10.09.2020 - 17:53 Uhr
AmbergOberpfalz

E-Car-Sharing in Amberg: Kritik kommt an

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Die Kritik war konstruktiv: Gerhard Kißeler (64) will, dass das E-Car-Sharing in Amberg und Umgebung besser wird. Jetzt antworten die Initiatoren des seit März 2019 bestehenden Amberger Projekts auf seine Vorschläge.

Seit 2019 können in Amberg Elektrofahrzeuge ausgeliehen werden. Sie stehen am Parkplatz beim Kongresszentrum (im Bild) und an der Kräuterwiese.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Ein Durcheinander bei den Apps, nicht vollständig aufgeladene Akkus, undurchsichtiger Service bei technischen Problemen: Gerhard Kißeler hat etliche Kritikpunkte formuliert. Der Amberger ist ein Fan der Elektromobilität, und er findet die Idee des E-Car-Sharings zukunftsweisend. Deswegen hat er das Angebot, das der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz (ZVKVS) zusammen mit der Stadt Amberg und der E-Wald GmbH 2019 auf die Beine gestellt hat, auch auf Herz und Nieren geprüft. Und er hat in einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien die Stolpersteine genannt, die die Nutzer auf ihrem Weg in die E-Mobilität aktuell noch umfahren müssen.

Flinker mit der Flinkster App

Für das Buchen, die Suche nach Ladesäulen (nicht nur von E-Wald, sondern aller verfügbarer Ladesäulen), bei Fragen und technischen Problemen gibt es jeweils verschiedene Apps bzw. Ansprechpartner. Kißeler hatte unter anderem die Frage aufgeworfen, warum dies im Sinne höchstmöglicher Nutzer-Praktikabilität nicht zentral unter einem Hut bei einem Dienstleister gebündelt wird. "Ähnlich wie bei herkömmlichen Car-Sharing- oder Mietwagen-Angeboten gibt es auch im Bereich E-Car-Sharing leider keinen Generaldienstleister. Sprich, es sind verschiedene Anbieter unabhängig voneinander tätig, die demzufolge auch verschiedene Buchungssysteme nutzen", erläutert dazu Sandra Schmidt, die Geschäftsführerin des ZVKVS Oberpfalz.

Schmidt weist darauf hin, dass Ambergs Partner, die E-Wald GmbH, zu Deutschlands führenden Systemanbietern gehöre, sie baue ihr Engagement stetig aus. Außerdem könnten bereits jetzt Synergien genutzt werden. Durch die Implementierung der Amberger E-Car-Sharing-Fahrzeuge in die Flinkster-App der Deutschen Bahn werde das Angebot schon jetzt einem erweiterten Nutzerkreis ermöglicht.

Mehr Autos anbieten

Gerhard Kißeler stand bei seiner Suche nach ausleihbaren E-Autos öfter auch mit leeren Händen da. Die E-Autos in Amberg seien oft ausgebucht, lautete seine Kritik. "Wieso wird die Flotte nicht erweitert?", fragte er. Wer eine echte Energie- und Verkehrswende will, brauche mehr E-Autos, die deutlich breiter über das Stadtgebiet verteilt sind. Sandra Schmidt blickt dazu erst einmal auf die Anfänge zurück: "Wir haben den für zwei Jahre angedachten Testbetrieb des Amberger E-Car-Sharings Ende März 2019 mit zwei Fahrzeugen gestartet. Aufgrund der großen Nachfrage haben wir das Angebot schnell von zwei auf vier E-Fahrzeuge erweitert." Ob und in welchem Umfang das Angebot in nächster Zeit ausgebaut wird, werde derzeit intern diskutiert. "Da das Projekt noch in der Testphase und damit auch in den Kinderschuhen steckt, sind wir sehr dankbar für jegliche konstruktiven Anregungen und Erfahrungen seitens unser Nutzerinnen und Nutzer", betont Schmidt. Gerade in der Anfangszeit ergäben sich oftmals ungeahnte Problemstellungen. Diese wolle der ZVKVS "möglichst schnell und innovativ" lösen. Die zur Verfügung stehenden Fahrzeuge würden durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit jeweils 3000 Euro je Elektroauto bezuschusst. Die Stadt Amberg als Eigentümer der Ladesäulen nutzt die Förderungen von Bund oder Land zum Aufbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur.

Gerhard Kißeler machte den Vorschlag: Echtzeit-Informationen über das zur Verfügung stehende Angebot und den Ladezustand per App zur Verfügung zu stellen. Gibt es quasi schon - entgegnet Sandra Schmidt - auf der E-Wald-Website sowie in der Flinkster App nach dem Kunden-Login. "Sollte das Fahrzeug zur gebuchten Zeit nicht ausreichend geladen sein, können sich die Bürgerinnen und Bürger an die E-Wald-Hotline wenden. Das Team bietet dann mögliche Alternativen an." Aber Schmidt hat natürlich Verständnis für den Ärger, den Kißeler erlebt hat. "Im Fall von Herrn Kißeler kam es wohl zu einer Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände", sagt sie. "Eine extrem geringe Akkulaufzeit bei der Übernahme des Fahrzeugs und eine kurzfristige Änderung des Standorts sind äußerst ärgerlich – und absolut selten der Fall." Hier bittet die Geschäftsführerin um Entschuldigung. Sie hoffe, dass Kißeler dem Amberger E-Car-Sharing eine zweite Chance gibt, und bietet ihm sogar ein persönliches Gespräch an, "um das Projekt so bürgerfreundlich wie möglich weiterzuentwickeln".

Überblick über alle verfügbaren E- Ladesäulen

Gerhard Kißeler aus Amberg hat das System getestet

Amberg

Anleitung zum Ausleihen der Elektroautos

Amberg
Sandra Schmidt ist die Geschäftsführerin des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz (ZVKVS). Sie nimmt die Kritik von Gerhard Kißeler als Beitrag zur Verbesserung des Angebots gerne an.
Info:

Hotline

Für alle Fragen rund um die Buchung, damit verbundene Notfälle, technische Defekte oder Unfälle steht den E-Car-Sharing-Nutzern Tag und Nacht die kostenlose Hotline der E-Wald GmbH zur Verfügung. Die Nutzer können sich mit allen Problemen an die zentrale Nummer 0800/392534624 wenden. "Zusätzlich können sich die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Fragen aber auch gerne direkt an uns, den Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz, wenden. Wir unterstützen und helfen gerne. Es sind lediglich unsere Geschäftszeiten zu beachten", verspricht Geschäftsführerin Sandra Schmidt. Die Nummer lautet: 09621/ 769160. Geschäftszeiten sind Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 17 Uhr.

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