Wie der Dauerregen die Ernteaussichten im Amberg-Sulzbacher Land verändert

Amberg
09.08.2023 - 17:34 Uhr
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Regen satt: Die Sommerferien starteten mit miesem Wetter, der Natur hingegen tut's nach der langen Trockenphase gut. Doch wie wirkt sich die Nässe auf die zu erwartende Obsternte aus? Experten wagen einen Ausblick.

Beeren und Co., aber auch Stein- und Kernobst sowie Pilze aus dem Wald: Liebhaber davon haben sich in der Zeit der großen Trockenheit im Frühsommer die bange Frage gestellt, wie die Ernte wohl ausfallen würde. Herbert Baumanis aus Amberg ist häufig im Wald unterwegs. Abgesehen hat es der Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie aber nicht nur auf die Schwammerln. Er sammelt auch Beeren. "Die Schwarzbeeren waren heuer früher dran", sagt er. Und auch Preiselbeeren hat er schon gesichtet. "Nicht viele, aber besser als voriges Jahr." 2022 habe er erstmals seit 50 Jahren nämlich keine frischen Preiselbeeren ernten können.

Den Pilzen habe der feuchte Frühling nicht geschadet. Im Gegenteil: "Ein nasses Frühjahr ist gut für die Ausbeute im Herbst." Der häufige Regen im April und Anfang Mai habe ihm zu dieser Zeit eine üppige Morchelernte beschert. "Eierschwammerln und frühe Speisetäublinge" seien jetzt diejenigen, die aus dem Waldboden kommen. "Es gibt erstaunlich viele Milchbrätlinge", sagt der Experte. Einen Steinpilz hat er übrigens noch nicht gesehen. Dass es den klassischen Herbstpilz noch nicht gibt, stört ihn aber gar nicht. "Wenn die Steinpilze schon im August kommen, sind sie meistens madig."

Feuchtigkeit begünstigt Krankheiten

Längerer Regen statt kurze Schauer: Das sei für die Natur prinzipiell gut, sagt Markus Fuchs, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt. Für Streuobstwiesen sei es ideal. "Da ist das Wachstum besser", weiß der Experte. Für das Gemüse im Garten hingegen sei es problematisch. Die Feuchtigkeit begünstige Krankheiten und Pilzbefall. Eine Erfahrung, die auch jeder Hobbygärtner macht: Das Unkraut, das sowieso schon der großen Trockenheit getrotzt hat, wächst genauso. "Es lässt sich aber optimal ausreißen", so die Erfahrung des Kreisfachberaters. Wie die Obsternte wohl ausfallen wird? "Schwer zu sagen", sagt Fuchs.

Eduard Eckl aus Iber, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands für Gartenkultur und Landespflege Amberg-Sulzbach, geht von einem mittelmäßigen Obstjahr aus. "Für den Hausgebrauch ausreichend", schätzt er die diesjährige Ausbeute ein. Dabei hatte 2023 vielversprechend angefangen. "Die Winterfeuchte war hervorragend", so sein Blick zurück auf das nasse Frühjahr. Da es frostfrei gewesen sei, seien die Niederschläge direkt in den Boden rein. Die Startbedingungen waren seinen Worten nach also optimal. Bis in den Mai hinein war das so. Dann habe sich angesichts des Wassermangels der Frühjahrstrieb der Obstbäume nicht optimal entwickelt. Die Ausbeute an Kirschen war seinen Worten nach mittelmäßig, die der frühen Apfelsorten, zu denen der Kornapfel zählt, gar mäßig. Beeren hingegen wuchsen hervorragend: sowohl Johannisbeeren als auch Himbeeren und Brombeeren.

Wiesen inzwischen wieder grün

Für Eduard Eckl ist die Zeit um den 24. Juni ein wichtiger Zeitpunkt. Da bilden die Obstbäume den sogenannten Johannistrieb aus, häufig auch zweiter Austrieb genannt. Doch heuer hatten angesichts der Trockenheit so manche Bäume schon abgeschlossen. Jetzt durch den Regen seien sie sozusagen wieder erwacht und bilden – mit mehr als vierwöchiger Verspätung – neue Triebe aus. Wie sehr der Natur die Nässe gut tut, sieht Eduard Eckl nicht nur an den Obstbäumen. "Die Wiesen werden wieder grün, an den Straßenrändern wächst das Begleitgrün, das im Juni vertrocknet war, von unten wieder grün nach."

Von einem eher schlechten und schwierigen Jahr spricht Wolfgang Wittmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Amberg, der als Pflanzenbauberater für Amberg und Amberg-Sulzbach zuständig ist. Auch er blickt zunächst zurück aufs Frühjahr. Da sei die Saat ein bisschen später als üblich erfolgt. Eben wegen der Bodenfeuchte und der häufigen Niederschläge. Für den Mais ist nach der anschließenden langen Trockenheit der Regen gerade noch rechtzeitig gekommen. Die Pflanzen hätten mit der Blüte begonnen und die Kolben ausgebildet. Dem Grünland tun laut Wittmann die Niederschläge ebenfalls gut.

Erheblicher Qualitätsverlust

Problematisch sei es beim Getreide. Da sorge die lange nasse Phase für einen massiven Qualitätsverlust. "Das wird kein Brotgetreide mehr, sondern nur noch Futtergetreide." Während um Amberg und bis hinunter ins südliche Vilstal die Landwirte vor dem großen Regen ihr Getreide größtenteils schon geerntet hatten, stand im Birgland, nördlich von Sulzbach-Rosenberg und auch in den Höhenlagen um Freudenberg noch mehr als die Hälfte draußen auf den Feldern.

Wenn es jetzt wieder trockener wird, was der Wetterbericht ja vorhersagt, dann tue dies dem Mais natürlich gut. Sonne und Wärme sorgen dafür, dass sich die Kolben füllen. Wittmann sagt, dass bereits Ende August der Raps gesät wird. Auch dafür muss es erst trockener werden. "Momentan kommt man in den Acker ja gar nicht rein", schildert er die Situation der Landwirte. "Erst zu nass und zu kalt, dann lange trocken und seit 14 Tagen fast Dauerregen: Insgesamt ist es für die Landwirtschaft eher ein schwieriges Jahr."

 
 

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