02.01.2022 - 11:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Carsten-Armin Jakimowicz: Ein Kind des Bergsteigs kehrt als Mann zurück

Sein Name ist eng mit dem Bergsteig verbunden. Carsten-Armin Jakimowicz verbrachte Kindheit und Jugend an der Gerresheimer Straße, saß im Pfarrgemeinderat und war Quartiersmanager. 26 Jahre wohnte er in der Altstadt. Jetzt kehrt er zurück.

Carsten-Armin Jakimowicz auf seinem Grundstück an der Lemberger Straße, im Hintergrund (links) ist die neue Ringer-Halle zu sehen. Mit dem Bau beginnt der 44-Jährige in diesem Jahr. Der Einzug ist für 2023 vorgesehen.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die Geschichte der Familie Jakimowicz ist geradezu typisch für den Bergsteig. Die Großeltern von Carsten-Armin Jakimowicz, der das Caritas-Seniorenheim an der Friedlandstraße auf der Raigeringer Höhe leitet, kamen einst als Zwangsarbeiter nach Amberg. Oma und Opa väterlicherseits fanden damals an der Gerresheimer Straße eine Bleibe, die Eltern seiner Mutter an der Breslauer Straße und damit ebenfalls am Bergsteig. "Ich bin hier im Viertel aufgewachsen. Ich habe meine Kindheit und meine Jugend hier verbracht", sagt der 44 Jahre alte Diplom-Religionspädagoge, der in einer Zeit aufwuchs, als das Quartier noch verrufen war.

Damals gab es eine Art Ghetto-Bildung, denn nur die Gerresheimer Straße, an der die Familie wohnte, führte in den Stadtteil. Der Claudiweg war noch nicht ausgebaut und die jetzige Verbindung zur Leopoldstraße Zukunftsmusik. "Es gab nur diese eine Straße rein und raus", erinnert sich Jakimowicz und sagt, dass er aber nie das Gefühl gehabt habe, in einem Ghetto zu leben. Wenngleich er eingesteht: "Man hat schon mitbekommen, dass der Ruf entsprechend schlecht ist. Aber wir haben uns deswegen im Viertel nie besonders schlecht gefühlt."

Früher enormer Zusammenhalt

Auch in der Barbaraschule, die Jakimowicz als Sechs- bis Zehnjähriger besuchte, sei er wegen seiner Herkunft nie benachteiligt, gehänselt oder gar gemobbt worden: "Das hat sich nie direkt geäußert." Am Bergsteig selbst sei die Atmosphäre immer sehr familiär gewesen: "Es hatte was Dörfliches. Jeder kannte jeden, obwohl es damals noch viel mehr Leute waren als heute." Der Zusammenhalt sei immer deutlich spürbar gewesen. Carsten-Armin Jakimowicz hat das alles sehr positiv in Erinnerung: "Man hat sich daheim gefühlt." Dann kam eines Tages der Abschied vom Bergsteig. Mit seinen Eltern zog er in die Altstadt, weil die Familie dort eine modernere Wohnung mieten konnte: "Man muss sich das so vorstellen: Wir hatten damals in der Gerresheimer Straße kein fließendes warmes Wasser. Geheizt wurde mit Öl und Holz. Für das Badewasser musste der Holzofen angeschürt werden."

Als er in die Altstadt zog, war Jakimowicz Fachoberschüler und 18 Jahre alt. Seine Meldeadresse änderte sich, die Bindungen zum Bergsteig aber blieben. Sein Vater pachtete in der Kleingartenanlage an den Franzosenäckern eine Parzelle und auch Sohn Carsten-Armin ließ den Kontakt zur alten Heimat nie abreißen. Der Pfarrei Heilige Familie, in der er schon als 16-Jähriger im Pfarrgemeinderat saß, blieb er treu: "Zum Gottesdienst sind wir nie in die Basilika St. Martin, sondern immer in die Heilige Familie." Auch nach dem Studium sollte sich das nicht ändern. 2004 war er als nebenamtlicher Gemeindereferent in der Pfarrei tätig und wechselte im August 2005 ins Stadtteilbüro. Beruflich und ehrenamtlich gab es folglich immer eine Bindung zum Bergsteig, jetzt setzt Carsten-Armin Jakimowicz noch eins drauf: Er baut mit seiner Mutter ein Haus an der Lemberger Straße. Spatenstich soll im neuen Jahr sein, der Einzug ist für Anfang 2023 vorgesehen.

Auf die Frage, warum er jetzt in seine alte Heimat zurückkehrt, antwortet Jakimowicz mit fünf Worten: "Weil ich hier daheim bin." Er habe sich nie Gedanken gemacht, woanders nach einem Grundstück Ausschau zu halten. Auch weil seine Mutter vor fünf Jahren nach dem Tod ihres Mannes die Altstadt verlassen hat und wieder auf den Bergsteig gezogen ist: "Da wurde die ohnehin schon sehr starke Bindung noch stärker." Die logische Konsequenz daraus: "Für immer Bergsteig. So ist es angedacht."

Nostalgie ist nicht alles

Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Die positive Entwicklung des Stadtteils die andere. Carsten-Armin Jakimowicz sagt, dass er auch in sein Viertel zurückkehren würde, wenn es hier noch so aussehe wie vor 15 oder 20 Jahren, aber er sei dennoch froh, mit seinem Umzug eine Phase zu treffen, in der sich der halbe Stadtteil verändert. Natürlich verändere sich die Struktur des Viertels gerade enorm: "Gebäude wie der Rundbau und der Polizeibau, die für das Stadtbild prägend waren, fehlen schon ein bisschen, weil man damit ja auch aufgewachsen ist." Nostalgie sei aber nicht alles. Carsten-Armin Jakimowicz formuliert es so: "Es gibt viele Leute, die hier gelebt haben und zum Teil schon verstorben sind. Die fehlen ja auch und kommen nicht mehr zurück."

Und dann ist das noch das eigene Alter und eine entsprechende Vorsorge, die dem 44-Jährigen wichtig ist. Für das Geld, das in der Amberger Altstadt als Miete zu zahlen sei, bekomme er am Bergsteig ein ganzes Haus. Das Jakimowicz-Grundstück an der Lemberger Straße ist knapp über 600 Quadratmeter groß, zwei rund 80 Quadratmeter große Wohnungen verteilen sich auf das Parterre, in dem die Mutter leben wird, und das Obergeschoss, das er selbst für sich in Beschlag nehmen wird.

Ganze Generation weggezogen

In der Umsetzung des vom Stadtrat genehmigten Bebauungsplans Bergsteig-Mitte sieht Carsten-Armin Jakimowicz einen Ausfluss des Förderprojekts "Die soziale Stadt", mit der das Viertel bereits ab 1999 hätte aufgewertet werden sollen. "Das ist schon etwas spät", sagt der ehemalige Quartiersmanager und spricht davon, dass ein früherer Start der Baumaßnahmen, wie sie jetzt erfolgen, "eine ganze Generation" im Viertel gehalten hätte: "Viele, die woanders gebaut haben, wären jetzt noch hier." So bleibe ihm nur die Hoffnung, dass sich die neuen Stadtteilbewohner, die noch keinen Bergsteig-Bezug haben, schnell heimisch fühlen und sich in der Pfarrei oder im Sportverein einbringen: "Dieses Gemeinschaftsgefühl muss sich erst noch entwickeln." Er sei sich aber sicher, dass das über kurz oder lang auch passieren wird.

Neues Jahr, neuer Bergsteig: Alle bisherigen Teile der Serie

Amberg
Amberg

„Wir hatten damals in der Gerresheimer Straße kein fließendes warmes Wasser. Geheizt wurde mit Öl und Holz. Für das Badewasser musste der Holzofen angeschürt werden.“

Carsten-Armin Jakimowicz über seine Kindheit und Jugend am Bergsteig

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.