23.02.2021 - 10:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Einsturzgefährdet: So geht es mit dem Hussel-Haus in Amberg weiter

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Das Anwesen an der Georgenstraße 7 schien in Vergessenheit geraten zu sein. Seit August 2015 gilt das ehemalige Hussel-Haus als einsturzgefährdet. Lange tat sich nichts. Doch jetzt haben die neuen Eigentümer aus Göttingen konkrete Pläne.

Das ehemalige Hussel-Haus in der Georgenstraße soll abgerissen werden. Einen entsprechenden Antrag hat die Stadt bereits genehmigt.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Der Einsatz des Technischen Hilfswerks sorgte für enormes Aufsehen: Im August 2015 wurden an der Georgenstraße 7 die zur Fußgängerzone zugewandten Läden geschlossen, denn das einsturzgefährdete Haus musste gesichert werden. Davon betroffen war in erster Linie die Confiserie Hussel, die seitdem nicht wieder eröffnet wurde. Ob das jemals wieder der Fall sein wird, darf seit dem Bekanntwerden der Insolvenz der Deutschen Confiserie Holding, zu der Hussel gehört, bezweifelt werden.

Unabhängig davon gibt es an diesem exponierten Standort in der Innenstadt nach Jahren des Stillstandes Neuigkeiten: Die jetzigen Eigentümer von der 3vest GmbH aus Göttingen haben einen Antrag auf Teilabriss des Hauses gestellt, den die Stadt mittlerweile genehmigt hat, wie Pressesprecherin Susanne Schwab auf Nachfrage bestätigt: "Das Gebäude wird größtenteils abgerissen." Die Fassade zur Georgenstraße werde aus Gründen des Denkmalschutzes aber erhalten bleiben. Die Stadt habe dem Abbruch zugestimmt, "weil es ein statisches Gutachten gibt, dass das Gebäude nicht mehr standfest ist". Die Genehmigung liege zwischenzeitlich vor und gelte auch für das rückwärtige Gebäude mit der Postadresse Eichenforstgäßchen 7. Es wird laut Schwab ebenfalls abgerissen.

Wohnungen und Gewerbe

Was genau die neuen Eigentümer aus Niedersachsen planen, die das Anwesen im November 2018 von einer niederländischen Investorengruppe erworben haben, weiß der geschäftsführende Gesellschafter Torsten Jünemann. Auf Nachfrage teilt er mit: "Das Gebäude wird genau so wieder aufgebaut, die Fassade bleibt erhalten. Oben kommen Wohnungen rein, unten Gewerbe." Im Laufe dieses Jahres soll mit den Arbeiten begonnen werden. Die Fertigstellung ist für nächstes Jahr geplant: "Wir wollten eigentlich längst weiter sein, aber wegen Corona sind wir zeitlich jetzt natürlich etwas hinten dran." Wichtig ist dem Unternehmen aus Göttingen der Hinweis, dass in der Amberger Altstadt kein neuzeitlicher oder gar futuristisch anmutender Bau entstehen wird. Torsten Jünemann: "Alles wird wieder so, wie es war. Wenn alles fertig ist, wird man von außen gar nicht sehen, dass es neu ist."

Warum das Unternehmen so verfährt, habe ganz einfache Gründe: Ein optisch identischer Ersatzbau sei aus finanziellen und sicherheitstechnischen Gründen der einzig gangbare Weg: "Wir sind zu einem Zeitpunkt eingestiegen, wo man ganz ehrlich sagen muss, dass das, was vorher gemacht worden ist, schiefgelaufen ist. Wo man sagen muss, dass man das anders machen muss." Obwohl die intakte Fassade nicht darauf schließen lasse, befinde sich das Gebäude noch immer in einem bedenklichen Zustand. So sei zum Beispiel in früheren Zeiten ein neuer Dachstuhl einfach ohne statische Prüfung aufgesetzt worden. Die Liste der Mängel ließe sich beliebig fortsetzen: "So etwas habe ich in 30 Jahren nicht gesehen", sagt Jünemann und ergänzt, dass es deswegen einfacher sei, mit Ausnahme der Fassade alles abzureißen und originalgetreu wieder aufzubauen.

"Pinkelgasse" aufwerten

Jünemann denkt noch einen Schritt weiter. Ihm ist aufgefallen, dass der Durchgang zum Eichenforstplatz aufgewertet werden müsste. Das sei aber eher Aufgabe der Stadt: "Vielleicht kann man da in Zusammenarbeit etwas machen, damit das nicht so eine Pinkelgasse bleibt."

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„Pinkelgasse“ darf ruhig verschwinden

Im Laufe der Zeit gewöhnt man sich an sehr viel. An Leerstände zum Beispiel. Dass es an der Georgenstraße 7 vor mehr als fünf Jahren Süßigkeiten und andere leckere Sachen zu kaufen gab, ist einem fast schon nicht mehr bewusst. Dabei geht es weniger um Bonbons, Schokolade und Gummibärchen, sondern um die Tatsache, dass an einer prominenten Stelle der Altstadt Tristesse herrscht. Daran soll und darf man sich nicht gewöhnen. Umso besser ist es, dass sich ein Investor gefunden hat, der sich des Anwesens annimmt und es nach dem Abriss wieder so aufbauen möchte, wie es jetzt ist. Damit dürfte er bei allen Ambergern offene Türen einrennen. Zumal sich angesichts der Tatsache, dass kein futuristischer oder überdimensionierter Komplex entsteht, die Zahl der Kritiker und Gegner in Grenzen halten dürfte. Doch das Beste erwähnt der neue Eigentümer in einem Nebensatz: Es wäre tatsächlich angenehm, wenn die „Pinkelgasse“ in Vergessenheit geraten würde. Denn an sie haben wir uns alle schon viel zu lang gewöhnt.

Thomas Kosarew

Auch das grüne Gebäude hinter dem ehemaligen Hussel-Haus soll originalgetreu wiederaufgebaut werden. Rechts ist der Durchgang zu erkennen, den Torsten Jünemann von der 3vest GmbH gern etwas aufwerten würde.

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