20.11.2020 - 09:10 Uhr
AmbergOberpfalz

"Einfach alles falsch": Junge Männer legen Geständnis für Internetbetrug ab

Zwei junge Männer sollen mit einer Vielzahl an Straftaten im Internet einen Schaden von rund 200.000 Euro verursacht haben. Durch ihre Geständnisse vor dem Jugendschöffengericht verkürzt sich der Prozess nun erheblich.

Symbolbild.
von Autor HWOProfil

Am zweiten Prozesstag hat Richter Stefan Täschner die Beschuldigten zu ihrer Motivation befragt. Dabei wurde zunächst bei dem 21 Jahre alten Hauptverdächtigen deutlich: Als 2017 auf eine Vielzahl von Pay-Pal-Konten unberechtigt durch ihn vorgedrungen wurde und danach Geldbeträge auf ebenfalls von ihm angelegte Pay-Pal-Konten von nicht existenten Persinen überwiesen wurden, stand offenbar die Frage im Vordergrund, ob er das schaffen würde. Anders ausgedrückt: Ein fortwährender Nervenkitzel am PC.

Komplizierter Gerichtsprozess in Amberg

Amberg

Von den Pay-Pal-Konten nicht existierender Leute kam es später zu Zahlungen für Warenbestellungen, die der damals 18-Jährige an sich und Bekannte schicken ließ. Handys standen dabei im Vordergrund. "Was haben Sie damit gemacht?", fragte Richter Täschner. Die Antwort: "Verschenkt an Freunde." Nutzen, so ließ der 21-Jährige wissen, habe er nicht gehabt. "Aber ein schlechtes Gewissen." Interessant dabei: Einer, den es nicht gab, hieß als Kontoinhaber "Maximus Arsch".

Hinter Gitter wegen Verdunkelungsgefahr

Als die Kripo kam, fiel man im Elternhaus aus allen Wolken. Die Staatsanwaltschaft beantragte einen Haftbefehl und brachte den jungen Mann hinter Gitter. 14 Monate saß er wegen Verdunkelungsgefahr in einer Gemeinschaftszelle. Für ihn nach eigenem Bekunden "eine schlimme Erfahrung."

Über das Internet hatte der junge Mann aus dem Kreis Amberg-Sulzbach die Bekanntschaft eines seinerzeit 19-Jährigen aus Baden-Württemberg gemacht. Er sitzt nun mit auf der Anklagebank und beschrieb vor Richter Täschner, wie er von seinem Kumpel in die betrügerischen Machsschaften eingeweiht wurde und anschließend "Glücksmomente im Abitur-Stress"

erlebte. Auch er ging in gleicher betrügerischer Weise vor und hatte Erfolg. Seine Serie umfasste allerdings nur 22 Fälle und nimmt sich gegenüber rund 100 Fällen seines Freundes relativ bescheiden aus.

Polizei vor dem Elternhaus

"Ich war cool mit dabei", räumte der heute 22-Jährige aus dem Raum Aalen ein. Doch dann kam die eiskalte Dusche für ihn: Plötzlich standen Polizisten mit einem Durchsuchungsbefehl vor dem Haus und die Eltern waren in Urlaub, "Was ich besonders ihnen angetan habe, weiß ich heute", hörten die Richter und vernahmen weiter: "Es war einfach alles falsch, was da gelaufen ist."

Pay-Pal hat zwischenzeitlich den entstandenen Schaden aus Kulanzgründen gegenüber seinen Kunden geregelt. Die Frage ist nun: Müssen ihn die beiden Angeklagten zurückzahlen? Bei jugendlichen Straftätern, so entschied der Bundesgerichtshof, bleibe diese Entscheidung dem zuständigen Gericht überlassen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Videos aus der Region

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.