12.01.2021 - 16:54 Uhr
AmbergOberpfalz

"Click & Collect": Das halten Einzelhändler aus Amberg wirklich davon

Schwere Zeiten für den Einzelhandel: Die Läden müssen wegen des mindestens bis 31. Januar verlängerten Lockdowns geschlossen bleiben. Auch in Amberg. Seit Montag gibt es aber einen kleinen Lichtblick.

Viel ist nicht los in der Innenstadt von Amberg. Die Einzelhändler hoffen, dass „Click & Collect“ die Kundenfrequenz erhöht. Der Start war aber schleppend.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Seit Montag, 11. Januar, können Einzelhändler etwas aufatmen. In Bayern dürfen Waren in lokalen Läden bestellt und vor Ort auch abgeholt werden. "Click & Collect" nennt sich das von der Staatsregierung erlaubte Modell. Vorher waren nur Lieferungen möglich."Es ist schon schön, dass sich was tut", sagt Rolf Walter vom Herrenausstatter Engelhardt & Walter in der Georgenstraße. Sowohl in Amberg als auch in der Filiale in Lauf hätten die ersten Männer das neue Angebot zu Wochenbeginn bereits genutzt: "Es ist schön, wenn man seine Kunden wieder sieht."

Die Bestellung und die Abholung vor Ort habe nicht nur den Vorteil, dass etwas Geld in die Kasse komme, auch der Käufer profitiere, weil er sich jetzt beispielsweise mehrere Artikel zur Auswahl mit nach Hause nehmen kann. Das sei vorher nicht so leicht umsetzbar gewesen. Doch Rolf Walters Freude ist eher verhalten. Er formuliert es so: "Das ist im Prinzip nur ein halber Tropfen auf einen sehr heißen Stein."

"Das ist im Prinzip nur ein halber Tropfen auf einen sehr heißen Stein."

Rolf Walter von Engelhardt & Walter

Ähnlich bewertet auch der Inhaber des Crooklyn Stores in der Ledergasse, Rainer Wild, die aktuelle Situation mit ihrer seit Montag geltenden Neuerung: "Die Resonanz ist sehr gering. Das ist nicht mal ein halber Tropfen auf den sehr heißen Stein. Das ist eher gar nichts." Dabei hatte Wild bereits am Wochenende per Facebook auf "Click & Collect" aufmerksam gemacht: "Gebt Bescheid, was Ihr braucht oder wir machen einen Termin und beraten euch über Whatsapp-Video-Anruf", postete der Amberger. Seitdem ist nicht viel passiert: 18 Mal wurde der Beitrag zwar mit einem "Gefällt mir" versehen, die Kunden seien am Montag und Dienstag dennoch an einer Hand abzuzählen gewesen.

"Das ist nicht mal ein halber Tropfen auf den sehr heißen Stein. Das ist eher gar nichts."

Rainer Wild vom Crooklyn Store

Wild kommt zu diesem Ergebnis: "Für den kleinen stationären Einzelhandel, der das Flair der Innenstadt ausmacht, ist das nicht genug." Kunden wünschten eine Beratung vor Ort oder wollten spontan vorbeikommen und sich etwas kaufen. Um das über "Click & Collect" in der Realität rentabel gestalten zu können, müsste er sein komplettes Sortiment in einem Onlineshop anbieten: "Wir sind aber nur ein kleiner Laden. Das wäre vergebene Liebesmüh." Einen Vorschlag hätte der Amberger dennoch: Ähnlich wie beim Arzt sollten Kunden die Möglichkeit besitzen, Termine auszumachen, um sich beraten zu lassen: "Von mir aus alle halbe Stunde einer, der mit FFP2-Maske allein im Laden ist. Dann bringst du an einem Tag zehn oder zwölf Kunden unter. Das wäre dann was anderes."

Apropos FFP2-Maske. Die ist bei der Abholung schon jetzt Pflicht, weiß Altstadt-Kümmerin Verena Fitzgerald von der Amberger Gewerbebau: "Um Warteschlangen vor den Geschäften zu vermeiden und sämtliche Hygieneschutzmaßnahmen einzuhalten, muss jeder Kunde zuvor einen festen Zeitraum vereinbaren und eine FFP2-Maske tragen." Verena Fitzgerald ist es auch, die den Händlern dringend dazu rät, von diesem neuen Modell möglichst viel Gebrauch zu machen: "Die Wirtschaftsförderung Amberg empfiehlt allen Gewerbetreibenden, aktuelle Kontaktdaten und die zeitliche Erreichbarkeit durch einen Aushang an der Ladentür, im Unternehmensprofil bei Google und in sozialen Medien zu teilen." Alle Kanäle, die dafür zur Verfügung stehen, sollten genutzt werden.

Gewerbebau mit Hotline

Händler, die bei ihren Aktualisierungen Unterstützung benötigen, können sich bei der Corona-Hotline der Wirtschaftsförderung unter der Nummer 09621/9 16 40-23 melden.

Kommentar:

Das geht noch viel besser

„Click & Collect“ – das klingt etwas sperrig. „Bestellen und Abholen“ wäre da schon besser. Aber hat diese Idee, dem Einzelhändler des Vertrauens Umsatz zu bescheren, das Zeug dazu, ein Weg aus der Krise zu sein? Im Moment deutet noch nicht viel darauf hin. Der Start verläuft schleppend. Aber das Modell ist ausbaufähig und für viele im Moment die einzige Chance. Für Kunden und Händler gleichermaßen. Beide sollten versuchen, sie so gut und so oft wie möglich zu nutzen.

Thomas Kosarew

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