13.07.2018 - 16:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Digital auf die Überholspur

Ambergs Schulkinder biegen auf die digitale Überholspur ein. So zumindest plant es die Stadt als Aufwandsträger für die Schulen. Denn alle 250 Klassenzimmer sollen möglichst schnell vollständig digital werden.

Die Kombination aus digitalem Whiteboard und analoger Tafel soll künftig auch in Amberger Schulen zu finden sein.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

(ass) Die Digitalisierung ist ein Steckenpferd von OB Michael Cerny. Da verwundert es nicht weiter, wenn er diese Thematik mit Vehemenz vorantreibt. Nun hat zusätzlich der Landtag seine Schatulle aufgemacht und 212,5 Millionen Euro für die entsprechende Umwandlung von Klassenzimmern zur Verfügung gestellt. Amberg soll hier möglichst als Vorreiter vorangehen, so der Wille des OB. Und nachdem der Schul- und Sportausschuss in seiner letzten Sitzung schon die Weichen gestellt hat, stimmte nun auch der Hauptausschuss zu, die erforderlichen Eigenmittel locker zu machen.

Ursprünglich hatte die Verwaltung ja geplant, zunächst einmal fünf Musterklassenzimmer zu schaffen - für jede Schulart von der Grundschule bis zum Gymnasium eins. Der Schulausschuss ist aber einen Schritt weiter gegangen. Sein Beschluss: Die fünf Zimmer werden umgerüstet, parallel dazu läuft aber die Antragstellung für die restlichen 246 Räume sowie die Bereitstellung der Mittel, die Amberg selbst aufbringen müsste.

In Zahlen bedeutet es, dass bei einem geschätzten Preis von 40 000 Euro pro Klassenzimmer für die fünf Musterräume allein schon 200 000 Euro anfallen, die noch in diesem Jahr haushaltsrelevant werden. Für die kommenden beiden Jahren genehmigte der Hauptausschuss am Donnerstag noch einmal jeweils zwei Millionen Euro, um alle Amberger Klassenzimmer für das Programm der Bayerischen Staatsregierung anmelden zu können. "Das ist ein guter Weg, den wir da eingeschlagen haben", lobte OB Michael Cerny den Innovationsgeist seiner Ratskollegen.

Aktuell sind nach den Ausführungen des zuständigen Referenten Wolfgang Dersch alle Amberger Klassenzimmer, die unter den Kostenaufwand der Stadt fallen, bereits mit Beamer und Dokumentenkamera sowie Microsoft-Office-365-Lizenzen ausgestattet. Nun erging vom Kultusministerium die Aufforderung, bis Ende des Schuljahres 2018/19 ein einheitliches Medienkonzept hinsichtlich der Ausstattung der Schulen, Schulung der Lehrer und Verankerung im Lehrplan vorzulegen. Im Gegenzug winken die Fördermittel aus Bund und Land.

Ausgestattet ist das digitale Klassenzimmer der Zukunft laut Dersch mit einem Lehrerarbeitsplatz, über den die digitale, interaktive Tafel (Whiteboard), das Audiosystem sowie die Dokumentenkamera zu steuern sein soll. Darüber hinaus sollen die digitalen Endgeräte der Schüler via W-Lan auf das Schulnetz zurückgreifen können. Um das alles umsetzen zu können, brauchen die Schulen eine schnelle Breitbandanbindung - am besten via Glasfaserkabel, eine strukturierte Verkabelung innerhalb der Schule und einen W-Lan-Anschluss in allen Klassenräumen.

Fünf Musterklassenzimmer

Für die fünf Musterklassenzimmer ergibt sich demnach folgendes Finanzierungsmodell: Rund 10 000 Euro kostet die Glasfaseranbindung, die laut Dersch meist schon vollzogen oder zumindest begonnen ist. Etwa 8000 Euro braucht man für den interaktiven Monitor, gut 20 000 Euro sind für einen Klassensatz an I-Pads notwendig, die ebenfalls angeschafft werden sollen. 2000 Euro macht zusätzlich der Lehrerarbeitsplatz aus.

Niemand abhängen

Gedanken machte sich der Ausschuss auch zum Thema der Endgeräte für die Schüler. In der Grundschule, so OB Michael Cerny, gehe die Tendenz wohl dahin, mit schuleigenen Geräten zu arbeiten. Später sollten die dann meist ohnehin vorhandenen Tablets oder Smartphones der Kinder und Jugendlichen eingebunden werden. Cerny schwebt da eine Lösung vor, wie sie in früheren Zeiten für die Beschaffung der ersten Taschenrechner gefahren wurde: Die Schule beschafft, die Eltern bezahlen.

Wobei natürlich darauf geachtet werden solle, die sozial schwachen Kinder da nicht abzuhängen, betonte Cerny. "Aber wir müssen als Schulstadt schon darauf Wert legen, dass wir da nicht die Letzten sind", drückte Michael Cerny aufs Gaspedal. Der natürlich auch die finanzielle Seite sieht. Denn möglicherweise können seiner Aussage nach am Ende bis zu 90 Prozent der Ausstattungskosten für die Schulen über staatliche Zuschüsse bestritten werden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp