23.11.2021 - 15:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Bewährung für Brandstifter

Mitte Mai hatte ein Mann an der A6 Feuer an einem Container gelegt. Wie das Landgericht entschieden hat, muss der Brandstifter nicht in die Psychiatrie. Die Unterbringung wurde zwar angeordnet, aber unter Auflagen zur Bewährung ausgesetzt.

Ein allem Anschein nach an Schizophrenie leidender Mann muss nicht in die Psychiatrie. Er hatte Mitte Mai ein Feuer neben einem Container an der A6 gelegt.
von Autor HWOProfil

Was sich am 11. Mai dieses Jahres in den frühen Morgenstunden auf einer Baustelle an der Autobahn A6 nahe Theuern vollzog, war eine Straftat, die sich nur durch das Schizophrenie-Leiden des Täters erklären ließ. Der 45-Jährige, getrennt von der Familie lebend, fuhr von seiner Wohnung aus zur Autobahn. Dort zertrümmerte er zunächst die Scheiben eines an der Baustelle geparkten Wagens. Dann holte der Mann einen Reservereifen aus dem Kofferraum seines Pkw, nahm einen gefüllten Treibstoffkanister mit und legte Feuer in unmittelbarer Nähe zweier Container.

Die an dem Reservereifen entfachten Flammen griffen auf eines der beiden Behelfsgebäude über. "Hätten sie es vernichten können?", fragte die Vorsitzende Richterin Jutta Schmiedel zu Beginn des zweiten Prozesstages einen Brandsachverständigen des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA). Angesichts der aus Metall bestehenden Außenwände des Containers hielt das der Experte für eher unwahrscheinlich.

An der Baustelle verhaftet

Der Täter war noch auf der Baustelle von uniformierten Polizisten festgenommen worden. Danach kamen Brandfahnder der Kripo. "Er hatte Redebedarf", erfuhren die Richter jetzt von einem der Ermittler. Sie hörten außerdem: "Seine Aggressionen waren nicht gegen uns gerichtet." Sie hatten Menschen gegolten, die der 45-Jährige in den Containern vermutete. Diese Leute, so nahm er wohl in seiner Verwirrung an, würden "mit einer Flinte auf mich losgehen".

Tatsächlich hielt sich in einem der Container ein auf der Baustelle arbeitender Mann auf. Er gab sich dem Brandstifter nicht zu erkennen, blieb trotz der Bedrohungslage besonnen und kam erst heraus, als Rettungskräfte in die an der Autobahnzufahrt Theuern errichtete Baustelle einbogen.

Gericht schließt Öffentlichkeit aus

Der zweite Prozesstag ging mit einer Überraschung einher. Als der psychiatrische Sachverständige Thomas Lippert (Nürnberg) mit der Erstattung seines Gutachtens beginnen wollte, stellten die beiden Verteidiger Helmut Mörtl (Regensburg) und Jörg Jendricke (Amberg) den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit. Sie begründeten dies mit der Feststellung, dass in der Expertise wohl sehr persönliche und intime Umstände geschildert würden. Die Strafkammer entsprach dem Antrag. Thomas Lippert erstattete seinen Bericht hinter verschlossenen Türen. Sie blieben dann auch zu, als Staatsanwalt Holger Bluhm und die beiden Anwälte ihre Plädoyers hielten. Der Grund dafür: Wenn es in einem Prozess zum teilweisen Ausschluss der Zuhörer kommt, müssen nach dem Willen des Gesetzgebers auch die Schlussvorträge nichtöffentlich vonstatten gehen.

Von Schuldunfähigkeit überzeugt

Zum Urteil wurden die Saaltüren wieder aufgesperrt. Das Geschehen vom 11. Mai 2021 auf der Baustelle hielt die Erste Strafkammer für erwiesen. Dabei waren die Richter von der Schuldunfähigkeit des 45-Jährigen überzeugt. Sie ordneten dessen Unterbringung in der Psychiatrie zwar an, setzten diesen einschneidenden Schritt aber zur Bewährung aus. Der Beschuldigte war nach seiner Festnahme in das Regensburger Bezirksklinikum gebracht worden und hatte sich ab dann einer intensiven Behandlungsmaßnahme unterzogen. Eine ihn betreuende Ärztin war im Verhandlungsverlauf vom Gericht befragt worden. Sie bescheinigte ihrem Patienten den Willen zur Therapie. Wenn er nun auf freien Fuß kommt, muss der Mann in seine Wohnung zurückkehren und verordnete Medikamente einnehmen. Das, so hieß es in der Entscheidung der Ersten Strafkammer, werde fortlaufend überprüft und habe auch durch Vorsprachen im Bezirkskrankenhaus zu geschehen. Das Urteil wurde im Sitzungssaal rechtskräftig. Auch die Staatsanwaltschaft stimmte zu.

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