30.12.2021 - 11:36 Uhr
AmbergOberpfalz

15 Millionen Euro teurer Rundbau-Nachfolger am Bergsteig fast fertig

Ein Gebäude wie dieses gibt es bisher in der Region nicht. Auch nicht in Amberg, geschweige denn am Bergsteig. Wo bis 2016 der den Stadtteil so prägende Rundbau stand, baut ein Investor für 15 Millionen Euro ein Senioren-Service-Haus.

Andreas Neugirg (links) von der Sozialteam GmbH und Quartiersmanager Norman Wisura (rechts) stehen vor dem 15 Millionen Euro teuren neuen Senioren-Service-Haus am Bergsteig. Das Gebäude ist fast fertig.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Mit Ausnahme der Glaskathedrale, die der 1969 verstorbene Stararchitekt und Bauhaus-Gründer Walter Gropius entwarf, prägte kein anderes Gebäude den Stadtteil Bergsteig so sehr wie der Rundbau zwischen Rosenthalstraße, Claudiweg und Breslauer Straße. An der dem stetigen Verfall ausgesetzten Immobilie aus der Nachkriegszeit schieden sich aber stets die Geister.

Mit dem 2016 vom Stadtrat beschlossenen Bebauungsplan Bergsteig-Mitte, der das Viertel neu ordnet, war klar: Der Rundbau muss weg, um Platz für etwas Neues, Großes und in der Region bisher Einmaliges zu machen - das 15 Millionen Euro teure Senioren-Service-Haus, dessen erste Mieter im November 2021 hätten einziehen sollen. Doch daraus wurde nichts, wie Andreas Neugirg vom Träger Sozialteam Management und Golding GmbH (Regensburg) im Gespräch mit Oberpfalz-Medien verrät.

Wasserschaden verzögert Start

Bei der Abnahme der Aufzüge sei festgestellt worden, dass es "einen Feuchte-Eintrag im Erdgeschoss" gegeben hat. Die Ursache: "Eine Leitung war nicht richtig verpresst." In der Folge sei Wasser zwischen Estrich, Dämmung und Beton gelaufen, "was man auch nicht sofort bemerkt". Der Estrich musste laut Andreas Neugirg im Parterre komplett entfernt werden: "Das ist mittlerweile beendet." Der Wiederaufbau im Erdgeschoss laufe, ein neuer Eröffnungstermin sei bereits ins Auge gefasst: "Wir planen jetzt mit März", sagt Neugirg, der 45 Jahre alt ist, aus Erbendorf im Kreis Tirschenreuth stammt und als Prokurist beim Bauherren beschäftigt ist. Zudem verantwortet er die Fachbereiche Senioren und Pflege, um die es am Bergsteig geht.

Bis zu 70 Appartements

In dem 15 Millionen Euro teuren Neubau ist Platz für maximal 70 Appartements, die dank verschiebbarer Module individuell als Ein-, Zwei- oder Drei-Raum-Bleibe gemietet werden können. Aktuell geht Neugirg davon aus, dass es 53 Appartements werden, da sich einige der ersten Mieter, die ihre Verträge bereits unterschrieben haben, für größere Varianten entschieden haben. Mehr als die Hälfte der Appartements sei bereits vergeben. Ziel sei die Vollbelegung: "Das werden wir auch zeitnah schaffen."

Bei dem Träger handelt es sich aus Amberger Sicht noch um einen großen Unbekannten, die Sozialteam GmbH ist aber seit rund drei Jahrzehnten im Geschäft. In erster Linie betreibt sie Einrichtungen für Suchterkrankte und Behinderte, ein zweites Standbein sind die Altenhilfe und Pflege. In Amberg wird es nun ein Senioren-Service-Hause mit angegliederter Tagespflege und buchbaren hauswirtschaftlichen Leistungen geben. 15 Millionen Euro lässt sich die Schongauer Domizilium-Unternehmensgruppe als Investor den Neubau kosten. Die Regensburger Sozialteam-Holding fungiert als Träger. "In dieser Größenordnung ist es aber auch für uns das erste Haus", sagt Neugirg und erwähnt, dass vergleichbare Bauvorhaben aktuell auch in Wunsiedel, Burglengenfeld und Pfatter bei Regensburg geplant sind.

Welche Kriterien haben aber letztlich den Ausschlag für Amberg und den einst so verrufenen Bergsteig gegeben? Neugirg, der als junger Mann in der Leopoldkaserne stationiert war und das Viertel aus seiner Zeit als Soldat kennt, muss bei der Antwort nicht lange überlegen. Die Sozialteam GmbH konzentriere sich auf die Nordoberpfalz: "Wir schauen interessante Räume generell an." Dazu gehöre auch Amberg, wo es die Angebote, die im Rundbau-Nachfolger untergebracht werden, in dieser Form noch nicht gebe: "Somit war klar, dass wir uns da engagieren wollen." Da es nicht viele Grundstücke in der erforderlichen Größe gebe, sei die Wahl schnell auf den Bergsteig gefallen: "Das hat sich förmlich angeboten. Es entsteht ja auch ein neues Wohngebiet. Das alles fügt sich perfekt ein."

Auch Gewerbeeinheiten

Das Senioren-Service-Haus bietet laut Neugirg neben barrierefreiem Wohnen auch buchbare Pflegeleistungen in jeder Ausprägung. Hinzu komme ein Mittagstisch ("Wir haben eine Großküche"), der nicht nur von Mietern genutzt werden könne, sondern von allen Bewohnern des Viertels. Auch die Tagespflege könnten allen Amberger in Anspruch nehmen. Es sei also keine "Blase", die da auf dem ehemaligen Rundbau-Areal entsteht, sondern "eine Ergänzung für das Angebot in Amberg". Wie Neugirg sagt, sind auch Gewerbeeinheiten vorgesehen. Am liebsten wären ihm Mieter, die "thematisch passen", also zum Beispiel ein Hausarzt, den es am Bergsteig bis dato nicht gibt. Es gebe bereits Interessenten, aber noch keine unterschriebenen Verträge.

Quartiersmanager schon vor Ort

Wenn Andreas Neugirg vor dem Neubau steht, macht er sich nicht nur als Geschäftsmann Gedanken über das Viertel, sondern auch als Privatmann, der als Soldat einst in unmittelbarer Nähe seinen Wehrdienst ableistete: "Ich sehe diese extrem positive Entwicklung. Ich bin davon überzeigt, dass wir mit unserem Senioren-Service-Haus hier sehr gut aufgehoben sind." Das Gebäude integriere sich und werte den Stadtteil noch einmal auf. Gerade die Tatsache, dass neben jungen Familien auch ältere Semester auf den Bergsteig ziehen werden, sei das Positive: "Diese Mischung aus Alt und Jung ist es, was jeder Stadtteil benötigt." Und noch etwas ist neu: Mit Norman Wisura gibt es auch wieder einen Quartiersmanager. Doch anders als früher nicht im Auftrag der Stadt und mit Geldern aus der "Soziale Stadt" finanziert, sondern auf Initiative der Sozialteam GmbH. Ein Büro hat Wisura an der Breslauer Straße 2 bereits bezogen: "Es kommen auch schon Interessenten, die ich berate." Im neuen Jahr dürften auf dem neuen Bergsteig sicherlich noch einige hinzukommen.

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Hintergrund:

Quartiersmanager Norman Wisura

  • Norman Wisura ist 53 Jahre alt und kommt aus der Nähe von Hersbruck.
  • Sein Job: Quartiersmanager im neuen Senioren-Service-Haus.
  • Er ist Ansprechpartner für alle Mieter. Aber jeder aus dem Stadtteil darf zu ihm kommen.
  • Er verfügt über Erfahrung im Bereich Altenhilfe und Altenpflege.
  • Zu erreichen ist er per E-Mail an norman.wisura[at]sozialteam[dot]de und im Büro an der Breslauer Straße 2, Telefon 16 22 10.
So sieht der Neubau entlang der Rosenthalstraße aus. An dieser Stelle stand bis zum Jahr 2016 der für den Bergsteig so typische Rundbau.
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