15.07.2020 - 15:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Drogendeals in Amberg: Haftstrafen für drei Männer

So etwas erfreut Drogenermittler. Sie finden Listen, in denen die Deals penibel eingetragen sind. So weiß man, dass etliche Kilogramm Marihuana und Haschisch im Wert von rund 180 000 Euro umgeschlagen wurden.

Handel mit Hanf: In Amberg ist jetzt ein Gerichtsprozess um umfangreiche Geschäfte mit Drogen zu Ende gegangen.
von Autor HWOProfil

Drei Angeklagte und ein relativ kurzer Prozess vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg: Die Verteidiger Helmut Mörtl (Regensburg), Jörg Jendricke (Amberg) und Andreas Achatz (München) drängten sofort auf ein Rechtsgespräch. Danach wurden den Beschuldigten von der Kammer Haftstrafen für Geständnisse zugesichert. In zwei Fällen zwischen dreieinhalb und vier Jahren bzw. zwei Jahren neun Monaten und drei Jahren ohne Bewährung, in einem Fall zwischen eindreiviertel und zwei Jahren mit Bewährung.

Es ging primär um einen 30-jährigen Amberger. Er war wohl in der Rolle des Aufkäufers von Marihuana und Haschisch, das ihm zwei Bekannte, 27 und 29 Jahre alt, lieferten. Sie hatten Wohnsitz im nördlichen Landkreis. Die Deals liefen ab dem Jahr 2016, sie spielten sich in großen Mengen ab. Die Geschäfte liefen vornehmlich in Amberg mit ausnahmslos Cannabisprodukten, die zu dem 30-Jährigen gebracht und von ihm weiterverhökert wurden.

Die beiden Männer aus dem Landkreis waren offenbar nicht die einzigen auf der Verkäuferliste. In der Anklageschrift von Staatsanwältin Raphaela Etzold stand, dass der 30-Jährige in seiner Wohnung im südlichen Stadtbereich auch noch andere Dealer empfing und von ihnen größere Mengen Rauschgift gegen Bares erhielt. Deren Namen blieben anonym.

Später wurden bei dem 30-Jährigen exakt geführte Listen sichergestellt, aus denen die kriminellen Transaktionen fast schon wie in einem Tagebuch hervorgingen. Ermitteln ließen sich damit auch Interessenten, die bei dem 30-Jährigen vorsprachen, Scheine auf den Tisch legten und Cannabis bekamen. Einer zum Beispiel bei 94 Gelegenheiten insgesamt 407 Gramm für 4540 Euro. Etliche der jungen Leute, die bei dem 30-Jährigen Cannabis erwarben, sind unterdessen mit Urteilen und Strafbefehlen von der Justiz geahndet worden.

Die Verhandlung offenbarte nicht nur einen schwunghaften Handel über längere Zeit hinweg. Sie lenkte auch die Blicke auf zwei Hanfanpflanzungen, die am Dachboden eines nun mit auf der Anklagebank sitzenden 29-Jährigen im nördlichen Landkreis gefunden wurden. Am 29. Januar 2019 kamen Drogenfahnder der Kripo Amberg und schritten zur Ernte.

Unter dem von der Staatsanwaltschaft final gezogenen Strich ergaben sich neben einer Vielzahl von Deals auch stattliche Geldbeträge, die aus den illegalen Geschäften resultierten. Im Fall des 30-jährigen Ambergers drehte es sich um nahezu 121 000 Euro. Bei seinen beiden Zulieferern waren es 50 000 Euro und 10 000 Euro. Der Einzug dieser Beträge stand später im Urteil. Vorausgesetzt immer, die Männer können sie jemals bezahlen.

Durch die Geständnis der drei Angeklagten konnte die Strafkammer eine Vielzahl von Zeugen abladen. Im Prozessverlauf, der sich dadurch erheblich verkürzte, hörten die Richter nur noch die Berichte zweier Kriminalbeamten.

Der 30-Jährige wurde von der Strafkammer für vier Jahre in Haft geschickt. Parallel dazu kann er allerdings in den Drogenentzug gehen. Drei Jahre muss der 27-Jährige hinter Gitter. Auch bei ihm wurde eine längerfristige Rauchgifttherapie angeordnet. Der dritte Angeklagte, 29 Jahre alt, erhielt zwei Jahre Freiheitsentzug zur Bewährung. Die Richter orientierten sich dabei weitgehend an den von der Staasanwältin in ihrem Plädoyer gestellten Anträgen.

Im August 2019 hatte die Polizei Hanfpflanzen in der Gemeinde Hahnbach entdeckt

Kötzersricht bei Hahnbach
Info:

Was, wenn Cannabis legalisiert wird?

Es ging um Marihuana und Haschisch im Kilogrammbereich. Der schwunghafte Handel führte zu einer interessanten Feststellung des Regensburger Anwalts Helmut Mörtl, der den 30-jährigen Hauptbeschuldigten verteidigte. Mörtls Bemerkung drehte sich um eine seit langem in Deutschland geführte Debatte, in deren Mittelpunkt die Frage steht, ob man aus Cannabis hergestellte Drogen legalisieren sollte. Der Jurist prognostizierte, dass man sich in nicht allzu ferner Zukunft womöglich fragen werde, "weshalb wir bei dieser Verhandlung die Beschuldigten teilweise für Jahre eingesperrt haben". Für seinen Mandanten, der umfangreiche Deals in Szene setzte, verlangte er deshalb nur zweieinhalb Jahre Haft. Die Richter entschieden sich für vier Jahre. (hou)

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