27.01.2021 - 15:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Cineplex Amberg: Hoffnungsvoll trotz Kinokrise

Es sind schwere Zeiten für die Kinos. Seit Monaten sind sie geschlossen. Selbst wenn die Säle demnächst wieder aufgesperrt werden dürften, fehlt es an neuen Filmen. Theaterleiter Stephan Götz spricht über die Lage des Cineplex Amberg.

Plakate vor dem Cineplex werben für Filme. Nur: Wann das Kino wieder öffnet, ist derzeit ungewiss.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Wann das Cineplex in Amberg wieder öffnen darf? Theaterleiter Stephan Götz weiß es nicht. Vor Mai rechnet er eigentlich nicht damit. Bereits im Frühjahr 2020, als es zum ersten Lockdown in Deutschland kam, musste das Kino schließen. Nur ein paar Wochen war es anschließend geöffnet, bis wieder dichtgemacht werden musste. Götz erklärt: „Die nächste Wiedereröffnung wird schwerer als nach dem letzten Lockdown. Es fühlt sich viel mehr wie eine Neueröffnung an.“

Gegenüber der Politik spart Götz nicht mit Kritik. „Wenn einem ein Jahr erzählt wird, dass es am leichtesten ist, auf das Kino zu verzichten, und wir nicht systemrelevant sind, nagt das an einem.“ Es werde der Eindruck vermittelt, dass die Kunst und Kultur diejenigen gewesen seien, die die Pandemie wahnsinnig befeuert hätten. „Ich kenne aber keinen nachgewiesenen Fall, der auf einen Besuch im Kino, im Museum oder im Theater zurückgeht.“

James Bond in den Oktober verschoben

Das große Problem für die kommenden Monate liegt aber woanders: Es fehlt an attraktiven Filmen, die gezeigt werden können. Galt im Sommer der Blockbuster "Tenet" von Christopher Nolan noch als potenzieller Retter des Kinos, sind derzeit keine Starts in Sicht, die Zuschauer anlocken könnten. "James Bond - Keine Zeit zu sterben" ist erneut verschoben worden. Er soll nun erst im Oktober anlaufen. Es ist nur das prominenteste Beispiel, das für eine ganze Welle an Verschiebungen steht, die seit fast einem rollt. Der erste attraktive Streifen am Horizont ist "Kaiserschmarrndrama". Der könnte laut Götz im Juli anlaufen - "wenn alles gut geht". Kurzum: "Wenn wir wieder eröffnen, werden die Leute große Lust haben, ins Kino zu gehen. Wir können dann aber nichts anbieten. Uns fehlt der Grund, auf dem wir aufbauen können."

Hinzu kommen die Streamingdienste, die zur immer größeren Konkurrenz für die Kinos werden. Warner Bros hat sich beispielsweise dazu entschieden, seine Filme künftig zur selben Zeit in Kinos sowie Online starten zu lassen. "Das Auswertungsfenster (Zeit, bis ein Film auf DVD, im Fernsehen oder auf einer Streamingplattform erscheint; Anm. d. Red.) ist somit Geschichte. Das war aber nur eine Frage der Zeit." Die Pandemie habe wie ein Zeitraffer gewirkt.

Alle Mitarbeiter in Kurzarbeit

Auf der anderen Seite ist Götz nach eigenen Aussagen hoffnungsvoll. "Es hat schon immer Wellenbewegungen gegeben. Das Kino ist oft totgesagt geworden." Den gemeinsinnstiftenden Faktor könne man dem Kino aber nicht nehmen. Zudem sei man gerade in Amberg bemüht gewesen, das Angebot attraktiver zu gestalten. Seit vergangenem Jahr gibt es hier eine der weltweit noch wenigen 4DX-Säle. Außerdem ist in bequemere Sitze investiert worden.

4DX-Saal für Cineplex Amberg: Kinosaal mit Seifenblasen, Wind und Brandgeruch

Amberg

Götz veranschaulicht es plastisch: Startet der neue James-Bond-Film, verlangt der Streamingdienst beispielsweise 30 Euro. Kein utopischer Preis. Wer etwa die Realverfilmung von "Mulan" direkt nach der Veröffentlichung auf Disney+ sehen wollte, musste neben den Abogebühren noch weitere 21,99 Euro berappen. Hinzu kommen laut dem Theaterleiter noch Kosten für Trinken und Essen. Wer Freunde einlädt, muss alles vorbereiten und später aufräumen. "Ich denke, dass viele dann lieber ins Kino gehen, da habe ich das schönere Erlebnis."

Noch ist das aber sowieso nicht möglich. Derzeit ist die Situation im Cineplex folgende: Alle zwölf sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten des Kinos sind komplett in Kurzarbeit. "Bei den 450-Euro-Kräften ist es leider etwas anders - ihnen steht kein Kurzarbeitergeld zu", erklärte Götz. Ihnen habe man einen "kleinen Obolus" bezahlt. Weil die Einnahmen aber fehlen, sind auch die meisten abgemeldet. Wenn das Kino wieder öffnet, werden sie weiterbeschäftigt - so lautet das Versprechen.

Über die wirtschaftliche Lage sagt Götz: "Ohne Umschweife lässt sich sagen, dass wir weit weg sind von rentabel." Auf der Einnahmenseite würden im vergangenen Jahr weit über eine Million Euro fehlen. Hinzu komme, dass der Bau noch relativ neu sei und Kredite bedient werden müssten, weshalb Reserven angegriffen worden seien. Grund zur Sorge für die Cineasten in und um Amberg? Nein! Götz sagt: "Nach allen Prognosen ist es so, dass uns die Situation nicht niederreißen wird." Der Theaterleiter geht zwar davon aus, dass gerade die Anfangszeit schwierig wird. Immerhin habe man aber Zeit, sich auf die Wiedereröffnung vorzubereiten. Außerdem sagt Götz: "Wenn wieder neue Filme anlaufen, haben wir einen guten Grundstein, weil die Leute wieder was erleben wollen."

„James Bond – Keine Zeit zu sterben“ ist mittlerweile in den Oktober verschoben worden.
Kommentar:

Koexistenz von Netflix und Cineplex

Eigentlich spricht so vieles gegen das Überleben der Kinobranche. Die Streamingplattformen bringen Hollywood ins Wohnzimmer. Corona sorgt wohl in jedem Lichtspielhaus für eine heftige finanzielle Delle – egal ob schnuckeliges Arthaus-Filmtheater oder Multiplex. Dennoch wird das Kino überleben.

E-Reader haben die Bücher nicht verdrängt. Obwohl heute mit jedem Smartphone und PC auf eine virtuelle Musikbibliothek mit Millionen Titel zugegriffen werden kann, boomen die Schallplattenabsätze seit Jahren (zwischen 2016 und 2019 jährlich über drei Millionen verkaufte LPs in Deutschland). Genauso wenig wird der Zauber des Kinos verloren gehen. Vielmehr werden künftig Netflix und Cineplex koexistieren. Warum auch nicht?

Christopher Dotzler

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