25.03.2020 - 12:08 Uhr
AmbergOberpfalz

Das Coronavirus und der Umgang damit in Großbritannien

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„Man hat bei dem laxen Umgang der britischen Regierung mit dem Thema schon ein wenig Angst“, sagt Harald Herrle, ehemaliger Amberger Wirtschaftsförderer, jetzt wohnhaft in Matlock, England, über die Handhabung der Coronakrise vor Ort.

Pipe-Major Neil Gillies und seine Rothesay and District Pipeband aus dem schottischen Landkreis-Partner-District Argyll and Bute spielen bei einem Besuch in Amberg ein Ständchen. Das war noch in einer Zeit vor der Coronakrise. Diese hat mittlerweile auch das Vereinigte Königreich fest im Griff, wie Harald Herrle, ehemaliger Wirtschaftsförderer des Landkreises, berichtet.
von Sophia PesoldProfil

„Die britische Regierung hat lange mit diesem Schritt gezögert“, meint Herrle, denn erst seit Samstag habe sie verbindlich alle Pubs, Cafés, Fitnesscenter und andere Räume des öffentlichen Lebens geschlossen, berichtet Herrle gegenüber Oberpfalz-Medien. Viele andere Institutionen wie Kinos, Theater und Musical-Bühnen reagierten bereits zuvor und haben, ohne die direkte Anweisung von oben, präventiv geschlossen. „Sie wollten nicht darauf warten bis sich die Regierung mal dazu entscheiden konnte.“ Als „fahrlässig“ bezeichnet Harald Herrle die noch immer geöffneten Einzelhandelsgeschäfte und Gartencenter, wo sich zur Zeit Massen an Menschen vorbereitend mit Ausrüstung eindecken, um die Zeit der Ausgangssperre mit Gartenarbeit zu nutzen.

Auch das Phänomen der Hamsterkäufe beschränke sich nicht ausschließlich auf Deutschland. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, meint Herrle, „Supermärkte mit völlig leeren Regalen.“ Neben Pflegeprodukten, Konservendosen und Klopapier seien auch frisches Obst und Gemüse zeitweise „völlig vergriffen“.

In Deutschland gibt es mittlerweile nahezu überall Anlaufstellen, bei denen sich Menschen der Risikogruppe Hilfe durch Nachbarn oder sonstige Freiwillige holen können. In England ist es das Militär, das seit Montag ältere alleinstehende Leute mit den nötigen Nahrungsmitteln versorgt, berichtet Herrle.

Seit zwei Wochen arbeite nun auch bereits seine Frau von zu Hause aus, meint Herrle weiter. Dabei betont er jedoch den erhöhten organisatorischen Aufwand und die emotionale Belastung. „Informelle Gespräche mit Kollegen oder einfachste persönliche Abstimmungsgespräche sind so nicht mehr möglich.“ Seit Montag lerne sein Sohn von zu Hause aus über eine Internetplattform. „Auch mit der Schließung der Schulen hat die britische Regierung sehr lange gezögert“, kritisiert der Wirtschaftsfachmann. Jetzt seien sie lediglich für die Betreuung von Kindern der „Key-workers“, Menschen in systemwichtigen Berufen, wie LKW-Fahrer, Polizisten und Ärzte geöffnet.

„Der Regierung ist völlig bewusst, dass das kaputt gesparte Gesundheitswesen (NHS) in keiner Weise auf eine Pandemie vorbereitet ist“, sagt Harald Herrle. Er befürchte, dass es dem United Kingdom (UK) bald so wie Italien ergehen könnte. Das UK verfüge bei 60 Millionen Einwohnern gerade einmal über ein Viertel der intensivmedizinischen Betten – verglichen mit Deutschland (80 Millionen Einwohner). „Das lange Ignorieren und Aussitzen der Lage könnte sich in drei bis vier Wochen noch sehr böse rächen.“

Ehemaliger Wirtschaftsförderer des Landkreises AS zum Brexit

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Am Montagabend habe der Premier eine umfangreiche Ausgangssperre verhängt. Erlaubt seien nur noch der Weg zur Arbeit, Lebensmittel- und Medikamentenkauf und Fitnessübungen. Entsprechende gesetzliche Grundlagen für Platzverweise und Bußgelder gebe es noch nicht, werden aber im Eilverfahren verabschiedet. Sonstige Regelungen seien mittlerweile denen von Deutschland nicht einmal so unähnlich. „Hat etwas gedauert, aber ist wohl unvermeidlich“, meint Herrle. Menschen, die nicht im eigenen Haushalt leben, darf man sich nur bis auf zwei Meter nähern. Personen, die Symptome des Coronavirus zeigen, müssen ohnehin 14 Tage zu Hause bleiben. Herrle sagt dazu: „Irgendwie habe ich auch den Eindruck, dass sich die Menschen hier nicht unbedingt an das halten, was die Regierung anordnet. Aber unvernünftige Menschen gibt es überall auf der Welt.“

Harald Herrle, ehemaliger Wirtschaftsförderer des Landkreises Amberg-Sulzbach, berichtet Oberpfalz-Medien wie der Umgang mit der Coronakrise in England derzeit aussieht. Herrle lebt mit seiner Familie in Matlock, England.

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