22.01.2021 - 12:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Computerspiele zocken in Zeiten von Corona

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Corona, Ausgangsbeschränkungen, Winter - es gibt derzeit viele Gründe, zu Hause zu bleiben. Viele nutzen die Zeit, um Computerspiele zu zocken. Klar ist aber auch: Dabei handelt es sich keineswegs um einen kurzfristigen Trend.

Zocken, egal ob auf der Konsole oder am PC, ist längst keine Seltenheit mehr. 34 Millionen Deutsche tun es mittlerweile. Auch in Amberg und in Amberg-Sulzbach gibt es etliche, die dieser Beschäftigung nachgehen.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Computerspiele sind längst keine Nische mehr, wie die Statistik zeigt. Die breite Masse zockt, alle Altersgruppen greifen zum Controller oder zu Maus und Tastatur. Laut Statista gab es im Jahr 2020 mehr als 34 Millionen Gamer in Deutschland - kein coronabedingter Ausreißer nach oben, denn auf diesem Niveau bewegen sich die Zahlen bereits seit 2014. Laut Quelle werden hier Personen gezählt, die zumindest gelegentlich Computer- und Videospiele spielen. Dabei ist es unerheblich, ob auf PCs, Konsolen, Smartphones, Tablets oder Handhelds gespielt wird.

Auch wenn es für die Region in und um Amberg keine Statistik gibt, Computerspieler dürfte es auch hier genügend geben. Auf einen Aufruf via Facebook, dass sich Gamer bei der Redaktion für einen Artikel melden können, gab es innerhalb kürzester Zeit etliche Rückmeldungen. Schon nach einer halben Stunde waren so viele Protagonisten gefunden, dass Oberpfalz-Medien den restlichen Interessenten absagen musste.

Einst 27 Konsolen besessen

Einer, der sofort auf den Post reagierte, war Winni Wonder, den viele als Musiker kennen dürften. Er war 18 Jahre lang Frontmann der Band "Mindjuice". Der Lockdown ist für den 44-Jährigen die optimale Gelegenheit, um zum Controller zu greifen. "Wenn alle Bücher durchgelesen sind, lasse ich die Playstation warmlaufen", erzählt er bei einem Telefongespräch. Allerdings zockt er jetzt nicht nur, weil Corona keine anderen Beschäftigungen bietet. Zu Konsolen hat Wonder eine langjährige Verbindung. Aktuell stehen bei ihm die Playstation 4, die Xbox One und die Nintendo Switch zu Hause. Es waren schon mal mehr. Viel mehr. 27, um genau zu sein. Denn der Amberger hat die Konsolen gesammelt. Darunter so exotische Modelle wie die Atari Jaguar, die 1993 erstmals auf den Markt kam. Vor drei Jahren löste Wonder die Sammlung wegen Platzproblemen aber auf.

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Der 44-Jährige hat als Freiberufler Anfang der 2000er sogar Computerspiele für ein Printmagazin rezensiert (vorrangig japanische Rollenspiele). "Ich hatte das geilste Bewerbungsgespräch aller Zeiten", erinnert er sich. Bei der Vorstellung spielte er eine Runde Fifa gegen den Chef. Endergebnis: 2 zu 2 und ein neuer Jobs. "Ich habe das drei Jahre lang gemacht, dann war mir das aber zu viel Arbeit. Ich hatte Tag und Nacht Augenringe." Trotzdem sei damals ein Traum für ihn in Erfüllung gegangen.

Winni Wonder war einst Computerspieletester für ein Printmagazin. Heute zockt er vorwiegend "Star Wars Battlefront 2".

Heute ballert sich Wonder lieber als böser Sturmtruppler durch das Spiel "Star Wars Battlefront 2". In der virtuellen Welt hat er es dabei vor allem auf Ewoks abgesehen. Für den Star-Wars-Fan der Hit. "Frustabbau im Sternenall", nennt Wonder es und stellt die Vorteile des Zockens in Zeiten von Corona heraus: "Das ist doch perfekt. Normal sagen Eltern zu ihren Kindern: ,Geht raus in die reale Welt.' Jetzt hat der Nachwuchs trotz Kontaktvermeidung soziale Interaktion - mit Hilfe des Headsets."

Die Aussagen des Ambergers implizieren, dass sich vor allem Jugendliche oder noch jüngere für Computerspiele begeistern. Die Statista-Statistik widerlegt das. Das Durchschnittsalter der Gamer steigt immer weiter an. 2014 lag es noch bei 31, mittlerweile liegt es bei 37. Inzwischen sind sogar 15 Prozent aller Gamer mindestens 60 Jahre alt.

Dass es sich dabei nicht nur um abstrakte Zahlen handelt, stellen Susie und Donald Creager aus Kümmersbuch (Markt Hahnbach) unter Beweis. Susie, eine "Kreuzberger Pflanze", wie sie sich selbst bezeichnet, ist 54 Jahre alt. Ihr Mann Donald, ein Amerikaner, 54 Jahre. Statt abends den Fernseher anzumachen oder sich den Feierabend anderweitig zu vertreiben, spielen beide lieber auf der Xbox Computerspiele. Jeder hat seine eigene Konsole, genauso wie einen eigenen Bildschirm. Von der Couch aus zocken die beiden "Destiny 2", "The Division 2", "Elder Scrolls" oder "Mass Effect Borderlands". Da beide derzeit im Home-Office arbeiten, finden sie sogar Zeit, in der Mittagspause die Konsole anzuwerfen.

"Sicheres Anti-Corona-Mittel"

Seit eineinhalb Jahren sind die beiden verheiratet, kennen sich aber schon "eine Ewigkeit", wie die 54-Jährige erzählt. Drei Jahre führten sie eine Fernbeziehung, als Donald Creager in den Staaten lebte. Das Computerspielen nutzten sie dabei nicht nur als gemeinsamen Zeitvertreib, sondern auch als Gelegenheit, um dabei miteinander zu kommunizieren. Außerdem sagt Susie Creager über das Zocken: "Gesundheitlich gesehen gibt es derzeit kein sichereres Anti-Corona-Mittel."

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Ähnlich äußert sich auch der Amberger Dominik Krause: "Für Gamer ist es aktuell am einfachsten, Abstand zu halten und trotzdem in Kontakt mit den Freunden zu bleiben. Man unterstützt das Sicherheitssystem der Bundesregierung und kann trotzdem seinem Hobby nachgehen." Der 23-Jährige ist im Besitz einer Playstation 4 und wartet wie viele andere derzeit darauf, das Nachfolgermodell zu ergattern (siehe Infokasten). Krause spielt vor allem "Overwatch". Immer nach Feierabend. Er treffe sich in der virtuellen Welt mit einem Kumpel, der meist schon auf den Bundeswehrler wartet, der sagt: "Ich bin mit dem Reiz am Zocken groß geworden. Angefangen habe ich mit Tekken 3 auf der Playstation 1. Bis ich mein Genre gefunden habe, hat es aber etwas gedauert." Vor allem sogenannte Shooter hätten es ihm angetan. Seit das Virus wütet und für immer mehr Beschränkungen sorgt, greift Krause immer öfter zum Controller. Am Wochenende könne es schon mal sein, dass er an einem Tag 13 Stunden lang zockt, wie er berichtet.

Auch bei dem 22-jährigen Daniel Lopez (Zocker-Spitzname Lobe) ist die Spielzeit mehr geworden. Vor allem "Call of Duty: Warzone", aber auch Fifa 21 spielt der Freihunger Altenpfleger. Er sagt aber auch: "Es wäre natürlich schon besser, wenn die Beschränkungen nicht wären."

Wieder rausgehen, Freunde treffen. Danach sehnen sich derzeit viele Menschen. Doch klar ist auch: Wenn hoffentlich mit dem Impfstoff und der Sonne im Frühling und Sommer wieder Normalität einkehrt, wird das die Gamer nicht davon abbringen, ihrem Hobby nachzugehen.

Hintergrund:

Neue Konsolen: Geduld bei Gamern gefragt

Derzeit sind viele Konsolen-Spieler heiß auf die nächste Generation. Sowohl die Xbox Series X, als auch die Playstation 5 sind seit vergangenem Jahr auf dem Markt. Allerdings haben nur wenige eines der Modelle ergattern können, teilweise sind die Vorbestellungen, die schon vor Monaten getätigt worden sind, noch nicht ausgeliefert worden. Wer etwa derzeit auf den Internetseiten von Mediamarkt oder K+B Expert sucht, findet Angaben wie "Derzeit nicht verfügbar" oder "Ausverkauft". Für die Gamer ist also Geduld gefragt.

Daniel Lopez spielt seit der Corona-Pandemie mehr als früher. Vor allem "Call of Duty: Warzone" hat es ihm angetan.
So sieht das Set-up von Susie und Donald Creager in Kümmersbuch (Markt Hahnbach) aus.
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