21.06.2019 - 15:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Brigitte Netta steigt aus der SPD-Fraktion im Stadtrat aus

Lokalpolitischer Hammer an Fronleichnam: Mit Datum vom Donnerstag erklärt Brigitte Netta in einem Schreiben an Oberbürgermeister Michael Cerny ihren Austritt aus der SPD-Stadtratsfraktion. Die Nummer drei in den zurückliegenden Wochen.

Brigitte Netta: Die Bürgermeisterin fühlt sich von den eigenen Genossen gemobbt und erklärt deshalb ihren Austritt aus der SPD-Stadtratsfraktion.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Es ist in Amberg wie im ganzen Land: Die Sozialdemokraten brauchen eigentlichen keine politischen Konkurrenten mehr. Sie zerfleischen sich selbst. Nach den Rückzügen von Daniel Holzapfel und Hannelore Zapf - sie ist auch gleich aus der Partei ausgetreten - aus der Stadtratsfraktion folgt mit Brigitte Netta eine tief in der SPD verwurzelte Frau, quasi ein Urgestein.

Amberg

Wie schwer ihr diese Entscheidung gefallen ist, kommt bereits in den ersten drei Sätzen ihrer persönlichen Erklärung an Oberbürgermeister Michael Cerny zum Ausdruck, wenn sie schreibt: "Ich habe mir meinen Entschluss nicht leicht gemacht und immer wieder eingehend durchdacht."

Und: "Seit Beginn meiner Stadtratstätigkeit 1996 wurden in der SPD-Stadtratsfraktion sachlich begründete, abweichende Meinungen anerkannt und toleriert. Das hat sich in dieser Amtsperiode wesentlich geändert und gipfelte nun darin, dass missliebige Fraktionsmitglieder aus der Fraktion gemobbt und nicht mehr aufgestellt wurden." Hannelore Zapf und Daniel Holzapfel hätten mit ihren Austritten bereits die Konsequenzen gezogen. Netta findet in diesem Kontext weitere klare Worte: "Da die Sticheleien gegen mich weiter anhalten, sehe ich mich nach reiflicher Überlegung gezwungen, den gleichen Schritt zu tun und mit sofortiger Wirkung aus der SPD-Stadtratsfraktion auszutreten."

Nach besten Kräften

Dessen ungeachtet dankt Brigitte Netta derzeitigen und früheren Fraktionsmitgliedern, die mit ihr lange Zeit solidarisch und erfolgreich zusammengearbeitet hätten, und bittet diese gleichzeitig um Verständnis für die von ihr getroffene Entscheidung. Ihr Amt als Bürgermeisterin und Stadträtin werde sie weiterhin nach besten Kräften erfüllen, "wie es die Amberger und Ambergerinnen von mir gewohnt sind". Zahlreiche Menschen hätten sie in Briefen Telefonaten, E-Mails und Gesprächen zum Weitermachen ermuntert.

Von Fraktionen angeredet

Ob sie bei der Stadtratswahl nach dem Ausbremsen bei der Listenaufstellung durch die eigene Partei erneut antreten werde, ließ sie in ihren Zeilen an den OB offen. Dass sie sich in der Breite allgemeiner Beliebtheit erfreut, ist den letzten Sätzen zu entnehmen, die Netta schließlich wie folgt formuliert: "Mehrere Fraktionen haben mich zur Zusammenarbeit eingeladen. Die erforderlichen Gespräche werden bis zur Entscheidungsreife sicherlich noch einige Zeit beanspruchen."

Abzuwarten bleibt, nachdem die Fraktion über ein Viertel ihrer Mitglieder verloren hat, welche Auswirkungen dies auf die Besetzung der Ausschüsse im Stadtrat haben wird.

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