06.04.2021 - 15:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Diebstahlserie in Schwandorf führt hinter Gitter

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

"Er ist kein großer Krimineller", sagt sein Anwalt. Doch wer mehr als ein Dutzend Vorstrafen mitbringt, muss damit rechnen, dass man ihn einsperrt. In diesem Fall ein Jahr.

von Autor HWOProfil

Der Prozess zog sich über vier Tage hin. Je länger er dauerte, desto mehr Einstellungen gab es. Kleinere Anklagepunkte wie ein mutmaßlicher Fahrraddiebstahl fielen weg. Zum Schluss auch ein Vorkommnis, das beim Amberger Schöffengericht für längere Debatten gesorgt hatte. Der auf der Anklagebank sitzende 33-Jährige war über ein Kellerfenster ins Tiefgeschoss eines Ärztehauses am Schwandorfer Kolpingplatz vorgedrungen und hatte, seinen Angaben zufolge, "nur auf einer zufällig dort stehenden Couch geschlafen". Nur wenige Meter weiter waren in der gleichen Nacht drei Kellerabteile aufgebrochen worden. "Das bin ich nicht gewesen", beteuerte der Arbeitslose im Verhandlungsverlauf immer wieder. Das Gegenteil war vom Nachweis her schwierig.

Auf dem Abrechnungszettel standen allerdings drei weitere Delikte. Der obdachlos durch Schwandorf streunende Mann hatte vor einem Lokal die den Außenbereich überwachende Videokamera aus ihrer Verankerung gerissen und das Gerät mitgenommen. "Das war Diebstahl", befand Staatsanwalt Jakub Uhlik in seinem Plädoyer. Die Richter sahen das anders. Sie hielten eine Sachbeschädigung für gegeben.

Bei seinen Touren durch die Große Kreisstadt kam der unter Betreuung stehende 33-Jährige an einer Garage an der Regensburger Straße vorbei. Vor dem kleinen Gebäude lagen nach eigenen Angaben Werkzeuge, die er mitnahm. Seltsam allerdings: Die Garage war zuvor aufgebrochen worden. Der Diebstahl galt zum Schluss als erwiesen, der Aufbruch nicht.

Artikel über die ersten Prozesstage

Schwandorf

Nur das dritte Delikt war unstrittig. Der Schwandorfer drang nachts in einen an der Spitalstraße stehenden Bauwagen vor. Als er ging, nahm er ein Radiogerät und einige Tonscherben mit. Diese Scherben stammten von Ausgrabungen an der Baustelle.

Nach Auffassung des Staatsanwalts hätte das Schöffengericht den seit Dezember 2020 in Strafhaft sitzenden 33-Jährigen für nahezu zwei weitere Jahre im Gefängnis belassen müssen. Diesen Antrag rügte Verteidiger Georg Karl (Regensburg). "Acht Monate sind ausreichend", unterstrich Karl und widersprach ferner auch der Meinung, sein Mandant sei als Dieb gewerbsmäßig vorgegangen.

Das Schöffengericht verhängte ein Jahr Haft. "Über Bewährung brauchen wir bei dreizehn Vorstrafen nicht zu reden", ließ Vorsitzende Kathrin Rieger anklingen. Ein gewerbsmäßig orientiertes Vorgehen stellte sie in Abrede. Für den Angeklagten, geschieden und Vater von vier Kindern, war die Entscheidung bitter: Er muss etliche Monate aus einer Vorverurteilung absitzen. Dann kommt noch ein Jahr hinzu.

Weitere Gerichtsberichte aus der Region

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.