Amberg
26.02.2023 - 11:37 Uhr

Betrüger trickst Paketboten und Internethändler aus: Zwei Jahre auf Bewährung

So etwas war völlig neu beim Amtsgericht. Ein Mann gibt mehrere Dutzend Internetbestellungen auf, lässt sie an Personen in seiner Wohnstraße liefern und passt die Paketboten ab. "Ich nehm's mit rein zum Nachbarn", erfahren die Zusteller.

Ein heute 38-Jähriger musste sich vor Gericht verantworten. Bild: Oliver Berg/dpa
Ein heute 38-Jähriger musste sich vor Gericht verantworten.

Es war zur Coronazeit. Ein heute 38-Jähriger saß im Spätherbst des Jahres 2020 in seiner Amberger Wohnung, hatte zwar keine Arbeit, aber einen Computer. Da begann am 26. November eine Serie von Betrügereien, die man in solcher Form bei lokalen Behörden bis dahin nicht kannte.

Der allein lebende Mann startete damit, bei vornehmlich in Deutschland ansässigen Internetversendern die unterschiedlichsten Sachen zu bestellen. Vor dem Amberger Schöffengericht, das den Junggesellen auf die Anklagebank zitiert hatte, wurden nun sage und schreibe drei Dutzend einzelne Fälle von der Staatsanwaltschaft aufgelistet. Polizei und Anklagebehörde hatten später über Monate hinweg ermittelt, um Beweismaterial zu sammeln.

Falsche Mailadressen

Die Bestellaktionen glichen einem Hassard-Spiel. Bis zum 4. Februar 2021 saß der Mann an seinem Computer. Er orderte Waren wie Trainingsanzüge, T-Shirts, Schmuckstücke, einen Elektrokamin und zum Schluss sogar eine Eisbär-Bommelmütze. Im Verfahren stellte sich die Frage: Wozu brauchte er das ganze Zeug? Die Bestellungen wurden großteils unter falschen Mailadressen angefordert. Auffällig aber war: Die teilweise in der Realität nicht existierenden Leute wurden mit ihrem Wohnort dem unmittelbaren Lebensumfeld des damals 36-Jährigen zugeordnet. Dabei handelte es sich um eine Straße am Rande des Amberger Eisbergviertels.

Vor den Richtern stellte sich die Frage: Wie konnte das funktionieren?

Die Antwort darauf war verblüffend. Sie lautete schlicht: Die bestellten Waren landeten weitgehend in den Händen des seine echte Identität nicht preisgebenden Bestellers. Da der Arbeitslose wusste, dass Versandhäuser meistens sofort ausliefern, stellte er sich vor die in seinen Bestellanforderungen genannten Wohnadressen und wartete, weil Zeit keine Rolle spielte, auf die Paketboten. Kaum waren sie da, erbot er sich, den Karton mit ins Haus zu nehmen und "dem Nachbarn zu geben". Das freute die Zusteller. Denn schließlich schuf Corona auch für sie eine besondere Lage.

Verwunderung und Anzeigen

Das Verfahren hatte zwei Eckpfeiler. Erstens: Es gab Bestellungen von mehreren Notebooks im Wert von rund 5000 Euro. Sie wurden nicht ausgeliefert. Zweitens: Der nun mit einem Schaden von mehreren Tausend Euro in der Kreide stehende Angeklagte wurde schließlich sogar so dreist, Waren an die Adressen von Arztpraxen in seiner unmittelbaren Umgebung liefern zu lassen. Die Sendungen kamen an, lösten Verwunderung aus und führten zu Anzeigen.

Den Prozessbeteiligten blieb ein langes Verfahren erspart. Vor Vernehmungsbeamten der Polizei hatte der festgenommene Betrugsverdächtige zunächst alle Angaben verweigert. Jetzt erbat sich sein Verteidiger Jörg Jendricke ein Rechtsgespräch bei der Schöffengerichtsvorsitzenden Kathrin Rieger. Es wurde geführt und endete in dem Übereinkommen: Zwei Jahre mit Bewährung für ein Geständnis. Der heute außerhalb von Amberg wohnende Betrüger räumte seine Straftatenserie vollumfänglich ein und musste nicht hinter Gitter.

 
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