23.01.2020 - 15:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Über der Erde bleibt auf dem Bürgerspitalareal alles wie geplant

Es wird alles anders - und doch bleibt es, wie es ist. Auf das Bürgerspitalareal übertragen bedeutet das, dass zwar die Tiefgarage kleiner und die Einfahrt nicht mehr in der Bahnhofstraße ist. Das Gebäude darüber bleibt aber gleich.

Das Betreten des Grundstücks ist zwar verboten, das Bürgerspitalareal wird nichtsdestotrotz sehr gerne als Parkplatz verwendet. Künftig sollen die Autos aber hier unter die Erde verschwinden. 107 Stellplätze sollen es am Ende werden in der nunmehr einstöckigen Tiefgarage.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Die Erwartungen waren groß, die Enge im Sitzungssaal des Baureferats entsprechend. Schließlich ging es um nichts weniger als die Frage, wie es auf dem Bürgerspitalareal weitergehen soll, nachdem die Geologie einer zweistöckigen Tiefgarage einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Als Experten traten auf: Der beauftragte geologische Gutachter Manfred Klauditz aus Regensburg sowie Andreas Kern und Sandra Kainz vom Investor Ten Brinke.

Amberg

Nachdem Manfred Klauditz deutlich gemacht hatte, dass der Bau der zweistöckigen Tiefgarage zwar technisch möglich, doch mit unkalkulierbaren Risiken verbunden ist, legte Andreas Kern dar, wie Ten Brinke auf die neue Sachlage reagieren wird. Im Prinzip, so Kern, werde es genau so weitergehen, wie bisher geplant. Nur die Tiefgarage wird kleiner. Anstelle der bisher 147 Stellplätze in zwei Etagen wird es künftig nur 107 geben - dazu kommen die 30 städtischen Stellplätze unter der Wirtschaftsschule.

Amberg

Außerdem soll die Zufahrt nun - wieder - über die Ziegelgasse, die Ausfahrt über den Spitalgraben erfolgen. Etwas anders wird wohl auch die Nutzung dieser Garage ausfallen, die jeden Quadratmeter ausnützt, um auf die über 100 Stellplätze zu kommen. Oder, um es mit Dieter Amann (SPD) zu sagen: "Welchen Namen bekommt sie nun die Garage? Ist sie öffentlich, teilöffentlich, nichtöffentlich?"

Die Antwort Jasmin Hannich vom Bauordnungs- und Stadtentwicklungsamt ging dahin, dass allein 72 Stellplätze für die 47 geplanten Wohnungen gebraucht werden. "Eine semi- oder offene Tiefgarage sehe ich nicht kommen." Damit waren eigentlich alle zufrieden, die "Gefahr" oder der "Segen" - je nach politischer Sichtweise - von zusätzlichem Autoverkehr gebannt, die Einfahrt in der Bahnhofstraße bei den Akten.

Amberg

107 plus 30 Stellplätze

"Es sind 107 Autos, die künftig nicht im Stadtbild stehen", suchte CSU-Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann das Positive in der neuen Sachlage. "Wichtig ist, dass man am Konzept festhält", betonte Fraktionskollege Rudolf Meier mit Blick auf die Aussage von Andreas Kern, dass trotz fehlender Stellplätze der dort vorgesehene Lebensmittler bei der Stange bleiben werde - und zwar in der ursprünglichen Größe. "Wir brauchen den Lebensmittler dort", sagte Meier und betonte, wie wichtig der gerade für die Belebung der Leerstände in der Umgebung wäre. 2013 habe man schon mal eine Tiefgarage mit 196 Stellplätzen auf vier Ebenen beschlossen, jetzt sei sie deutlich kleiner. "Es hat sich alles zum Guten gewendet."

Amberg

Klaus Mrasek (ÖDP), der betonte, niemals für die 196-Plätze-Garage gestimmt zu haben, war zufrieden mit der Entwicklung. "Weihnachten ist jetzt eingetroffen", so sein Fazit der Bescherung für die Gegner einer Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße schon im Januar. Wobei Uli Hübner (SPD) schon noch wissen wollte, ob man nicht lieber doch die Ausfahrt ebenfalls über die Ziegelgasse bewältigen könnte. "Ich dachte, der Spitalgraben war schon vom Tisch", sagte er.

Einzig Stadtheimatpflegerin Beate Wolters störte sich in der Sitzung übrigens an der monumentalen Größe des oberirdischen Gebäudes und an den Flächen des Lebensmittlers. "Wir haben jetzt die Chance, eine altstadtgerechtere Planung anzugehen", forderte sie. Für den nächsten Stadtrat am Montag, 3. Februar, wird es nun eine konkrete Beschlussvorlage grundsätzlicher Art zum Bürgerspitalareal geben. Denn sowohl der Bebauungsplan, als auch der Kaufvertrag mit Ten Brinke müssen entsprechend angepasst werden.

Info:

Der Handel folgt den Menschen

„Der Handel folgt den Menschen in die Innenstädte zurück“, sagte Andreas Kern am Mittwoch in der Sitzung des Bauausschusses. Er meinte damit einen Trend, der mittlerweile auch in Amberg sehr gut zu beachten ist, die Wiederentdeckung der alten Stadtkerne für das Wohnen. Aus diesem Grund traut es sich Kern durchaus zu, die ursprünglich als Magneten vorgesehene Lebensmittelkette auch unter den geänderten Bedingungen – nämlich ohne eigene Stellplätze – zu halten.

Das entsprechende Signal habe er bekommen, sagte er am Mittwoch, auch an der Größe halte der Lebensmittler fest. Die brauche er auch, so argumentierte Kern. „Ich kenne keinen Lebensmittelmarkt, der das mit nur 600 Quadratmeter machen würde.“

Ganz so groß – die Rede war von rund 1500 Quadratmeter – müsse es ja vielleicht nicht werden, lenkte an dieser Stelle CSU-Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann ein und erntete unverständliche Blicke von Andreas Kern dafür. Vehement argumentierte Stadtheimatpflegerin Beate Wolters. Ihrer Ansicht nach braucht es an dieser Stelle keinen Lebensmittler in dieser Größe in keinem Gebäude dieser Dimensionen. „Der Bärenbrot ist keine zwölf Quadratmeter groß, da stehen die Leute zur Tür raus“, nannte sie ein Beispiel für kleine Läden, die ganz groß sind.

Wie geht es weiter auf dem Bürgerspitalareal? Die Antworten kamen von Ten-Brinke-Vertreter Andreas Kern (Mitte), seine Kollegin Sandra Kainz sowie Baureferent Markus Kühne hören aufmerksam zu.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.