Update 27.05.2018 - 11:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Elemente von Tragweite: Papierfliegertag im Luftmuseum

Mit der Sieben-Knick-Technik wird kaum ein Langzeitflug erreicht. Aber sie ist der erste Schritt zur Wissenschaft des perfekten Papierfliegers. „Jeder kann falten“ heißt es beim zweiten Papierfliegertag des Luftmuseums.

Unter der Leitung von Ingenieur Dieter Michael Krone lernen Groß und Klein die Physik des kleinen Fliegers.
von Dagmar WilliamsonProfil

Vor Jahren, als es noch kein Internet gab und Fernseher in Hotelzimmern eine Seltenheit waren, langweilte sich Ingenieur Dieter Michael Krone auf einer geschäftlichen Reise. Er griff zum zweifach gestrichenen Briefpapier des Hotels und begann zu falten. So entstand ein Papierflieger. Der aber schnell zum Absturz verurteilt war. Den Maschinenbauer packte der Ehrgeiz: „Wie bringe ich das Blatt zum Fliegen?“

Faltflieger sind nicht zu verachten. „An ihnen haftet ein Stigma der nutzlosen Spielerei“, sagt Krone. Der wahre Charakter dieser Flugobjekte liege jedoch in der Ideenumsetzung und natürlich im Ausprobieren. „Deshalb beflügeln Papierflieger bis heute den Flugzeugbau.“ Das könne man ruhig wörtlich nehmen. Ganz klar: Der Flieger muss symmetrisch sein. Die Tragflächen sollten etwas nach oben zeigen, wie bei einem großen Flugzeug. Vorne anfassen zum Werfen – da liegt die Kontrolle der Spitze. Etwas Physik, zur Freude der Lehrer, und etwas motorisches Geschick genügen, um neue Papierflieger zu konstruieren. Krones leistungsfähigstes Objekt ist der Transporter für Eier.

Mit fünf Blatt Kopierpapier und etwas Klebeband kann der Drache ein rohes Hühnerei sicher zu Boden schweben lassen. Denn auch das Material spielt eine Rolle: Backpapier lässt sich ausgezeichnet falten und wölben – verzeiht jedoch keine Fehler. Schreibpapier nutzen die meisten, aber es ist zu weich für sein Gewicht. Deshalb sollte es holzfrei sein. Glattes Aquarellpapier empfiehlt der Ingenieur. Brief- und Büroklammern, Münzen oder selbstklebende Bänder eignen sich zur Gewichtsverlagerung. „Meist scheitern die meisten Papierflieger-Piloten jedoch am Trimmen“, sagt Krone.

Auch das Wetter hat großen Einfluss auf die Leistung. Nicht nur Wind und Regen können sich negativ auswirken, sondern auch Sonnenschein. Über asphaltierten Parkplätzen oder in der Innenstadt sorgt die Sonne für Aufwinde, die den Papierflieger unterstützen. Auf einer Wiese muss man allerdings mit Abwinden rechnen, die den Flug verkürzen.

Mit dem „Himmelskönig“ von Takuo Toda kann ein Langzeitflug über 20 Sekunden erreicht werden. Die Grundlage für seinen „Fläming“ bildet ein Entwurf von Kai Wicke. Er war 2006 deutscher Red Bull-Meister im Weitflug. Seine Siegerweite damals betrug 34,82 Meter.

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