22.11.2021 - 10:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Einsatzkleidung: Amberg-Sulzbacher Feuerwehren werden bunter

Ihre sprichwörtliche Farbe ist "Feuerwehr-Rot". Das gilt für die Fahrzeuge der Feuerwehren im Raum Amberg-Sulzbach. Bei ihrer Einsatzkleidung aber sind Aktive aus unterschiedlichen Wehren inzwischen ein "richtig bunter Haufen".

Hier, im Feuerwehrhaus Freudenberg, hängt auch noch klassisches Blau und Schwarz - aber die Feuerwehren im Raum Amberg-Sulzbach sind inzwischen ein ziemlich "bunter Haufen" geworden.
von Heike Unger Kontakt Profil

"Wenn mehrere Feuerwehren in einem Einsatz sind, sind wir schon ein richtig bunter Haufen", sagt Kommandant Armin Daubenmerkl (Freudenberg-Wutschdorf). Er gibt zu, dass er es persönlich schon gut fand, dass die Aktiven, egal woher, anhand der früher einheitlich dunklen Jacken und Hosen mit den hellen Reflektorstreifen gleich als Feuerwehrleute erkennbar waren. Inzwischen haben die Wehren eine große Auswahl bei ihrer Schutzkleidung und auch deren Farbe. Feuerwehrleute sollen gut sichtbar sein. Aber ihre Jacken und Hosen sollen sie vor allem schützen bei ihren oft gefährlichen Einsätze. Und sie sollen ihnen ihre schweißtreibende, ehrenamtliche Arbeit auch etwas angenehmer machen.

1999 seien erstmals für die bayerischen Feuerwehren Jacken mit erhöhter Schutzfunktion eingeführt worden, berichtet Daubenmerkl. Die waren noch einheitlich, Schwarz-Blau mit orangefarbigem Koller (Schulterbereich). In Freudenberg gibt es sie noch, neben den schwarzen Jacken mit den hellen Reflektorstreifen. Die Atemschutzträger aber rücken seit 2016 mit neuen Schutzanzügen in Schwarz-Rot aus. "Hintergedanke ist der Schutz unserer Leute", vor allem, bei Atemschutzträgern, die in Gebäuden agieren, betont Daubenmerkl: "Wir müssen den maximalen Schutz haben, damit sie wieder lebend rauskommen. Da darf es nicht ums Geld gehen.“

Gegen Hitze und Wasser

Die neuen Jacken sind eine gewisse Zeit feuerfest, halten die Hitze und Wasser gut ab, sind aber trotzdem atmungsaktiv, was angesichts schweißtreibender Einsätze wichtig ist. Schäden lassen sich reparieren. Die modernen Jacken und Hosen haben es in sich, im wahrsten Sinne des Wortes: Taschen und Schlaufen mit Klettverschlüssen ermöglichen es, dass die Einsatzkräfte persönliche Ausrüstung gut verstauen können. Hier finden zum Beispiel Funkgerät oder Lampe ihren Platz. Die Freudenberger und Wutschdorfer haben sich für Modelle entschieden, die hinter Klettverschlüssen außerdem Schlaufen verbergen – oben am Rücken oder auch an beiden Hosenbeinen. Gerade Atemschutzträger sind laut Daubenmerkl starken körperlichen Belastungen ausgesetzt, die Kreislaufprobleme verursachen können: In diesem Fall könne man einen Kameraden an den Schlaufen packen und ihn schnell aus der Gefahrenzone bringen. An zwei weiteren Bandschlingen im Brustbereich, in denen Karabiner hängen, kann sich ein Feuerwehrmann, dem beispielsweise in einem brennenden Haus plötzlich der Rückweg versperrt ist, in Sicherheit bringen, indem er sich beispielsweise mit diesen Karabinern an ein Balkongeländer hängt, bis ihn seine Kameraden von außen retten können. Dieses Quasi-Gurtsystem erlaubt auch eine Sicherung in anderen Situationen, etwa auf einer Leiter.

Der Kommandant formuliert es so: "Wir haben da einen Werkzeugkasten der XXL-Klasse" – und zwar einen "auf Rädern" (das Feuerwehrauto) und auch einen "auf Beinen", also am Körper, von Atemschutzgerät bis Wärmebildkamera. Inzwischen gibt es viele Hersteller, die eine große Bandbreite an Modellen, Funktionen und Farben bei Feuerwehr-Einsatzkleidung anbieten. Jede Feuerwehr wählt daraus nach ihren Bedürfnissen und natürlich auch nach den finanziellen Möglichkeiten ihrer Gemeinde aus. Denn die Ausstattung ist nicht billig: Rund 1300 Euro kosten Hose und Jacke pro Mann. Für Daubenmerkl eine Frage der Sicherheit. Da es in Freudenberg insgesamt acht Feuerwehren gibt, konnten hier allerdings nicht alle Kräfte mit neuer Einsatzkleidung ausgestattet werden, sondern nur die Atemschutzträger der Stützpunktwehr direkt in Freudenberg. Sie tragen jetzt Jacken in Rot-Schwarz, und schwarze Hosen, beides mit gelben Reflektorstreifen. Letztere müssen laut Vorschrift eine bestimmte Fläche abdecken, dann müssen die Träger keine extra Leuchtwesten darüber tragen. Deshalb haben manche Hosen auch noch zusätzlich Reflektorstreifen. Und schließlich spielt auch die Passform eine Rolle – auch hier ist die Auswahl groß.

Die drei Ensdorfer Feuerwehren rücken künftig goldfarben aus. Sie haben nach 17 Jahren gerade eine neue Ausstattung bekommen, 127 Schutzanzüge, einen für jeden Aktiven in den Wehren Ensdorf, Wolfsbach und Thanheim. Rund 160.000 Euro werden dafür investiert, verteilt auf vier Jahre, verrät der Wolfsbacher Kommandant Dominik Ernst. Dass seine Gemeinde so viel Geld nicht auf einmal schultern kann, versteht er. Und auch, dass man im Gemeinderat Diskussionen um so eine Investition führt. "Aber es gibt gute Argumente dafür. Und wenn man es gut erklärt, geht die Gemeinde da auch mit." Das sei auch für die Leute im Ehrenamt wichtig – eine Form der Wertschätzung für die oft gefährliche Arbeit in der Feuerwehr.

Er hat einen dicken Aktenordner mitgebracht: Alles Unterlagen, die zur Anschaffung der neuen Schutzkleidung nötig waren – eine kleine Doktorarbeit. Inzwischen ist Ernst Experte, kann mühelos unterschiedliche Materialien, Bezeichnungen, Vorteile zahlreicher Modelle aufzählen. Die Membran ist für ihn einer der wichtigsten Punkte: Jene Lage speziellen Materials, die Hitze und Nässe abhält, aber Schweiß durchlässt. Ensdorf hat sich für goldfarbene Kleidung entschieden: Mit den hellen Outfits sei die Hitzeeinstrahlung im Sommer nicht so groß und die Einsatzkräfte, aber auch Verschmutzungen gut sichtbar: Ruß- und andere Partikel, die die Aktiven vor allem von Brandeinsätzen auf der Kleidung mitbringen, sind gesundheitsgefährlich, weshalb die Ausrüstung regelmäßig gewaschen wird. Meist geschieht das außer Haus, bei Reinigungsfirmen. Die Freudenberger haben Waschmaschinen, die Wolfsbacher sollen eine bekommen. Wichtig war den Verantwortlichen, dass die drei Ensdorfer Feuerwehren in denselben Farben ausrücken. Die Abstimmung endete knapp für goldfarben, sonst wäre es Schwarz-Rot wie in Freudenberg geworden.

Eine kleine Auswahl von Anzug-Farben, die inzwischen bei den Feuerwehren im Raum Amberg-Sulzbach im Einsatz sind:

Feuerwehr Amberg

Alle Aktiven der Feuerwehr Amberg sind seit 2013 mit sandfarbenen Jacken und dunkelblauen Hosen ausgestattet. Die hellen Jacken seien besser zu sehen, sagt der ehemalige Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer, "sie heizen sich weniger auf im Sommer. Und man sieht den Dreck besser", um zu erkennen, wann die Jacke in die Reinigung muss. Für diesen Fall gibt es Wechselgarnituren. Ein Ziel wäre es, selbst in der Feuerwache waschen zu können, um die Kleidung nicht mehr außer Haus geben zu müssen. Dafür müsste man 15.000 Euro für Waschmaschine und Trockner investieren.

Seegerer schwärmt von der Qualität der neuen Kleidung, auch im Vergleich zum Vorgänger-Outfit, das von 1996 stammte: "Viel leichter, das kann man fast mit einem Skianzug vergleichen." Bernhard Strobl, dem ehemaligen Stadtbrandrat, war es wichtig, gleich die gesamte Mannschaft neu einzukleiden, um niemanden zu bevorzugen. "Wir haben gewartet, bis wir das Geld hatten und dann haben wir's gekauft."

Feuerwehr Freudenberg-Wutschdorf

Die Feuerwehr Freudenberg-Wutschdorf hat 2016 ihre Atemschutzträger mit neuen Jacken in Rot-Schwarz und schwarze Hosen ausgestattet, beides mit gelben Reflektorstreifen. Die übrigen Kräfte der insgesamt acht Wehren der Gemeinde tragen weiter schwarze Jacken mit hellen Reflektorstreifen, beziehungsweise blaue Jacken mit orangefarbener Schulterpartie.

Feuerwehr Ensdorf

Die drei Ensdorfer Feuerwehren rücken künftig goldfarben aus. Sie haben nach 17 Jahren gerade im November neue Schutzanzüge für alle Aktiven in den Wehren Ensdorf, Wolfsbach und Thanheim bekommen. Rund 160.000 Euro werden dafür investiert, verteilt auf vier Jahre, verrät der Wolfsbacher Kommandant Dominik Ernst, der auch Fachkreisbrandmeister für Einsatzvorbereitung ist.

Feuerwehr Sulzbach

Die Feuerwehr Sulzbach ist bei den klassischen dunkelblauen Jacken und Hosen geblieben und kommt gut zurecht damit. Hier tragen alle 65 Aktiven dieselbe Kleidung, sagt Kommandant Armin Buchwald. Man überlege, ein Chipsystem einzuführen, das anzeigt, wann die Kleidung zum Waschen muss. "Jeden Arbeitskittel wäscht man ja auch regelmäßig." Um die Gesundheit der Aktiven zu schützen, ziehen diese nach entsprechenden Einsätzen ihre Schutzkleidung aus und Trainingsanzüge an: Die Einsatzkleidung wandert dann in spezielle Tonnen im Gerätehaus, bis sie zum Waschen weggebracht werden. Bis 2013 hatten die Sulzbacher wie viele andere Feuerwehren ihre Einsatzkleidung in der Fahrzeughalle hängen. Durch einen Anbau haben sie jetzt aber einen eigenen Umkleideraum.

Feuerwehr Kümmersbruck

Alle 180 Aktiven der Feuerwehren Kümmersbruck, Haselmühl und Theuern haben Ende vergangenen Jahres neue Schutzanzüge erhalten. Von der Gemeinde bekamen sie dafür ein Budget von 250.000 Euro. Die Entscheidung für ein bestimmtes Modell war auch hier keine leichte und mit einigem Aufwand verbunden. Wichtig waren nach den Worten des Kümmersbrucker Kommandanten Alwin Holzner die Ausstattung, der Tragekomfort und auch das Gewicht der Jacken und die "Sicherheit und gute Sichtbarkeit", vor allem beim Einsatz auf Straßen und Autobahnen.

Ein ausschlaggebender Punkt war laut Matthias Wiendl, 2. Kommandant in Theuern, auch, dass die Reflektorstreifen auf der Jacke ausreichen, um nicht noch zusätzlich eine Signalweste tragen zu müssen. Rund 20 Jahre waren die Vorgängermodelle in den drei Gemeindewehren im Einsatz, nun aber seien viele davon "grenzwertig" in Sachen Sicherheit, sagt Holzner. Je fünf Mann aus jeder Wehr kümmerten sich um die Beschaffung, testeten verschiedene Modelle und auch die Sichtbarkeit verschiedener Farben. Die Entscheidung fiel am Ende auf dunkelblaue Hosen und rot-schwarze Jacken. "Wir haben es ausprobiert: Man sieht Rot am besten in der Dunkelheit", berichtet Wiendl. Alwin Holzner kann der Tatsache, dass die Feuerwehren im Landkreis jetzt farblich ganz unterschiedlich seien, durchaus etwas abgewinnen: Wenn man gemeinsam im Einsatz sei, sehe man sofort, wer zur welcher Wehr gehört.

Ambergs Feuerwehr-Führungsduo hört auf

Amberg

„160.000 Euro sind viel Geld. Aber es gibt gute Argumente dafür. Und wenn man es gut erklärt, geht die Gemeinde da auch mit.“

Dominik Ernst, Kommandant der Feuerwehr Wolfsbach

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.