10.06.2020 - 09:46 Uhr
AmbergOberpfalz

Bundestagswahl 2021 im Wahlkreis Amberg: Kandidatensuche mit Hindernissen

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Obwohl das Rennen um seine Nachfolge bereits begonnen hat - offiziell eröffnen will es Alois Karl (69) noch nicht. Der direkt gewählte Abgeordnete für den Wahlkreis Amberg im Bundestag lässt offen, ob er 2021 noch einmal antritt.

Bei der Bundeswahlkreiskonferenz 2016 forderte Barbara Lanzinger den Mandatsinhaber Alois Karl (rechts) heraus.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Seit nunmehr fast 15 Jahren vertritt der ehemalige Neumarkter Oberbürgermeister Alois Karl den Wahlkreis Amberg im Bundestag in Berlin. Im November diesen Jahres feiert er seinen 70. Geburtstag und erreicht damit ein Alter, in dem viele andere längst den Ruhestand genießen. Doch dass er aufhört, ist für den Parlamentarier - zumindest laut offizieller Verlautbarung - nicht ausgemacht.

"Ich habe mich noch nicht entschieden", sagt er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, ob er für die Bundestagswahl 2021 noch einmal zur Verfügung steht. Hinter den Kulissen wird derweil diskutiert, wer Karl nachfolgen könnte. Auch wenn die Mandate für den Bundestag erst in etwa 15 Monaten vergeben werden, drängt die Zeit. Denn für gewöhnlich startet die parteiinterne Kandidatenkür mit den Delegiertenwahlen in den Orts-und Kreisverbänden rund 12 Monate vor dem Wahltermin.

Er überlege noch und werde die Parteigremien zu gegebener Zeit über seinen Entschluss informieren, erläutert Karl. Er versäumt dabei aber nicht zu betonen, dass er sich eine erneute Kandidatur gut vorstellen könnte. Immerhin sei er "von veritablen Kommunalpolitiker auch aus dem Amberger und Amberg-Sulzbacher Raum" gebeten worden, doch noch einmal seinen Hut in den Ring zu werfen. Karl hat das schon viermal getan - bei seinem ersten Mal für die Bundestagswahl 2005 auf ziemlich spektakuläre Weise.

Damals trat er bei der Nominierungskonferenz in Kastl gegen Mandatsinhaber Rudolf Kraus aus Schnaittenbach an und gewann wohl auch deswegen, weil er das Neumarkter Lager hinter sich vereinen konnte. Im Vorfeld der Wahlen 2009 und 2013 war seine Kandidatur unumstritten, die Delegierten nominierten Karl ohne Gegenkandidaten. Erst vor der Wahl 2018 kam Gegenwind auf. Die damalige Amberger Kreisvorsitzende Barbara Lanzinger forderte ihn heraus, scheiterte aber knapp.

82 von 160 Delegierten stimmten 2016 für Alois Karl

Abgesehen davon, dass es sich bei der Nominierung natürlich um eine Persönlichkeitswahl handelt, ging es bei den Kampfabstimmungen in der Vergangenheit immer vor allem darum, ob sich das Amberger oder Neumarkter Lager durchsetzen konnte. Bei der 160-köpfigen Delegiertenversammlung im Bundeswahlkreis stellt der Kreisverband Neumarkt mittlerweile 83 Delegierte. Amberg und Amberg-Sulzbach kommen gemeinsam nur auf 77. Wann diese Konferenz zusammentritt, ist noch völlig offen.

Der Sulzbach-Rosenberger Ortsvorsitzende Patrick Fröhlich hat die Aufgabe, die Delegiertenversammlung zu organisieren. "Aufgrund der Corona-Situation konnten die erforderlichen Gespräche und Diskussionen in den entsprechenden Vorstandschaften und im Bundeswahlkreis noch nicht geführt werden", erklärt er auch im Namen der Vorsitzenden der drei Kreisverbände. Sobald es die Situation erlaubt, werde er sich mit den Entscheidungsträgern zusammensetzen "und den/die geeignetste(n) Kandidaten/in" suchen. "Dies werden wir gemeinsam in enger Abstimmung mit unserem amtierenden Bundestagsdirektabgeordneten Alois Karl tun."

Der weitere, organisatorische Ablauf in der CSU ist laut Fröhlich klar vorgegeben: Zunächst müssen in den nahezu 150 Ortsverbänden die Delegierten in die besondere Versammlung des jeweiligen Kreisverbandes gewählt werden. Anschließend wählen diese Delegierten auf Kreisebene die Wahlmänner und Wahlfrauen, die abschließend auf einer eigenen Nominierungsversammlung in geheimer Wahl den Bundestagsdirektkandidaten bestimmen. Aber bis Ende August sind zunächst sämtliche Versammlungen – und damit auch Parteiveranstaltungen – nicht möglich.

Drei Kreisverbände bilden den Bundeswahlkreis

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach

Patrick Fröhlich in Sulzbach-Rosenberg aktiv

Sulzbach-Rosenberg
Info:

Die Kandidatenmacher

An den drei Kreisvorsitzenden kommt niemand vorbei: Die Chefs der Kreisverbände Amberg, Amberg-Sulzbach und Neumarkt haben zusammen mit dem Mandatsinhaber und dem Vorsitzenden der Bundeswahlkreiskonferenz die Aufgabe, Interessen zu bündeln und schon im Vorfeld mögliche Mehrheiten für die Kür des nächsten CSU-Bundestagskandidaten auszuloten.

Den Kreisverband Amberg leitet Michaela Frauendorfer. Die 55-Jährige hatte im April 2019 die Nachfolge von Stefan Ott angetreten. Frauendorfer gehört seit der Kommunalwahl 2014 dem Amberger Stadtrat an. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte die Juristin auf Platz 45 der CSU-Landesliste.

Chef des Kreisverbandes Amberg-Sulzbach ist Harald Schwartz (51, ebenfalls Jurist). Der Kümmersbrucker steht bereits seit 2003 an der Spitze des Kreisverbandes. Damals hatte er die Nachfolge von Werner Schulz aus Hirschau angetreten. Schwartz ist seit 2013 direkt gewählter Abgeordneter des Stimmkreises Amberg-Sulzbach im Landtag.

In Neumarkt war bis Mai 2019 der Bundestagsabgeordnete Alois Karl Kreisvorsitzender. Er stellte sich nicht mehr zur Wahl. Zu seiner Nachfolgerin wurde Susanne Hierl (46, ebenfalls Juristin) aus Berg gewählt. Sie setzte sich damals gegen drei Mitbewerber durch. Bei der Landtagswahl 2018 trat sie auf Platz 5 der Oberpfalz-Liste der CSU an.

Als Vorsitzender des Bundeswahlkreiskonferenz laufen die organisatorischen Fäden beim Sulzbach-Rosenberger Patrick Fröhlich zusammen. Der 39-Jährige führt seit Mai auch die CSU/JU-Fraktion im Sulzbach-Rosenberger Stadtrat. Politikwissenschaftler Fröhlich kandidierte bereits 2009 auf Platz 42 der CSU-Liste für den Bundestag. Es folgten die Kandidaturen 2013 (Platz 57) und 2017 (Platz 61).

Auch im Landkreis Schwandorf laufen die Vorbereitungen für die Bundestagswahl

Schwandorf
Traditionelle kommen die 160 Delegierten aus dem Raum Neumarkt und Amberg an der Schnittstelle der Landkreise Amberg-Sulzbach und Neumarkt zusammen - im Forsthof in Kastl. Das war auch im November 2016 so.

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