31.07.2020 - 13:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Berufung nach Urteil von Amtsrichter in Amberg

Die Entscheidung des Landgerichts wird spannend. Vor der 3. Strafkammer als Berufungsinstanz wird es darum gehen, dass Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf Freispruch plädierten, der Amtsrichter aber eine heftige Strafe verhängte.

Um ein fliegendes Weizenglas im Bierzelt herrscht viel Verwirrung.
von Autor HWOProfil

Der Fall zog sich über mehrere Verhandungstage hin. Ein 33-Jähriger stand dabei unter dem Verdacht der gefährlichen Körperverletzung. Der gegen ihn erhobene Vorwurf lautete: Der junge Mann sollte bei einem Fest im nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach zu fortgerückter Stunde ein Weizenbierglas völlig grundlos in die feierende Menschenmenge geschleudert und dabei eine junge Frau am Kopf verletzt haben.

Zum dem Verfahren marschierten zahlreiche Zeugen auf. Die meisten von ihnen hatten das Geschehen nur am Rande mitbekommen. Die damals verletzte junge Frau ließ anklingen, sie habe den Wurf des Glases "nur aus dem Augenwinkel heraus gesehen". In dieser Richtung stand wohl auch der Beschuldigte. Doch definitiv als Täter war er für sie nicht zu identifizieren. Allerdings erfuhr der Vorsitzende auch, dass es vor dem Zwischenfall zu einem Streit zwischen dem 33-Jährigen und dessen Freundin gekommen sei, in den das spätere Opfer sich schlichtend eingemischt hatte.

Im Lauf der Verhandlung hatte sich durch Zeugenangaben herausgestellt, dass es bei dem Fest offenbar keine Weizenbiergläser gab. Mehr noch: Am Tatort waren später weder ein Glasbehälter noch Scherben gefunden worden. Fest stand aber: Das Opfer hatte eine Wunde am Kopf und musste im Krankenhaus versorgt werden.

"Es bleibt ein Geheimnis, wann und von wem die Geschädigte etwas an den Kopf bekommen hat", sagte Verteidiger Jürgen Mühl in seinem Plädoyer und verlangte Freispruch für seinen Mandanten, der den Bierglaswurf strikt von sich gewiesen hatte. In die gleiche Kerbe wie Mühl schlug Staatsanwalt Jakub Uhlig. Auch er verlangte Freispruch und legte dem Richter nahe: "Der Tatnachweis ist wegen der dürftigen Beweisaufnahme nicht zu führen."

Was dann folgte, war eine faustdicke Überraschung. Der Vorsitzende hatte "keine vernünftigen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten" und führte Indizien ins Feld, die gegen den 33-Jährigen sprächen. "Dass ein Gegenstand flog, ist sicher", sagte er und ergänzte, der Angeklagte sei bereits unmittelbar nach dem Glaswurf als Täter im Gespräch gewesen.

Die Strafe war bemerkenswert: Der 33-Jährige bekam acht Monate Haft mit Bewährung, er soll außerdem 1600 Euro Geldauflage zahlen. Nach dem Urteil ging Anwalt Mühl sofort in Berufung. Von daher kommt es nun zu einer Neuauflage des Verfahrens vor dem Landgericht. Die geschieht unter dem wirklich seltenen Vorzeichen, dass sowohl Verteidigung als auch Anklagebehörde Freispruch verlangten und es dennoch zu einer Ahndung kam. Wann der Fall erneut verhandelt wird, steht bisher nicht fest. Es dürften allerdings mehrere Monate bis zur Terminierung vergehen.

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