08.08.2018 - 12:10 Uhr
AmbergOberpfalz

BWK Leipzig steht der Leopoldkaserne noch im Weg

Der Vollzug ist wohl doch keiner. Bisher jedenfalls. Denn es ist noch nicht sicher, dass die Leopoldkaserne ein Ausbildungszentrum des Zolls wird. Es gibt heiße Konkurrenz aus Sachsen. Die bereits gepunktet hat.

Für die Leopoldkaserne selbst besteht längst nicht mehr nur die einfache Gefährdungsstufe Alpha. Kommt das Ausbildungszentrum für den Zoll nicht, liegt sie eher im Bereich der Höchststufe Delta.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Die Pressemeldungen der Bundestagsabgeordneten Alois Karl (CSU) und Uli Grötsch (SPD) vor einigen Tagen hatten den Eindruck erweckt, die Übernahme der Leopoldkaserne durch den Zoll sei nur noch Formsache. Ganz so optimistisch ist der Oberbürgermeister nicht. Im Sommergespräch mit der Amberger Zeitung sagte Michael Cerny: "Anfangs hatten wir einen Standort in Nordrhein-Westfalen als Konkurrenten, jetzt ist es noch das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus Leipzig."

Bund soll es machen

"Für die Stadt Amberg wäre das natürlich eine tolle Sache", machte Cerny schon einmal Werbung für die Leopoldkaserne. Aber deren Entwicklung sei nun einmal vorrangig Sache des Bundes als Eigentümer des Areals. Und weil der Bund gerade auf der Suche nach einem geeigneten Ausbildungszentrum für den Zoll sei, biete sich die inzwischen weitgehend verwaiste Kaserne geradezu an. "Meine Erwartungshaltung ist, dass der Bund sagt, wir machen das." Zumal sich die Leopoldkaserne im Gegensatz zum Leipziger Bundeswehrkrankenhaus im Besitz der Bundesrepublik befinde.

Doch manchmal beschleichen den Oberbürgermeister leichte Zweifel, dass die eine Hand beim Bund weiß, was die andere gerade macht. Oder in anderen Worten: Ob jetzt die Leute, die nach einer Immobilie für den Zoll suchen, wissen, dass eine Bundesimmobilie, nämlich die Leopoldkaserne, leer steht, sei ihm nicht immer klar. "Wenn der Bund das macht, wäre es das Beste", betonte Michael Cerny immer wieder.

Die aktuelle Gerüchtelage laut dem OB: Möglicherweise gibt es eine Aufteilung auf die beiden Standorte Amberg und Leipzig. Dabei halte die Leopoldkaserne heute schon viele Themenbereiche vor, die in Leipzig erst geschaffen werden müssten: Sportplatz, Turnhalle, Schießkino und einen zugehörigen Übungsplatz. Auf der anderen Seite müssten natürlich die Unterkünfte den heutigen Ansprüchen angepasst werden. "Wir wollen das Thema noch im Herbst festzurren, damit wir möglichst nächstes Jahr schon starten können", gab Cerny ein enges Zeitfenster vor. Seines Wissens nach waren die Experten des Bundes auch schon in der Kaserne und haben sich die Gegebenheiten vor Ort angeschaut. "Die Ministerien haben da ihre eigenen Stäbe für so etwas." Geht es nach Michael Cerny, dann mündet die eine Nutzung fast nahtlos in die andere ein: "Mir wäre eine sogenannte warme Übergabe am liebsten."

Leipzig liegt vorn

Ein Gespräch mit der Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Christine Lambrecht, sollte die Leopoldkaserne in Sachen Ausbildungszentrum des Zolls in die Startposition bringen. Das hatte zumindest Bundestagsabgeordneter Alois Karl (CSU) vor einigen Tagen via Pressemeldung verkündet. Das Treffen hat seiner Auskunft nach inzwischen stattgefunden - es sei aber nicht so positiv verlaufen, wie gehofft. Für das kurzfristige Konzept des Zolls, das laut Karl bereits 2019 anlaufen soll, habe die Leopoldkaserne keine Berücksichtigung gefunden. "Das wird in Richtung Leipzig marschieren", sagte er gegenüber Oberpfalz-Medien. Für Amberg sei dies wegen der erforderlichen Umbauten in der Kaserne nicht realistisch. Alois Karl setzt nun gemeinsam mit seinem SPD-Kollegen Uli Grötsch auf Phase 2, für die Ende 2019 das Konzept stehen und die in fünf oder sechs Jahren dann umgesetzt sein soll. Er werde, so sagte Karl, hier ein weiteres Treffen mit allen Akteuren samt Oberbürgermeister organisieren und einen Runden Tisch in Gang bringen. "Uli Grötsch und ich wollen, dass es Amberg wird", so Karl.

Phase 2 sieht seiner Aussage nach die Neuorganisation des Zolls in acht Zentren in Deutschland vor, fünf davon müssten neu geschaffen werden, eines davon im Großraum Nürnberg. Unterstützung erhofft sich Karl für den Standort Amberg vom Ministerpräsidenten sowie dem Innenminister Horst Seehofer. Laut Karl umfasst die Planung hier rund 300 Schüler und 50 Lehrkräfte sowie Personal.

BWK Leipzig:

Ausgerechnet das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus Leipzig präsentiert sich als möglicher Konkurrent zur Leopoldkaserne als Standort für ein Ausbildungszentrum des Zolls. Das Leipziger BWK ist eng verknüpft mit dem Schicksal des Amberger BWK. Nach der Auflösung der beiden Standorte 2007 gingen beide Bundeswehrkrankenhäuser im Paket an die Golden Gate GmbH über. 2011 legte die eine Anleihe über 30 Millionen plus 1,95 Millionen Euro an Zinsen auf, die nach Informationen von Oberpfalz-Medien unter anderem mit dem Verkauf des BWK Leipzig bedient werden sollte. War zunächst von einer Nutzung im "unabhängigen Krankenhaussektor" die Rede, bestanden wohl ab Herbst 2014 Pläne, hier eine integrierte Einrichtung für Asylbewerber zu schaffen. Letztendlich musste die Golden Gate aber schon im Oktober 2014 Konkurs anmelden. Während das Amberger BWK 2016 an den Immobilienentwickler Denkmalneu ging und seither stark floriert, wurde das BWK Leipzig erst Ende 2017 an ein nicht näher genanntes Unternehmen verkauft. (ass)

ehemalige Leopoldkaserne in Amberg

ehemalige Leopoldkaserne in Amberg

ehemalige Leopoldkaserne in Amberg

ehemalige Leopoldkaserne in Amberg

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ehemalige Leopoldkaserne in Amberg

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