01.12.2018 - 15:12 Uhr
AmbergOberpfalz

"Denken und arbeiten interprovinziell"

Es gibt tausend Gründe, einen Verlag zu gründen. Bei den drei Wilhelms, Wilhelm Koch also und seinen beiden Kollegen Manfred Wilhelm und Gerhard Wilhelm Schmidt, waren es ganz einfach die Nerven!

Kunstminister Bernd Sibler (Zweiter von links) mit den Preisträgern Gerhard Wilhelm Schmidt-Schönenberg (links), Wilhelm Koch und Manfred Wilhelm (von rechts) vom Büro Wilhelm Verlag.
von Peter GeigerProfil

Vor rund 15 Jahren haben sie ihren eigenen, den Büro Wilhelm Verlag, deshalb aus der Taufe gehoben, um sich einfach nicht mehr so viel ärgern zu müssen. „Wir hatten den ersten Band ‚Aktuelle Architektur der Oberpfalz‘ bei einem Verlagshaus in Regensburg als Herausgeber publiziert. Bald aber war klar: In Sachen Werbung und Vertrieb passierte dort gar nichts“, berichten die drei. Das wiederum brachte das Team des Büros auf den Gedanken, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Mit 7500 Euro dotiert

Seit vergangenem Freitag darf sich nun das Amberger Unternehmen auch offiziell als „ausgezeichneter Verlag“ bezeichnen. Denn aus der Hand des Münchner Wissenschafts- und Kunstministers Bernd Sibler erhielten die drei Verleger den Bayerischen Kleinverlagspreis. Der wird seit mittlerweile zehn Jahren verliehen, ist mit 7500 Euro dotiert und stellt nach Siblers Worten einen bundesweit einzigartigen Beitrag des Freistaats dar: Damit soll nämlich ein Verlag gefördert werden, der nicht nur „für ein originelles und facettenreiches Programm“ steht, sondern für den auch „Anspruch und Humor“ charakteristisch sind.

Ambergs Kulturreferent Wolfgang Dersch, der bei der abendlichen Feierstunde mit rund 250 Gästen (darunter viele Freunde und Wegbegleiter aus der Oberpfalz) im Münchner Literaturhaus ebenso anwesend war wie OB Michael Cerny, kann das nur bestätigen: „Diese Preisverleihung stellt es doch eindrucksvoll unter Beweis: Was die Leistungsfähigkeit unserer Kreativ- und Kulturwirtschaft anbelangt, können wir in puncto Qualität mit den Ballungszentren nicht nur mithalten. Nein, wir aus der so genannten Provinz können mitunter die Metropolen auch überflügeln!“

Hauptstadt des Abendlandes

Ähnlich sieht das der Minister, in dessen Zuständigkeit auch die Kunstförderung fällt. In seiner Laudatio ging er auch auf den Luftkunstort ein und sprach davon, dass Amberg nicht nur „eine verlässliche Größe auf der Kulturlandkarte des Freistaats“ ist, sondern dass er für die Vilsstadt „noch erhebliches Potenzial nach oben“ sieht. „Wir sind gerne behilflich. Die Verantwortung dafür“, so adressierte er seine Worte in Richtung OB Cerny, „die müsst Ihr freilich selber wahrnehmen.“

Als zweiter Gastredner war Eckhard Henscheid geladen. Der Schriftsteller aus Amberg unterbreitete sofort einen Vorschlag, wie diese Möglichkeiten genutzt werden könnten. So sprach er sich dafür aus, dass die „heimliche Hauptstadt der Oberpfalz“ geadelt werden soll, und plädierte für den Rang der „Hauptstadt des Abendlands“.

Am Ende betrat das Verlegerteam selbst die Bühne, um im Gespräch mit dem Journalisten Till Briegleb zu zeigen, wie diese preiswürdige Arbeit vor Ort geleistet wird. Dabei sagte Wilhelm Koch – der ja auch Mentor des Luftkunstorts Amberg ist – unter dem Beifall der Gäste den bemerkenswerten Satz: „Wir kommen aus der Provinz. Aber wir denken und arbeiten interprovinziell!“ Wenn also jemand glaubt, der wortkarge Koch sei kein Mann großer Worte, der irrt. Denn Größe ist ja nicht nur ein Begriff, mit dem Quantitäten bemessen werden. Damit wird auch Qualität benannt.

Im Blickpunkt:

„Der Büro Wilhelm Verlag steht für ein originelles, facettenreiches Verlagsprogramm. Anspruch und Humor sind gleichermaßen charakteristisch für seine Veröffentlichungen.“ Mit diesen Worten lobte Minister Sibler das Unternehmen aus Amberg. Der Verlag widmet sich nach seinen Worten der architektonischen Schönheit und Kunst regionaler und überregionaler Bauten. Weit über die Oberpfalz hinaus habe er sich mit etwa über 100 Baukulturführern einen Namen als „exquisiter Kunstverlag“ gemacht.

Zugleich fänden sich auch Titel speziell zur näheren Umgebung im Programm: „Mit einem ganz eigenen, liebevollen Blick auf unsere Region und oftmals mit einem Augenzwinkern lässt der Verlag alltägliche Dinge als etwas ganz Besonderes erscheinen.“

Bekanntgabe des Preises

Amberg

Das Buch über die WAA

Schwandorf
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