31.01.2020 - 11:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Bürgerspital: Grundsatzbeschluss im Stadtrat

Am Montag tagt der Amberger Stadtrat. Dabei soll eine Grundsatzentscheidung zum Thema Bürgerspital-Areal fallen. Der Bauausschuss hat den Weg bereits vorgezeichnet.

Das Bürgerspitalgelände in Amberg liegt nach wie vor brach.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Auf der Agenda steht zunächst eine Bekanntgabe zur Umgestaltung des Bahnhofsumfelds, ein Antrag von Amberger Bunt, der das Ziel hat, den sozialen Wohnungsbau zu fördern, die Tierheim-Finanzierung und der Geschäftsbericht der Stadtbau GmbH.

Mit Spannung wird der Grundsatzbeschluss zur geänderten Planung am Bürgerspital-Areal erwartet. Dazu hat die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt einen Appell an den Stadtrat gerichtet. „Es schadet nicht, Entscheidungen zu korrigieren“, heißt es darin. Noch habe es der Stadtrat in der Hand, „diese städtebauliche Fehlentwicklung abzuwenden.“ Die Sitzung im großen Rathaussaal beginnt um 17 Uhr.

Amberg
Info:

Appell der IG Menschengerechte Stadt

Immer mehr Kommunen bemühen sich, Innenstädte vom Autoverkehr zu entlasten und sie damit für Bewohnerinnen und Bewohner lebenswerter zu gestalten. Sie setzen auf eine lebendige Infrastruktur mit vielfältigen Einkaufs- und Verweilmöglichkeiten. Sie schützen ihre Altstadt vor Lärm und Feinstaub, sorgen mit Grünflächen für ein angenehmes Klima. Amberg ist davon weit entfernt.

Es schadet nicht, Entscheidungen zu korrigieren. So geschehen im Maltesergarten, in der Schiffgasse, mit der Kastanie hinter der Martinskirche und in der Bahnhofstraße mit dem Forum und der Storg-Fassade. Nun entfällt auch die Tiefgarageneinfahrt an dieser Stelle. Aufgrund der miserablen Bodenverhältnisse auf dem Bürgerspitalareal kann der holländische Investor sein ursprüngliches Bauvorhaben nicht realisieren und wird wortbrüchig. Übrig bleibt nicht einmal mehr eine Quartiersgarage. Nur noch ein rund 65 Meter langes, 38 Meter breites und bis zu 16 Meter hohes Betongebilde – ohne Magnetwirkung, aber mit der Aussicht auf einen Spitalgraben mit Schlucht-Charakter.

Moderne Stadtplanung macht sich die Einzigartigkeit des Ortes zunutze, den Genius Loci. Ein wünschenswerter Bezug auf vorhandene, noch erkennbare historische Strukturen – die archäologischen Funde aus der Keltenzeit – fehlt in Amberg. In einem unfassbar barbarischen Akt wird Stiftungsgrund geopfert, der 700 Jahre lang seiner Bestimmung gemäß genutzt wurde. Noch hat es der Stadtrat in der Hand, diese städtebauliche Fehlentwicklung abzuwenden und einen Ort zu schaffen, der sowohl ästhetischen und historischen Verpflichtungen, als auch modernen Aspekten der Stadtentwicklung gerecht wird – einen Begegnungsraum mit hoher Aufenthaltsqualität.

Es ist Zeit für einen Umdenkungsprozess. Es ist die Gelegenheit, einer kleinteiligen Bebauung, einem Kultur- oder Geschichtspark anstelle eines mit der Martinskirche konkurrierenden Monsterbaus den Vorrang zu geben. Der anstehende Grundsatzbeschluss sollte in die Zukunft und auf eine menschen- und altstadtgerechte Nutzung des ehemaligen Stiftungsgeländes weisen.

Die IG Menschengerechte Stadt fordert deshalb den Stadtrat zu einer konsequenten Entscheidung gegen die Ten Brinke-Planungen auf dem Bürgerspitalgelände auf. Die Alternative der Stadtverwaltung liegt auf dem Tisch.

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