13.03.2020 - 15:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Coronavirus und die Folgen: Wenn (fast) alle zu Hause bleiben

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Kein Unterricht in Schulen, die Kindergärten bleiben ab Montag zu: Wie bereiten sich Firmen und Familien in der Region Amberg-Sulzbach auf die nächsten Wochen vor - vor allem bei Mitarbeitern, die nun ein Kind zu Hause zu betreuen haben?

Ab Montag bleibt auch die Barbara-Grundschule in Amberg als Vorsichtsmaßnahme wegen des Coronavirus geschlossen.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Bayern war eines der ersten Bundesländer, das nun ernst machte, um die großflächige Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Ab Montag bleiben Schulen wie Kindergärten geschlossen, auch das Besuchsrecht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wird eingeschränkt. Das bedeutet gleichzeitig, dass vor allem Arbeitnehmer mit Kindern nun womöglich ein Betreuungsproblem haben.

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"Damit hat man rechnen können", sagt die Grundschulleiterin aus Kümmersbruck, Eva Hampel. Sie ist nicht wirklich überrascht, als am Freitagvormittag Ministerpräsident Markus Söder mit seinen zuständigen Ministern vor der Presse die radikalen Maßnahmen erläutert. "Wir werden so verfahren, wie es das Kultusministerium vorgibt: Der Unterricht wird online weitergeführt." Der Stoff werde per Mail an die Eltern geschickt. Zu Hause müsse dann jemand mit den Kindern das Material bearbeiten. "Das ist für uns Neuland. Ich sehe aber kein größeres Drama."

Ab Montag bleibt die Schultür zu

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Die Elternbeiratsvorsitzende der Albert-Schweitzer-Grundschule in Amberg, Anja Hempel, zeichnet da ein etwas anderes Bild. "Viele fragen sich schon, wie das funktionieren soll: Fünf Wochen müssen überbrückt werden. Alleinerziehende haben da ein echtes Problem." Sie selbst habe Glück. Da die Selbstständige ein Friseurgeschäft im eigenen Haus betreibt, können die Kinder daheim bleiben und sie weiterhin arbeiten.

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Am Montag will sich der Elternbeirat des Christkönig-Kindergartens in Amberg zusammensetzen - natürlich geht es dabei auch um das Virus. Mitglied Thomas Brumeißl hält die Schließung grundsätzlich für eine "richtige Entscheidung". "Man sieht, wie schnell sich das Virus in Italien ausgebreitet hat." Das wolle in Deutschland keiner. Jetzt gelte es für Eltern, kreativ zu sein, was die Betreuung betrifft. Brumeißl ist selbstständiger Schreiner, seine Frau Verkäuferin. Für beide kommt Homeoffice nicht infrage. "Wir müssen uns abwechseln. Die eine oder die andere Baustelle werde ich aber verschieben müssen." Auch wenn davon abgeraten werde, "planen wir weiterhin mit den Großeltern".

Im Klinikum: "Beschäftigte nicht freistellen"

Am Freitagnachmittag hat die Pfarrei St. Martin dann auf ihrer Facebookseite bekannt gegeben, dass man für den Kindergarten eine Notbetreuung für Kinder plane, deren "beide Elternteile beziehungsweise deren alleinerziehender Elternteil bei Polizei oder Feuerwehr, in der Pflege oder der ärztlichen Betreuung arbeiten".

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"Es ist eine besondere Situation", beschreibt Manfred Wendl, Vorstand des Klinikums St. Marien, die Lage in seiner Einrichtung. "Wir können unsere Beschäftigten mit Kindern nicht freistellen und keine Lösung anbieten." Auch in der Klinik könne man die Kinder nicht betreuen. "Wir müssen auf die Initiative unserer Mitarbeiter hoffen." Planbare Operationen würden verschoben, die Zahl der Corona-Virus-Patienten sei niedrig, aber was die Entwicklungen in Europa zeigten, "werden es mehr Patienten in den kommenden Wochen". Das Klinikum brauche sein Personal. In der kommenden Woche werden sich die Verantwortlichen mit dem Personalrat zusammensetzen, um "individuelle Lösungen notfalls doch hinzubekommen".

Cerny hofft auf Solidarität

„Uns allen muss bewusst sein, dass der Beschluss der Staatsregierung viele Firmen und Eltern jetzt vor eine besondere Herausforderung stellt“, teilt Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny mit. Er plädiert für Solidarität und bittet die Firmen, "pragmatische Lösungen im Sinne der betroffenen Mitarbeiter zu finden". Gleichzeitig fordert er die Bürger auf, sich im Freundes- und Kollegenkreis zu engagieren sowie in der Nachbarschaft zu helfen. "Dies gilt insbesondere dann, wenn Ältere oder Kranke um Hilfe bitten, dass andere für sie Aufgaben wie Einkäufe übernehmen."

Stillstand im öffentlichen Leben

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In der Stadtverwaltung selbst, gilt wie bisher auch: "In einer Rundmail haben wir die Beschäftigten auf die zehn Tage aufmerksam gemacht, die Eltern sowieso daheim bleiben können, wenn die Kinder krank sind." Wo es möglich sei, setzt die Stadt zusätzlich auf Homeoffice. "Bei Beschäftigten in der Daseinsvorsorge appellieren wir, dass die Mitarbeiter sich gegenseitig aushelfen." Ein Jour-Dienst müsse auf jeden Fall gegeben sein.

Das Angebot im Homeoffice zu arbeiten bietet Siemens in Amberg schon seit längerer Zeit. Die Schließung von Schulen "stellt uns vor eine völlig neue Situation", sagt Siemens-Sprecher Bernhard Lott. Da die Nachricht noch recht frisch sei, "müssen wir schauen, ob wir mit Homeoffice über die Runden kommen und welche Maßnahmen es vielleicht noch zusätzlich braucht". Pauschal könne Siemens in Amberg den Beschäftigten mit Kindern kein Angebot machen. "Gemeinsam mit dem Personalrat und den jeweiligen Vorgesetzten müssen wir Lösungen finden."

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