08.06.2021 - 15:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Fehlendes Personal: Amberger Lokale öffnen trotzdem

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Auf diesen Tag hat die Gastronomie in Amberg seit November gewartet: Am Montag durften Restaurants und andere Speiselokale auch innen öffnen. Doch das ist auf die Schnelle gar nicht so leicht. Vor allem nicht im Zentral am Marktplatz.

In die L’Osteria kehrte am Montag auch des Innenleben zurück. Chef Matthias Seliger war auf die Lockerungen vorbereitet, weil er darauf spekulierte.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Drei Wochen und zwei Tage nach der Öffnung der Biergärten und Außengastronomie durften die Wirte am Montag, 7. Juni, Gäste auch in den Innenräumen wieder verköstigen. Obwohl die Branchenvertreter seit Beginn des zweiten Lockdowns Anfang November diesen Tag herbeigesehnt hatten, kam die Erlaubnis für viele von ihnen überraschend. Wie sich bei einer Umfrage von Oberpfalz-Medien ergab, sind mit der Öffnung auch einige Probleme verbunden. Wie im Fall von Hans-Jürgen Niewierra, dem seit 21 Jahren das Café Amadeus am Salzstadelplatz gehört.

Am Freitagnachmittag habe er von der Lockerung der Allgemeinverfügung erfahren. Kurioserweise per SMS von einer Mitarbeiterin: "Erster Gedanke: Hurra! Es geht wieder los. Zweiter Gedanke: Oh! Wie sollen wir das in 48 Stunden schaffen?" Denn obwohl die Tische im Freien seit drei Wochen wieder genutzt werden dürfen, sei es nicht so leicht, den Betrieb komplett wieder hochzufahren. Ein Grund: "Die Leute erwarten, dass du vom ersten Tag an volles Programm bietest." Das funktioniere so aber nicht. Ein Beispiel: Das beliebte Guinness-Bier sei zurzeit partout nicht lieferbar.

Abgesprungene Aushilfen

Und dann ist da noch die Personalplanung: "Wir haben zu den Mitarbeitern immer Kontakt gehalten. Da kann man schon auf einen gewissen Stamm zurückgreifen. Die eine oder andere Aushilfe ist aber abgesprungen." Das führe zwangsläufig dazu, dass andere Bedienstete, die normalerweise zweimal pro Woche im Einsatz sind, nun viermal arbeiten: "Das ist alles nicht so einfach." Der Neustart-Montag sei in den Innenräumen ruhig verlaufen: "Wetterbedingt hat sich das fast alles draußen abgespielt." Auf den ganzen Tag verteilt seien im Lokal nur zwei Tische besetzt gewesen.

Normalerweise hätte Niewierra einen Vorlauf von einer Woche benötigt. Bei der Außengastronomie seien es eineinhalb Wochen gewesen. Erschwerend sei noch hinzugekommen, dass es sich bei dem Tag der Bekanntgabe um den Brückentag nach Fronleichnam handelte: "Das macht es nicht einfacher." Und noch etwas: Die sich seit Montag bietende Möglichkeit, bis Mitternacht öffnen zu dürfen und nicht wie bisher um 22 Uhr zusperren zu müssen, klinge wie ein "Zuckerl", sei aber keines: "Personell schaffe ich das nicht." Deswegen bleibe das Amadeus werktags nur bis 22 Uhr offen und am Wochenende bis 23 Uhr. Vorerst, wie der Wirt sagte, denn: "Vielleicht schaut es in drei Wochen schon wieder anders aus."

Euphorie will auch im Rußwurmhaus am Eichenforstplatz bei Erwin Scheuerer nicht so recht aufkommen. Als er am Freitagnachmittag von einem Gast erfahren habe, ab Montag auch die Innenräume wieder öffnen zu dürfen, sei sein erster Gedanke ähnlich dem seines Kollegen Niewierra gewesen: "Toll, aber was machen wir da jetzt?"

Amberger Wirte im Lockdown: So war die Stimmung im November

Amberg

Alle Reservierungen für draußen

Auch er benötige rund eine Woche Vorlaufzeit für Bestellungen und Personalplanungen. Aus diesem Grund habe er nicht überlegt, den Ruhetag am Montag zu streichen, um innen sofort öffnen zu können: "Das wäre auf gar keinen Fall gegangen." Seit der Biergarten geöffnet ist, hätten Gäste immer wieder gefragt, ob sie auch rein dürfen. Gerade bei kühleren Temperaturen. Der Gastronom lehnte jeweils ab und sagte am Dienstag: "Jetzt dürfen sie rein, aber das Wetter ist so gut. Das spielt sich alles draußen ab." Alle Reservierungen, die seit Freitag gewünscht wurden, gelten laut Scheuerer für draußen.

Ähnlich wie im Amadeus sei es auch im Rußwurmhaus fast unmöglich, einen regulären Betrieb wie vor Corona zu gewährleisten. So sei die Speisekarte beispielsweise um rund 30 Prozent abgespeckt worden: "Das muss sich erst noch einspielen. Solange innen wegen der Abstandsregeln jeder zweite Platz frei bleiben muss, geht das nicht anders." In erster Linie liege das an einem Fakt: "Das fehlende Personal ist das größte Problem, das ich habe." Vor der Pandemie habe Scheuerer 18 bis 20 Leute beschäftigt, aktuell seien es 12. Aber: "Brauchen würde ich 16. Du findest da aber niemanden." Ein aktuelles Beispiel vom Dienstag: Die für den Vormittag einbestellte neue Aushilfe sei gleich wieder weg gewesen, als die erfahren hatte, in der Küche arbeiten zu sollen: "Die wollte aber nur an die Theke."

"Chancen standen 50:50"

Deutlich entspannter ging Matthias Seliger von der L'Osteria an der Franziskanergasse mit der neuen Situation um. Kurzfristigkeit sei zwar "immer blöd", sagte der Unternehmer, aber: "Der Terrassenbetrieb ist ja seit drei Wochen erlaubt. Von daher hat uns das nicht so aus dem Konzept gebracht." Die neue Allgemeinverfügung zügig umzusetzen, sei "natürlich eine Herausforderung, aber machbar". Denn: Die Vorgängerregelung lief zum 6. Juni aus. "Da war klar, dass zum 7. Juni was kommt. Die Chancen, dass wir innen öffnen dürfen, standen 50:50." Das Team sei von daher vorbereitet gewesen. Die Gäste offenbar auch: "Vom Umsatz her hat sich das am Montag schon rentiert." Auch die Tatsache, in den Innenräumen wegen des Hygienekonzepts nur etwa 60 Prozent der Plätze anbieten zu können, brachte Seliger nicht aus der Ruhe: "Durch den Lieferservice können wir das kompensieren."

Völlig anders die Situation im Café Zentral am Marktplatz. Dort musste Geschäftsführer Herbert Hottner am Montag alle Gäste wegschicken. Ohne Ausnahme. Denn das Lokal wird umgebaut und ist seit September vergangenen Jahres eine Dauerbaustelle. Mit anderen Worten: Eine Zentral-Innengastronomie gibt es derzeit nicht. Und das werde auch noch eine Zeit lang so bleiben: "Wir wollten im Frühjahr fertig sein. Aber die Bauarbeiter hatten erst ab Januar Zeit." Als dann auch noch klar wurde, dass die Decke zwischen ehemaliger Metzgerei und künftigem Büro erneuert werden musste, traf Hottner eine Entscheidung, die den Zeitplan weiter nach hinten schob: "Das wurde ein kompletter Rückbau. Wenn wir die Investition schon machen müssen, dann machen wir den ersten Stock auch öffentlich und nicht wie geplant zum Büro." Dadurch wachse das Zentral um 50 bis 60 Plätze.

Im Zentral dauert's noch

Hottner ging am Dienstag davon aus, dass sich die Arbeiten bis in den Spätsommer ziehen: "Klar, die Leute sind enttäuscht, weil sie denken, es geht los, weil es überall los geht. Aber wir sind noch nicht so weit." Jedoch: Das "alte Zentral", also nicht der Teil, der um die im September geschlossene Metzgerei und die Etage darüber wächst, soll Anfang Juli öffnen. "Die Leute müssen sich noch gedulden", sagte Hottner, der eigenen Angaben zufolge über eine Million Euro in die Erweiterung investiert. Wegen der Baustelle ist das Lokal vorerst von Montag bis Mittwoch auch im Freien geschlossen und folglich nur von Donnerstag bis Sonntag geöffnet.

"Erster Gedanke: Hurra! Es geht wieder los. Zweiter Gedanke: Oh! Wie sollen wir das in 48 Stunden schaffen?"

Hans-Jürgen Niewierra vom Musikcafé Amadeus

Die Lockerungen wirken sich auf das Zentral am Marktplatz nicht aus. Das Lokal ist eine Baustelle.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.