Amberg
17.11.2021 - 14:32 Uhr

Ehefrau mehrfach geschlagen und beleidigt

Die gerichtliche Aufarbeitung eines Falls von häuslicher Gewalt dauerte zwei Tage. Zur ausführlichen Erörterung kamen dabei Szenen einer Ehe, bei der sich die Partner schon nach relativ kurzer Zeit trennten.

Ein Ehepaar stritt vor dem Amtsgericht in Amberg Bild: Oliver Berg/dpa
Ein Ehepaar stritt vor dem Amtsgericht in Amberg

Es war eine schwierige Aufgabe für Amtsrichter Florian Meißner. Er musste sich über viele Stunden hinweg mit zwei Aussagen beschäftigen, deren Schilderungen völlig unterschiedlich waren. Auf der Anklagebank saß ein 30-Jähriger, der Meinungsverschiedenheiten und Streit mit seiner Ex-Ehefrau zwar zugab. Doch Gewalttätigkeiten bestritt der Mann energisch. "Das", sagte er, "hat es nicht gegeben."

Im krassen Gegensatz dazu stand, was die Frau mitteilte. Sie berichtete von permanenten Übergriffen: Ansatzlos verabreichte Hiebe, Züchtigungen, die erste Ohrfeige schon nach der standesamtlichen Trauung und ab dann eine Art Regentschaft ihres Mannes, der angeblich keinen Widerspruch duldete. Auch, wenn es um Finanzen oder persönliche Freiheiten ging.

Gegensätzliche Aussagen

Sehr rasch wurde in dem mit viel Aufwand geführten Prozess deutlich, dass der Richter ein Paar vor sich hatte, das aus einem mit deutschen Verhältnissen nicht vergleichbaren Kulturkreis stammte. Eltern und Angehörige beider Familien hatten offenbar mitzureden, Positionskämpfe schienen eine Rolle zu spielen. Von daher gab es eine Vielzahl von Zeugenvernehmungen. Die einen hielten Gewalttätigkeiten durchaus für möglich, die anderen bezeichneten Hiebe, Maßregelungen und Behauptungen, der Mann spiele in einer muslimisch geführten Partnerschaft die bestimmende Rolle, als in diesem Fall unwahrscheinlich.

Im Prozess formte sich der Eindruck: Da waren zwei Menschen, die sich einst mochten, nach mehrmonatiger Beziehung im Jahr 2019 heirateten und dann nach relativ kurzer Zeit erkannten, dass sie nicht zueinander passten. Mit Familien im Hintergrund, die Rollen der Mitsprache übernahmen. Schwierig also für einen Richter, klare Pfosten der Orientierung zu setzen.

Das Urteil fiel am dritten Verhandlungstag. Die Familienangehörigen waren wieder in großer Zahl vertreten. Sie hörten, dass Richter Meißner den 30-Jährgen wegen Körperverletzung, Beleidigung und Nötigung zu sieben Monaten Haft mit Bewährung verurteilte und ihm 2000 Euro Geldbuße auferlegte. Nicht alle von der Staatsanwaltschaft angeklagten Übergriffe hielt der Vorsitzende allerdings für erwiesen.

"Dominanzanspruch"

Vier Attacken, so der Richter, seien so geschehen, wie sie die 22-Jährige nach ihrer Trennung bei der Polizei angezeigt hatte. Er listete auf: Schläge im Schlafzimmer, Würgen am Hals, ein Kissen auf das Gesicht gedrückt und Hiebe an den Hinterkopf. Dazu Beleidigungen wie "Hure" und Vorgänge der Nötigung.

Für das Verhalten des 30-Jährigen fand der Richter klare Worte. "Es war eine Ehe, in der der Mann das Sagen haben wollte", unterstrich er und schrieb dem Angeklagten einen "Dominanzanspruch" zu. Das sei nach dem Motto "Ich bin der Chef" und mit dem klaren Willen geschehen, "die Ehefrau untertänig zu machen."

Einen Tadel gab es in Richtung der 22-Jährigen. Nicht immer sei sie glaubhaft gewesen, befand Richter Meißner. Von daher seien manche der angezeigten Attacken für ihn nicht nachweisbar gewesen. Auch die angebliche Ohrfeige nach der Trauung zählte dazu.

Dem 30-Jährigen bleibt nun die Möglichkeit einer Berufung zum Landgericht. Sein Anwalt Jürgen Mühl hatte im Schlussvortrag auf Freispruch plädiert. Die Staatsanwaltschaft verlangte zehn Monate Haft mit Bewährung.

OnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz15.11.2021

Es war eine Ehe, in der der Mann das Sagen haben wollte.

Richter Florian Meißner

 
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