Uhr
AmbergOberpfalz

BBV-Arbeitsgemeinschaft: Modell der jagdlichen Eigenbewirtschaftung vorgestellt

Ist es für Waldbauern besser, die Jagd selbst in die Hand zu nehmen? Manchmal scheinbar schon. Über das Modell jagdliche Eigenbewirtschaftung tauschten sich Vertreter des Bauernverbands aus Amberg-Sulzbach aus.

Ein Hochsitz wirft seinen Schatten auf ein Feld. Beim Bauernverband wird über die Vorteile der jagdlichen Eigenbewirtschaftung diskutiert.
von Externer BeitragProfil

Eigenbewirtschaftung oder Verpachtung wird in den Jagdgenossenschaften immer wieder diskutiert. Drei funktionierende und überaus erfolgreiche Beispiele von Eigenjagden, wie es in einer Pressemitteilung des BBV heißt, stellten sich bei einer Online-Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer im Kreisverband Amberg-Sulzbach des Bayerischen Bauernverbands (BBV) vor. „Aber egal ob Eigenbewirtschaftung oder Verpachtung, es braucht immer willige und fähige Jagdhandwerker“, formulierte es Hubertus von Eyb vom Jagdbetrieb Gut Ebermannsdorf. Sowohl ihm als auch in den selbstbewirtschafteten Jagdrevieren Flügelsbuch (Kastl) und Fichtelbrunn – darüber berichteten Josef Weiss und Harald Pilhofer – ist es durch selbstbestimmtes, effektives Jagen auf den eigenen Flächen gelungen, die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen zu erreichen. Und trotz Erhöhung der Abschusszahlen gibt es immer noch genügend Rehwild, hieß es.

Vor der Entscheidung zur Selbstbewirtschaftung herrschte in allen drei Revieren mehr oder minder Unzufriedenheit mit den Pächtern, weil die Abschusspläne nicht erfüllt wurden. Als „gravierend“ (Josef Weiss) und „nicht akzeptabel“ (Harald Pilhofer) wurde der Verbiss geschildert, „die Wälder waren leergefegt.“ Ein anderes Bild nach 15 (Flügelsbuch) bzw. 30 Jahren Eigenbewirtschaftung (Fichtelbrunn und Ebermannsdorf): der Wald hat sich erholt, Naturverjüngung auf der ganzen Linie. Eine Erfahrung, die auch Armin Linhard, Bauernjäger und Begehungscheininhaber bestätigt. „Seit ich meine eigenen Flächen bejagen kann, habe ich den Verbiss im Griff.“ Einfach sei das zwar nicht, ergänzte er, „da steckt viel Arbeit drin.“ Dass aber der Aufwand für die Jagdgenossenschaft oder den Jagdvorstand bei Eigenbewirtschaftung nicht zu unterschätzen ist, zeigten die Erfahrungsberichte, so der BBV in seinem Bericht.

Zunächst einmal gehe es darum, viel Überzeugungsarbeit zu leisten, „denn die wichtigste Voraussetzung ist der Wille der Jagdgenossenschaft und des Jagdvorstandes.“ Hubertus v. Eyb berichtete davon, dass man die Abschusszahlen verdoppelte, was die Wildschäden stark verminderte, die Entmischung der Baumarten reduzierte und so die Naturverjüngung steigerte, nicht nur bei Fichte und Kiefer, sondern auch bei Laubholz, Douglasie, Lärche und Tanne. Weitere positive Nebeneffekte: sowohl die Wildunfälle als auch die Mähverluste konnten drastisch gesenkt werden. Ähnliches bestätigte Harald Pilhofer: die sichtbare Naturverjüngung im Wald mit bis zu zwölf verschiedenen Baumarten sei Motivation „und da müssen wir dranbleiben.“

Im selbstbewirtschafteten Revier Flügelsbuch werden die 300 Hektar von vier Jägern bejagt, Fichtelbrunn (950 Hektar) teilen sich neun Jäger und in Ebermannsdorf (963 Hektar) gehen 15 Jäger auf die Pirsch. Den größten Vorteil sehen die Betreiber der Selbstbewirtschaftungen darin, dass sie jederzeit Einfluss auf den Jagdbetrieb nehmen können: kurze Wege, schnelle Reaktion, keine langen vertraglichen Bindungsfristen, erhebliche Kosteneinsparung bei Pflanzung, Zaun, Pflege und Erlös durch den Wildbretverkauf. „Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt“, brachte es Hubertus Eyb auf den Punkt. Gleichzeitig sieht er in der Eigenbewirtschaftung „einen wichtigen Beitrag zur Hege eines artenreichen und gesunden Wildbestands, denn artenreich heißt viele Arten und nicht viele Individuen einer Art.“

AG-Vorsitzender Ernst Utz zeigte sich im Hinblick auf den Schwarzwilddruck zufrieden, dass der Einsatz von Nachtzieltechnik erlaubt wurde und dies auch Erfolge zeige, wie in einem Jagdrevier, in dem von einem Jäger in einem Jahr 66 Sauen erlegt wurden.

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Speinshart

BBV-Bezirksgeschäftsführer Hubert Hofmann hatte eingangs ausführlich zum Thema Jagdgenossenschaftsversammlungen in Zeiten von Corona informiert. Sofern aufgrund der pandemischen Lage oder aus praktischen Gründen Versammlungen nicht möglich sind, kann der Jagdvorstand Angelegenheiten entscheiden, die keinen Aufschub dulden. Für Beschlüsse in digitaler Form fehle derzeit die gesetzliche Grundlage. Unter gewissen Umständen ist zum Beispiel die Verlängerung der Amtszeit des Jagdvorstands um drei Monate möglich, danach muss der jeweilige Bürgermeister als Notvorstand einspringen, war zu hören.

 

 

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