"Mein rechter Platz ist leer, da wünsch' ich mir den Papa her." Was nach der Sitzordnung in einem Klassenzimmer, einem Kindergeburtstag oder einem Spiel im Kreise der Familie klingt, war am Donnerstagnachmittag Teil der Sitzung des Hauptverwaltungs- und Finanzausschusses in Amberg. CSU-Fraktionsvorsitzender Matthias Schöberl hatte seinen sieben Jahre alten Sohn mit ins Rathaus gebracht. "Die Nachmittagsbetreuung ist schon zu Ende. Heute geht's nicht anders", ließ Schöberl vor der Sitzung wissen, die um 15 Uhr begann.
Während das Gremium unter der Leitung von Oberbürgermeister Michael Cerny die Tagesordnung abarbeitete, saß Schöberl junior brav neben seinem Vater und machte seine Hausaufgaben. Natürlich nicht, ohne seinen Papa zwischendurch leise etwas um Hilfe zu bitten. Nach gut 40 Minuten wurde es dem Buben offensichtlich etwas langweilig. Er schnappte sich das Spielzeug, das er dabei hatte, und verschwand in einen Nebenraum, ohne den Ablauf der Sitzung zu stören. Kurz danach kam der Erstklässler zurück, um sich ein Stück Gebäck, das für die Ausschussmitglieder vorbereitet war, zu holen und wieder in das Nebenzimmer zu gehen. Kurz darauf ging die Tür jedoch erneut auf. Der Siebenjährige hatte eine Serviette vergessen, schnappte sich wortlos eine und ging danach fröhlich singend wieder in den Raum neben dem Mittleren Rathaussaal.
Als er dort fertig gespeist hatte, setzte sich der Junge wieder brav neben seinen Papa, beschäftigte sich mit einigen Lego-Teilen und bastelte, bis es um 16.20 Uhr an der Tür klopfte. Es war Schöberls Frau, die ihren Sohn abholte und wegen der kurzen Störung um Verzeihung bat. Während der Bub in aller Ruhe seine Sachen packte, gab Baureferent Markus Kühne allen Ausschussmitgliedern und vor allem allen Schöberls ein gutes Gefühl: "Alles gut. Das hier ist ja eine öffentliche Sitzung."



















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