10.10.2021 - 14:22 Uhr
AmbergOberpfalz

"Brauner Humor" kommt beim Landgericht überhaupt nicht an

Ein 47-Jähriger fand den "braunen Humor" in seiner WhatsApp-Gruppe lustig. Das Amberger Landgericht war jetzt auch in zweiter Instanz nicht seiner Meinung.

Symbolbild.
von Autor HWOProfil

Die WhatsApp-Gruppe hieß "Brauner Humor". Dort postete ein 47-Jähriger zwei ihm offenbar witzig erscheinende Beiträge und handelte sich ein Verfahren wegen Volksverhetzung ein. Nach einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht wurde das Urteil jetzt rechtskräftig.

Kann jemand so etwas als lustig empfinden? Heuer im Mai herrschte beim Amberger Amtsgericht Unverständnis über die seltsamen "Scherze." Auch jetzt in zweiter Instanz vor dem Landgericht war man sich einig, dass die von einem 47-Jährigen auf einem Portal mit dem Namen "Brauner Humor" veröffentlichten Beiträge keineswegs der Erheiterung dienten.

Personen jüdischen Glaubens beleidigt

Worum es ging, ist in wenigen Sätzen geschildert. In einem Video war seitens der Behörden Antisemitismus erkannt worden. Später hieß es in einem von dem Mann angefochtenen Strafbefehl: "Personen jüdischen Glaubens wurden Tieren gleichgestellt und damit deren Menschenwürde herabgesetzt". Der zweite Beitrag beim "Braunen Humor" zielte auf einen Jungen mit dunkler Hautfarbe ab und gipfelte in einer Bezeichnung, die seit langem auf dem Sprachgebrauchs-Index steht.

Die WhatsApp-Gruppe bestand aus 62 Personen. Ihnen waren die Posts zugänglich. An sich ein relativ kleiner Personenkreis. Gleichwohl ging die Staatsanwaltschaft bereits in erster Instanz vom Tatbestand der Volksverhetzung aus. Sie setzte sich zwar mit ihrem Antrag auf Schuldspruch beim Amtsgericht durch, hielt aber die dafür verhängte Geldstrafe in Höhe von 55 Tagessätzen zu je 80 Euro (4400 Euro) für zu niedrig und entschloss sich, das Urteil vom Landgericht überprüfen zu lassen.

Von Plattform losgesagt

Vor der 3. Strafkammer stellte sich nun heraus: Der 47-Jährige aus dem Kreis Amberg-Sulzbach hatte seinerseits auf eine Berufung verzichtet. Er bedauerte erneut seine Vorgehensweise und unterstrich vor Richter Peter Hollweck: "Ich habe das ohne negative Hintergedanken gepostet und nie daran gedacht, dass alles solche Ausmaße annimmt." Von der Plattform "Brauner Humor" hat sich der Mann nach eigenem Bekunden losgesagt. Er ist dort nicht mehr unterwegs.

Der Kammervorsitzende blätterte in den Unterlagen und fand keinerlei Vorstrafen. Nach einer Beratung mit seinen beiden Schöffen formulierte Richter Hollweck: "Wir halten die in erster Instanz verhängte Ahndung für ausreichend". Von daher kam die Empfehlung an Oberstaatsanwalt Tobias Kinzler, seine Berufung zurückzunehmen. Das tat der Anklagevertreter dann auch.

Urteil jetzt rechtskräftig

Das nunmehr rechtskräftig gewordene Urteil wegen Volksverhetzung könnte für den 47-Jährigen noch weitaus fatalere Folgen als die zu zahlenden 4400 Euro haben. Er ist in einem Berufszweig tätig, der sensible Auflagen für die Beschäftigten kennt und Zweifel an der Integrität zur Existenzfrage machen kann.

Mehr aus dem Amberger Landgericht

Amberg

"Personen jüdischen Glaubens wurden Tieren gleichgestellt und damit deren Menschenwürde herabgesetzt."

Aus dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft

 

 

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