14.07.2020 - 10:13 Uhr
AmbergOberpfalz

Einbrecher kommt mit Bewährungsstrafe davon

Sie haben schwarze Sturmhauben und Brechwerkzeuge dabei. In Hahnbach und Hirschau versuchen zwei zum Diebstahl angereiste Männer Beute zu machen. Sie werden von der Polizei erwischt. Nur einer von ihnen kommt zum Prozess nach Amberg.

Ein vorbestrafter Einbrecher kam bei einem Prozess am Amberger Amtsgericht mit einer Bewährungsstrafe davon. Er und ein Komplize brachen unter anderem in Hirschau und Hahnbach Lagergebäude auf.
von Autor HWOProfil

"Es war wie ein Schock", berichtete eine Frau vor Amtsrichter Florian Meissner. Ein Alarmmelder hatte am späten Abend des 9. Februar 2019 in ihrem Hahnbacher Haus angeschlagen. Sie sah aus dem Fenster und beobachtete, wie zwei dunkel gekleidete und vermummte Gestalten das Zylinderschloss an der Türe eines zum Anwesen gehörenden Lagergebäudes herausdrehten. Sekunden später waren Polizisten auf der Anfahrt.

Die Einbrecher flüchteten ohne Beute, noch bevor der erste Streifenwagen eintraf. Ihre Spuren fand man im Schnee. Zu dieser Zeit war es 22.30 Uhr. Noch während am Tatort Ermittlungen liefen, kam erneuter Einbruchsalarm. Diesmal aus Hirschau. Auf dem Gelände einer Firma an der Schiffer-Straße versuchten zwei Männer, die Türen eines zur Werkzeugaufbewahrung dienenden Containers zu knacken. Auch dabei gab es einen Augenzeugen. Er griff zum Telefon und holte die Polizei.

Wieder waren nur Fußabdrücke im Schnee zu sehen, als Uniformierte vorfuhren. Beide Täter hatten die Flucht ergriffen. Sie ließen eine zum Abtransport bereitgestellte Motorsäge zurück. Die nach dem Einbruchsversuch in Hahnbach bereits laufende Fahndung wurde ausgedehnt. Das geschah wenige Minuten nach Mitternacht.

Gegen 0.30 Uhr war eine Funkstreifenbesatzung auf der Bundesstraße 14 bei Wernberg-Köblitz unterwegs. "Ein Wagen mit tschechischem Kennzeichen kam uns entgegen", berichtete jetzt einer der in die Suche eingebundenen Verkehrspolizisten. Die Beamten wendeten und stoppten den Skoda. "Wir kommen vom Einkaufen in Nürnberg", erfuhren sie von den beiden Insassen. Doch dann offenbarte sich: Die Männer trugen triefend nasse Schuhe, unter dem Beifahrersitz lag eine Sturmhaube und außerdem hatten sie etliche Einbruchswerkzeuge dabei. Da klickten die Handschellen.

Nach ihrer Vernehmung kamen die beiden Tschechen auf freien Fuß. Zum Prozess nach Amberg reiste jetzt nur einer von ihnen aus dem Nachbarland an. 54 Jahre alt, in seiner Heimat als Rechtsbrecher bekannt und deshalb knasterfahren. Der zweite Tatverdächtige zog es vor, daheim zu bleiben. Gegen den 24-Jährigen erließ Richter Meissner Haftbefehl.

Der 54-Jährige legte ein Geständnis ab. Mit einer sehr bemerkenswerten Einschränkung: In Hahnbach und Hirschau, so erzählte der Mann, seien er und sein Komplize wohl gewesen. Doch als sie zum Einbruch in Hirschau hätten schreiten wollen, wären da bereits zwei andere Diebe mit Taschenlampen um den Container gelaufen. "Da sind wir wieder gefahren", hörte der Richter. Eine Version, die ihm keiner glaubte.

Der Knackpunkt in der Verhandlung war: Den Berufskraftfahrer schickte die tschechische Justiz zwar mehrfach ins Gefängnis, in Deutschland aber hatte er keine Vorstrafen. Von daher setzte es auch nur acht Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Die Staatsanwaltschaft wollte zehn Monate mit Bewährung verhängt sehen. Außerdem muss der 54-Jährige 1500 Euro Geldauflage bezahlen.

Was zurück blieb, waren Verdachtsmomente. Im Kreis Neustadt/Waldnaab geschahen zuvor mehrere ähnlich gelagerte Einbrüche. Vieles deutete darauf hin, dass auch hier die beiden tschechischen Staatsbürger als eigens zum Diebstahl eingereiste Täter agierten. Doch letztlich nachzuweisen war das offenbar nicht.

Die nächtlichen Einbrüche in Hahnbach und Hirschau werden die Amberger Justiz noch einmal beschäftigen. Allerdings erst dann, wenn man den nun mit Haftbefehl gesuchten 24-Jährigen festgenommen hat.

Ein weiterer Prozess vor dem Amtsgericht

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.