14.10.2021 - 10:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Elfie Wagner und Didier Borde: Brieffreundschaft seit 50 Jahren

Die Geschichte von Elfie Wagner aus Amberg und Didier Borde aus Périgueux ist die einer Brieffreundschaft. Einer Freundschaft, die seit 50 Jahren hält. Wenngleich die Brieffreunde von einst längst auf WhatsApp umgestiegen sind.

Elfie Wagner mit Didier Borde aus Périgueux, mit dem die Ambergerin vor 50 Jahren eine Brieffreundschaft begonnen hatte.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Alles fing 1971 an. Elfie Wagner, damals Schülerin des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums, lernte gerade ihre ersten Wörter Französisch. Und die Lehrerin fragte in der Klasse, wer denn Interesse an einer Brieffreundschaft mit Frankreich habe. Elfie Wagner, damals 13 Jahre alt, hatte Lust darauf. Und meldete sich. "Man musste dann so eine Art Profilbild abgeben", erinnert sich Elfie Wagner. Also schreiben, wer man sei, woher man komme, welche Hobbys man habe. Die Lehrerin suchte dann ein dazu passendes französisches Pendant aus. So kam es, dass Elfie Wagner und der zwei Jahre ältere Didier Borde Brieffreunde wurden. "Ich war damals die einzige, die einen Jungen als Brieffreund hatte", so Elfie Wagner. Alle anderen, die ebenfalls Interesse bekundet hatten, bekamen Mädchen.

Was Elfie Wagner damals nicht wusste: Die Stadt Amberg plante einen Schüleraustausch mit ihrer Partnerstadt Périgueux. Ein dreiviertel Jahr später kam dann Didier Borde nach Amberg, lebte bei Elfie Wagner und ihrer Familie in Sulzbach-Rosenberg. 1973 fuhr dann Elfie Wagner nach Périgueux. 1974 kamen wieder die französischen Schüler nach Deutschland und im Jahr darauf die Amberger in die Dordogne. Sowohl Elfie Wagner als auch Didier Borde verstanden sich auf Anhieb mit den jeweiligen Gastfamilien. In einer WhatsApp-Nachricht erinnerte sich Borde dieser Tage an seine erste Begegnung mit Elfie Wagners Vater: "Er sagte mir, ich sei wie sein Sohn. Sein Haus sei mein Haus." Auch Elfie Wagner schwärmt von der herzlichen Aufnahme in der Familie Borde. So habe ihre Gastmutter gesagt, "ich bin für sie die Tochter, die sie nie hatte".

Flitterwochen in Amberg

In all den Jahren war der Kontakt zwischen Elfie Wagner und Didier Borde nicht abgerissen, wenngleich er sich natürlich zwischendurch immer mal reduzierte. Studium, Berufsausbildung, Familiengründung: Das seien stets Phasen gewesen, in denen der deutsch-französische Kontakt nicht so regelmäßig gepflegt wurde. Als Dieter Borde 1996 seine Odile heiratete, war auch Elfie Wagner unter den Hochzeitsgästen. Seine Flitterwochen verbrachte das frisch vermählte Paar dann in Amberg. Als Elfie Wagner 1999 ihren 40. Geburtstag feierte, war natürlich auch ihr langjähriger Brieffreund mit von der Partie.

Elfie Wagner erinnert sich gerne an ihren allerersten Besuch in Périgueux zurück. "Das war meine erste große Auslandsreise", sagt sie. Für eine 15-Jährige durchaus ein Abenteuer. Auf Anhieb habe sie sich mit der Gastfamilie verstanden. "Es hat super gut gepasst." Seit Beginn der Brieffreundschaft sei Didier Borde für sie wie ein Bruder. Längst schreiben sich die beiden keine Briefe mehr, sondern kommunizieren auf WhatsApp. Elfie Wagner erinnert sich zurück, wie es damals war, als man sehnsüchtig auf Post wartete. "Der Brief hat ja schon eine Woche gebraucht, bis er angekommen ist." Heute schätzt sie, dass sie sich damals im zweimonatigen Turnus ausgetauscht hätten.

Mit Didiers Frau Odile, die inzwischen zum dritten Mal in Amberg war, versteht sich Elfie Wagner ebenfalls prächtig. "Wir haben die gleiche Lebenseinstellung, den gleichen Geschmack", freut sich die Ambergerin. Rückblickend auf 1973 sagt sie heute: "Diese erste Frankreich-Fahrt hat mich und mein Leben geprägt." Elfie Wagner war sehr erfreut, als Didier Borde und seine Frau ihren Besuch für heuer im September angekündigt hatten. Gemeinsam unternahmen sie viel, besuchten beispielsweise den Frohnberg. Dies hatte sich Didier Borde gewünscht, weil ihn einst Elfie Wagners Vater mit zum Frohnbergfest genommen hatte. "Unglaublich, an was er sich alles noch erinnert", staunt die Ambergerin, die ihren französischen Gästen auch Bayreuth zeigte. Auch das sei ein Wunsch ihres Brieffreundes: Wann immer er in Amberg ist, will er eine Stadt in der Umgebung anschauen, die er bislang noch nicht kennt. Da Elfie Wagner selbst schon in Bayreuth gelebt hat, übernahm sie dafür auch den Job der Fremdenführerin.

Freundeskreis-Treffen und Plättenfahrt

Mit dem Ehepaar Borde unternahm sie außerdem eine Plättenfahrt auf der Vils. Weiter stand ein Treffen mit dem Freundeskreis Périgueux, dem Elfie Wagner seit vielen Jahren angehört, auf dem Programm – sehr zur Freude der französischen Gäste. Sicher ist, dass sich Elfie Wagner und Didier Borde wieder treffen werden, wenngleich noch nicht feststeht, wann das sein wird. "Solange wir können, solange werden wir uns immer wieder treffen", so der Franzose, der ebenso wie seine Brieffreundin schon in Rente ist. Von allen, die damals in ihrer Klasse an der Schwesternschule Brieffreundschaften geschlossen hatten, ist Elfie Wagner die einzige, die heute noch in Verbindung steht. "Wir haben nie aufgehört, Kontakt zu halten", freut sich auch Didier Borde.

Zuletzt war eine Delegation des Amberger Stadtrats 2019 in Périgueux

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Ein Foto, das von 1973 stammt: Elfie Wagner während ihres ersten Aufenthalts in Ambergs französischer Partnerstadt Périgueux mit ihrem Brieffreund Didier Borde.
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