05.11.2019 - 10:13 Uhr
AmbergOberpfalz

Tiefgarageneinfahrt in der Amberger Bahnhofstraße hat sich wohl erledigt

Ist es eine Hiobsbotschaft? Oder doch eine freudige Nachricht? Die Meinungen im Stadtrat über das Ergebnis der Bohrungen auf dem Bürgerspitalgelände gehen zum Teil weit auseinander. Es wackelt die Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße.

Bei den Bohrungen auf dem Bürgerspitalgelände in diesem Jahr stellte sich heraus, dass der Untergrund teilweise sehr felsig ist und das Grundwasser sehr hoch steht. Wahrscheinlich kann hier nur mehr eine einstöckige Tiefgarage in den Boden getrieben werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Der Oberbürgermeister selbst zog am Montagabend den Rahmen, in dem sich die künftige Planung für das Bürgerspitalgelände bewegen wird. Nachdem eine teilöffentliche Tiefgarage mit mindestens 160 Plätzen laut Bodengutachten für das rund 4000 Quadratmeter große Grundstück nun nicht mehr möglich ist, müsse es eine entsprechende Anpassung der vertraglichen Regelungen mit Investor Ten Brinke geben, sagte Michael Cerny.

Ausführliches Dosier zur Neuen Münze und dem Bürgerspitalgelände

Die entscheidende Frage wird sein: Was bedeutet das für die Einfahrt der Tiefgarage?", deutete Cerny an, dass für eine Quartiersgarage mit vielleicht 90 Plätzen kein großes Einfahrtsbauwerk in der Bahnhofstraße mehr gebraucht wird. Ohnehin verzichte die Bauart als Investor im ehemaligen Forum gegenüber auf diese gemeinsame, zentrale Einfahrt. Bis Ende November, so der OB, will Ten Brinke eine neue Planung vorlegen, die auf der geringeren Anzahl an Stellplätzen basiert. Und auch der vohabenbezogene Bebauungsplan an dieser Stelle müsse entsprechend angepasst und aktualisiert werden.

Hiobsbotschaft statt Bauantrag

"Statt einer Hiobsbotschaft hätten wir lieber einen Bauantrag gehabt", kommentiert CSU-Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann die aktuelle Entwicklung. "Ich hätte mir heute auch einen Vertreter der Firma Ten Brinke hier gewünscht, der uns Rede und Antwort steht." Nun müsse man sehen, wie man den Investor bei der Stange halten könne. "Auf jeden Fall ist die Einfahrt in der Bahnhofstraße mit dem Bau von nur 90 Stellplätzen ad absurdum geführt", sagte Mußemann. "Ich bin enttäuscht und verärgert."

Amberg

Ein Wink des Schicksals

"Das ist keine Hiobsbotschaft, das ist ein Wink des Schicksals", entgegnete Klaus Ebenburger von den Grünen. "Wir haben diese Tiefgarage niemals gebraucht und auch nicht diese Einfahrt." Seiner Ansicht nach sinkt durch die aktuelle Entwicklung auch nicht die Attraktivität der Amberger Innenstadt, wie es zuvor der OB bedauert hatte. Im Gegenteil: "Dass uns das erspart bleibt, wird die Attraktivität dieser Stadt steigern." Dass der Baugrund Probleme machen wird, das war eigener Aussage nach dem Freien Wähler Eberhard Meier von Anfang an klar. Er selbst habe vor langer Zeit am nahen Paradeplatz gebaut und ähnliche Probleme bekommen. "Da kommt ja ein regelrechter Fluss den Mariahilfberg herunter." Zwei Millionen Euro für die Einfahrt, noch einmal zwei Millionen Euro für die Verlegung der Kanäle - das Geld könne man sich jetzt sparen. "Und der Einzelhandel wird davon profitieren, dass die Fußgängerzone jetzt nicht verkürzt wird." Parkplätze seien eben nicht alles, sagte Meier und nannte als Gegenbeispiel den Marktplatz: "Hier gibt es keinen einzigen Parkplatz und doch sind alle Sitzplätze belegt." Seiner Einschätzung nach geht es jetzt nicht nur um die veränderte Tiefgarage, sondern auch um die "massive Bebauung". Die entsprechende Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan laufe daher weiter.

In fünf Jahren nichts gebaut

"Innerhalb von fünf Jahren konnten wir an dieser Stelle nichts bauen", stellte SPD-Fraktionsvorsitzende Birgit Fruth der Planung für das Bürgerspitalgelände ein Armutszeugnis aus. "Wir können nichts vorweisen", ergänzte sie. "Jetzt muss ein Plan B her." Uli Hübner (SPD) ergänzte: "Dieser Schandfleck muss ein Ende haben." Er forderte möglichst schnell einen Alternativplan von Ten Brinke für das Areal.

"Die Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße ist gestorben", sprach Daniel Holzapfel (Für Amberg) das aus, was alle im Saal dachten. "Damit ist auch die Chimäre von der nichtöffentlichen Tiefgarage gestorben, die öffentlich genutzt wird." Etwas Beruhigung brachte schließlich Rudi Maier (CSU) in die Diskussion. Man habe einstimmig einen Wettbewerb für das Areal beschlossen und eine breite Mehrheit habe sich für Ten Brinke als Investor entschieden. Das sei der aktuelle Stand. Dieter Amann ergänzte: "Wenn sich hier jetzt einige als Sieger fühlen, dann kann ich auch andere Amberger nennen, die wollen, dass hier etwas passiert".

Hintergrund:

OB: Neue Planung auf Basis der alten

Oberbürgermeister Michael Cerny deutete am Montag die Diskussion im Stadtrat und die Ergebnisse der geologischen Voruntersuchungen so, dass man den vorhabensbezogenen Bebauungsplan für das Bürgerspitalgelände in Teilen neu aufstellen werden muss. Die Diskussion deutete er aber als Zeichen dafür, diese Veränderungen auf Basis der bisherigen Planungen zu machen. Unabhängig davon hat ja bekanntlich der Forum-Investor Bauart deutlich gemacht, dass er keine gemeinsame Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße wünscht, sondern seine Tiefgarage unter der Neuen Münze über die Obere Nabburger Straße erschließen wird. Generell schaut es nach den Worten des Oberbürgermeisters so aus, dass für alle möglichen Lösungen rund um die Tiefgarage am Ende ein Statiker seine Freigabe erteilen muss. Denn wer unterschreibt, der haftet auch.

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