16.08.2021 - 06:00 Uhr
Hackern bei IllschwangOberpfalz

Esel-Paradies "Wilde 8" in Hackern bei Illschwang

Schon seit über 20 Jahren wohnen in Hackern (Landkreis Amberg-Sulzbach) nicht nur Menschen, sondern auch Esel. Liss Pirner kümmert sich mit viel Leidenschaft um ihre fünf Schützlinge und hat dort das Esel-Paradies "Die Wilde 8" geschaffen.

Seit über 27 Jahren hält Liss Pirner in Hackern bei Illschwang Esel.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Steigt man in Hackern bei Illschwang im Landkreis Amberg-Sulzbach aus dem Auto ist es vor allem eins: still. Eingebettet zwischen Feldern und Wiesen, umrahmt von Wäldern, liegt Hackern. Einer von 32 Ortsteilen der Gemeinde Illschwang, rund fünfzehn Kilometer westlich von Amberg. Nur ganz selten fährt hier ein Auto.

Liss Pirner wohnt seit über 20 Jahren in dem kleinen Weiler. Das ist eine Wohnsiedlung, die aus wenigen Gebäuden besteht und kleiner ist als ein Dorf. Ganz genau wisse man in Hackern, wenn jemand mit dem Auto kommt: "Man kennt die Zeiten des Postboten, der Müllabfuhr." Nur ein ganz besonderes Geräusch mischt sich immer wieder in die Stille und zwischen das Zirpen der Grillen: Ein lautes, kräftiges "I-Ah". Denn in Hackern sind die Esel los.

Wie die Esel nach Hackern kamen

Pünktlich um halb sechs würden sich die Esel bemerkbar machen, erzählt Eselmama Liss Pirner. "Die möchten ihr Frühstück haben." Zum Fressen gibt es Stroh, Heu und im Sommer auch ein bisschen Gras. Über ihre Liebe zu Pferden ist die Tierfreundin irgendwann zu den Eseln gekommen. "Mein Mann wollte einen Esel haben." Aber einer alleine geht nicht. Denn Esel sind Herdentiere und fühlen sich nur in Gesellschaft so richtig wohl. Fünf Esel sind es inzwischen geworden: Findus, Linus, Bella, Ida und Neuzugang Emil.

Ein Blick ins Eselparadies Hackern

Esel Ida kam sogar in Hackern zur Welt und ist Bellas Tochter. Noch bevor Liss und ihr Mann ein Haus in Hackern gebaut haben, standen Pferde und Esel in dem Naturparadies. Dass Liss den ersten Esel nach Hackern brachte, ist inzwischen rund 27 Jahre her. Mittlerweile haben sich Mensch und Tier in dem kleinen Dorf eingelebt. "Ich habe hier ganz viele Menschen, die bei den Eseln mitarbeiten und die Tiere mögen. Überhaupt ist das ganze Dorf toll, denn Esel machen ja auch Geräusche und das wird hier akzeptiert."

Das Leben in Hackern

Nur ein bisschen weniger Ackergifte auf den Feldern rundherum würde sie sich wünschen. "Trotzdem ist es eine wunderschöne Gegend, in der wir hier leben. Rund um den Kuhfels oder das Birgland lässt es sich toll wandern." Und das natürlich besonders gut mit den fünf Eseln im Schlepptau. Regelmäßig geht Liss mit den Eseln auf Tour. Dabei begleiten sie vor allem Kinder, Senioren oder behinderte Menschen. Denn mit Eseln können irgendwie alle, sagt Liss. "Da hatten wir ein Mädchen mit Down Syndrom, das nirgendwo mitgehen wollte. Die schnappt sich einen Esel und geht einfach voran."

Dass Esel sich richtig gut für therapeutische Arbeit eignen würden, sei inzwischen längst nachgewiesen, erklärt Liss. "Behinderte Menschen machen oft große Fortschritte durch die Tiere." Eseltherapien könnten sogar Delfintherapien ersetzen. Das sei auch wesentlich günstiger, da es in unserer Gegend schließlich mehr Esel als Delfine gebe. Dass sich die fünf Esel aus Hackern aber so langsam und vorsichtig verhalten, um für den Umgang mit Kindern geeignet zu sein, liegt vor allem an dem jahrelangen Einsatz von Liss.

Auf Tour mit den Eseln

Esel Bella zum Beispiel stammt aus Rumänien und kam dann zu ihrem Halter nach Neumarkt. Von dort hat Liss Bella zu sich geholt. "Das war eine Arbeit von Jahren ihr abzugewöhnen, sich am Menschen zu schubbern, um Aufmerksamkeit zu bekommen." Ein kleines Kind würde natürlich umgestoßen werden, selbst wenn es der Esel nicht böse meint. Nach dem Striegeln und Füttern heißt es dann endlich: Action! Mit Strick und Halfter ausgestattet zieht Liss mit den Eseln los in Richtung Wald. Dabei gibt es vor allem eine Regel: Der Esel darf unterwegs nicht fressen.

"Das ist natürlich schwierig für sie, denn für die Esel ist das hier als würde sich eine Eisdiele an die nächste reihen." Liss erzählt, dass die Ernährung überhaupt das Schwierigste bei der Eselhaltung sei. "Esel werden schnell zu dick. Das kann für die Tiere sogar tödlich enden." Immer wieder muss Liss bei der Wanderung aufpassen, dass die Esel sich nicht selbst auf ins Gras machen. Was ist denn überhaupt dran am Vorurteil vom störrischen Esel? "Esel denken immer mit", sagt Liss, "weil sie aus bergigen Landschaften kommen, wo jeder Esel aufpassen muss, ob ein Weg jetzt gefährlich ist". Im Zweifel würde ein Esel eben stehen bleiben, um sich einen Überblick zu verschaffen. Mit Sturheit hat das nicht unbedingt etwas zu tun.

"Die Wilde 8"

Wenn Liss noch mehr Esel zu sich holen würde, dann nur von der Eselnothilfe. "Es gibt so viele Esel, denen es nicht gut geht. Da brauche ich nicht züchten." Auch Emil und Findus hat Liss über die Eselnothilfe zu sich geholt. Zusammen mit Pferden, Hunden und Katzen leben die Tiere nun in einem zugewachsenen Naturparadies. "Vor 12 Jahren haben wir unsere Hausnummer 8 hier in Hackern 'Die Wilde 8' getauft. Weil wir schon immer Spaß daran haben, dass alles ein bisschen wild wachsen darf." Liss ist froh, dass nach den Corona-Lockdowns endlich wieder Leben in die "Wilde 8" einzieht. Seit Juli sind die geführten Eselwanderungen wieder möglich.

"Den Eseln war während Corona sehr langweilig. Die Menschen haben ihnen enorm gefehlt. Man kann ihnen Bewegung verschaffen, aber nicht den Kontakt mit den Menschen, den sie so gerne haben." Esel seien schließlich keine Maschinen, die man nur für Arbeiten benutzt und dann wieder abstellt, sondern sensible Wesen, die sehr gut wahrnehmen könnten, wenn Menschen sich freuen mit ihnen unterwegs zu sein. Nach jeder Tour ist es deshalb ein Muss sich bei den Eseln zu verabschieden. Einmal über das kurze, weiche Fell oder über die Ohren streicheln. "Das mögen sie am liebsten." Und tatsächlich: Als Liss Esel Ida sanft die Ohren krault, zieht der weiße Esel mit den dunklen Kulleraugen die Schnute nach vorne und es sieht so aus, als hätte er ein Lächeln im Gesicht.

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Hintergrund:

Das Weiler "Hackern"

  • Hackern ist einer von 32 Gemeindeteilen der Gemeinde Illschwang.
  • Ein Weiler ist eine Wohnsiedlung, die aus wenigen Gebäuden besteht und kleiner ist als ein Dorf.
  • Hackern liegt im nördlichen Teil des Landkreises Amberg-Sulzbach, circa 15 Kilometer westlich von Amberg und rund 50 Kilometer östlich von Nürnberg.
  • Die fünf Esel von Liss Pirner heißen: Findus, Linus, Bella, Ida und Emil.
  • Esel können bei guter Haltung über 40 Jahre alt werden.

"Es gibt so viele Esel, denen es nicht gut geht. Da brauche ich nicht züchten."

Liss Pirner, Eselmama aus Hackern

 

 

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