16.08.2021 - 15:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Besitzer nach Schnittwunden an Esel fassungslos

Esel Benni ist am Amberger Erzberg zu Hause. Mit 26 Jahren liegt er nachts auf einem eingezäunten Grundstück und braucht morgens Hilfe beim Aufstehen. Ein Unbekannter hat dem Tier Schnittwunden zugefügt. Die Besitzer sind fassungslos.

So war Benni vor dem Vorfall am Erzberg. Er beißt in den Pulli seiner Besitzerin Nathalie Rheinbay, weil er mit ihr spielen möchte.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Benni war ein zutraulicher und kinderlieber Esel. Für viele Familien war das fast 27 Jahre alte Tier eine Freude, wenn sie am Amberger Erzberg unterwegs waren. Seit Samstag ist das erst einmal vorbei. Ein Unbekannter hat Benni mehrere Stücke Fell herausgeschnitten und ihm dadurch drei Schnittverletzungen zugefügt. Besitzer Gerhard Gürtler ist geschockt und kann nicht verstehen, wie ein Mensch so etwas tun kann. Er sagt: "Seit 20 Jahren bin ich da. Es ist noch nie etwas passiert."

Das wirklich Gemeine an der Geschichte: Benni kann selbst nicht mehr aufstehen, wenn er länger liegt. Er hat eine Art altersbedingte Arthrose. Gürtler kommt jeden Tag in der Früh zum Gehege und hebt das Tier auf die Beine, obwohl er selbst schon 75 Jahre alt ist. "Wenn er steht, ist alles in Ordnung. Aber nachts liegt er am Boden." Er vermutet, dass das jemand gesehen und die Hilflosigkeit des Esels ausgenutzt haben könnte. "Jeder andere Esel hätte dem Täter eine draufgehauen, und gut wäre es gewesen", erklärt der Senior.

Mit der Flasche großgezogen

Gürtler sagt, dass der Esel ihn als seine Mama wahrnimmt. "Ich habe ihn bekommen, als er noch ganz klein war", sagt er. Weil das Muttertier Benni nicht angenommen hatte, musste Gürtler ihn mit der Flasche großziehen. Sechs Wochen lang habe er damals Tag und Nacht bei dem kleinen Esel im Stall geschlafen. "Als ich am Samstag zum Stall gekommen bin, wollte er nicht einmal mehr zu mir her kommen. Er ist sogar auf mich losgegangen. Da hab ich gemerkt, das was nicht stimmt", erinnert sich Gürtler. Dann habe er bemerkt, dass Benni Verletzungen am Körper hatte.

Gürtler kann sich nicht erklären, welche Motive hinter der Tat stecken. Auch die Amberger Polizei tappt derzeit noch im Dunklen. In der Pressemitteilung der Beamten heißt es zu dem Vorfall: "Die Hintergründe, welche einen bislang unbekannten Täter zu seinem Handeln bewegt haben, liegen derzeit noch vollkommen im Dunkeln." Der Bericht der Beamten deckt sich mit den Aussagen Gürtlers. Die Erlebnisse hätten sich auf Bennis Gemüt ausgewirkt. So teilt die Polizei mit, dass das Tier "seit dem Vorfall verschreckt und verängstigt" sei.

Polizei berichtet über Tierquälerei am Erzberg

Amberg

Benni der Kindermagnet

Dabei scheint das so gar nicht in Bennis Wesen zu liegen. Ob am Altstadtfest, bei der Waldweihnacht oder vor dem Stadtmuseum an Ostern, Gürtler hatte den Esel früher überall mit dabei - sehr zur Freude der Kinder. "Wenn sie wollten, dann durften sie auf ihm reiten", erinnert er sich. Gürtler habe immer schon ein großes Herz für Kinder gehabt, Benni, sein treuer Begleiter, freute sich ebenso über einen Besuch der kleinen Menschen. "Wenn Familien am Stall vorbeikommen, dann sind es die Kinder, die immer total begeistert sind", erklärt Gürtler. Wenn er da ist, lässt er die Besucher gerne auf das Grundstück, damit sie die Tiere streicheln können. Dass sich der Vorfall mit Benni aufklärt, und der Verantwortliche gefunden wird, darauf hat Gürtler wenig Hoffnung. "Die Polizei wird da nicht viel machen können", bemerkt er. Er hat zudem den Verdacht, dass es nicht das erste Mal gewesen sein könnte, dass sich jemand unbemerkt über Nacht auf das Grundstück geschlichen hat. "Ich habe schon in der Vergangenheit ein paar Mal festgestellt, dass Benni morgens sehr aufgeregt und fahrig war", sagt er.

Mit Benni aufgewachsen

Gürtler ist nicht der Einzige, dem der Überfall auf Benni zu schaffen macht. Seine Enkelin Nathalie Rheinbay ist mit dem Esel groß geworden. "Er ist nur ein halbes Jahr jünger als ich. Der Opa hat sozusagen mich auf der einen Seite und den Benni auf der anderen großgezogen", sagt sie. Es schmerzt sie, ihren Benni so leiden zu sehen.

"Ich habe meinen eigenen Esel nicht mehr erkannt", sagt die 26-Jährige. Am Sonntag sei sie zur Koppel gefahren, um dem Tier eine Antibiotika-Salbe zu verabreichen. "Der hat ausgeschlagen und wollte nicht mal mich an sich ranlassen", erinnert sich Rheinbay. Erst als Benni begriffen habe, dass es sich um seine Besitzerin handelt, habe er angefangen, den Kopf in Rheinbays Richtung zu strecken. "Dann wollte er wieder schmusen", erklärt die 26-Jährige. Normalerweise sei es so, dass sie den Esel gar nicht von sich wegbekomme, wenn sie in den Stall geht. "Der Benni kommt zu mir her und beißt irgendwo in meine Kleidung. Dann muss ich mit ihm ein paar Runden gehen und mit ihm spielen. Er will, dass man ganz nah bei ihm bleibt", erzählt die Esel-Halterin. Für gewöhnlich sei bei dem Esel nicht einmal eine Leine nötig, damit er nicht von seinen Besitzern wegläuft.

Wenig Hoffnung auf Aufklärung

Rheinbay unterstützt ihren Großvater, wo sie nur kann, obwohl sie rund eine Stunde Fahrzeit hat, um zum Gehege zu kommen. Zu Bennis Verletzungen sagt sie: "Ich kann das überhaupt nicht verstehen. Benni tut doch keinem was. Wie viel Hass muss ein Mensch nur haben?"

Auch die 26-Jährige glaubt nicht, dass die Polizei den Täter schnappen wird. "Am Erzberg sind viel zu viele Leute unterwegs. Am Wochenende feiern oft Jugendliche auf der Platte." Vielleicht habe es sich um eine dumme Mutprobe gehandelt, vielleicht sei ein Betrunkener oder ein Tierhasser am Werk gewesen.

In Illschwang gibt es ein wahres Paradies für Esel

Hackern bei Illschwang
Gerhard Gürtler (75) hilft Esel Benni jeden Morgen beim Aufstehen. Er hat das Tier mit der Flasche aufgezogen.
Kommentar:

Der Täter hat sich vor allem selbst erniedrigt

Es lässt tief blicken, was für ein Geist hinter einer Tat wie der im Fall des Esels Benni steckt. Nicht nur, dass es dem Täter völlig egal zu sein scheint, dass Tiere genauso wie Menschen leidensfähig sind und schon alleine aus diesem Grund keine derartigen Qualen erleben sollten. Die unbekannte Person hat auch noch eine Situation ausgenutzt, in der Benni völlig hilflos war - was der Geschichte einen besonders bitteren Beigeschmack verleiht. Völlig egal, aus welchen Beweggründen auch immer der Täter gehandelt haben mag. Ihm sollte bewusst sein, dass er sich durch das, was er getan hat, in erster Linie selbst erniedrigt hat.

Es bleibt daher einerseits zu hoffen, dass diese riesengroße Sauerei nicht ohne Folgen für den Täter bleibt. Auf der anderen Seite wäre es wunderschön, wenn Esel Benni, der schon so vielen Kindern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat, das Erlebte verarbeiten und wieder so wie früher werden könnte.

Wolfgang Ruppert

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.