06.09.2019 - 17:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Feuerwehr im Landreis Amberg-Sulzbach bekommt eine Drohne

Der Vorteil liegt für Kreisbrandmeister Armin Daubenmerkl auf der Hand: "Wo ich eine Drohne einsetze, gefährde ich keine Einsatzkraft." Die Feuerwehren im Landkreis Amberg-Sulzbach bekommen 2020 eine.

Hier schwebt eine der Drohnen, die die Amberg-Sulzbacher Feuerwehr-Führung momentan testet. An dem in diesem Fall orangefarbenen Fluggerät lassen sich unten unterschiedliche Kameras befestigen. Ab 2020 soll ein solches Gerät für die Feuerwehren im Landkreis einsatzbereit sein.
von Heike Unger Kontakt Profil

Auf das Thema Drohne für die Feuerwehr sei man eher zufällig gekommen, erinnert sich Armin Daubenmerkl, der Kommandeur der Feuerwehr Freudenberg-Wutschdorf. Bei einer Besprechung mit Kollegen von auswärts kam die Sprache darauf. Danach "ist das Interesse gewachsen", sagt Daubenmerkl. Er führt Regie in der Gruppe, die momentan die Anschaffung plant und verschiedene Modell testet.

Ziel ist es, eine Drohne anzuschaffen, die ab 2020 im Landkreis eingesetzt werden kann. Dazu soll ein eigener Fachbereich gegründet werden - ähnlich, wie es das schon für Gefahrgut gibt. In einer solchen Gruppe sind Spezialisten aus verschiedenen Feuerwehren vereint, die bei entsprechenden Einsätzen angefordert werden. Kreisbrandrat Fredi Weiß ist überzeugt, dass die neue Technik der kleinen Fluggeräte für die Feuerwehr "wichtig ist".

"Nicht ungefährlich"

Dass nicht jede Feuerwehr ein solches Gerät bekommen soll, liegt nicht nur am stattlichen Preis. "Das Ganze ist nicht ungefährlich", betont Weiß, deshalb müsse man die Aktiven, die diese Geräte bedienen sollen, entsprechend schulen. Auch Datensicherheit spielt eine Rolle. Schließlich filme die Drohne ja "Bilder von allen möglichen Leuten und Situationen", damit müsse man sorgsam umgehen, betont Weiß: "Da wollen wir einheitliche Standards haben und Sicherheit. So, wie wir es in anderen Fachbereichen auch gewohnt sind, bei der Maschinisten- oder der Funkausbildung."

Mit einer Drohne alleine ist es nicht getan – die Feuerwehr braucht dazu auch noch weitere Geräte, verschiedene Kameras, Steuergerät, Computerprogramme.

Die Amberg-Sulzbacher FFW-Drohne wird laut Daubenmerkl "kein fertiges System" sein: "Das ist ein Baukastensystem." Es beginnt mit einer Grundausstattung, die dann dem Bedarf angepasst und erweitert werden kann. Derzeit arbeiten Daubermerkl und seine Mitstreiter an einem Konzept, probieren verschiedene Fluggeräte und ergänzende Technik aus: Die Grundlage dafür, was dann tatsächlich angeschafft wird. Weil sich der Freudenberger FFW-Kommandant schon sehr tief eingearbeitet hat, wird die Drohne in Freudenberg stationiert. Sie kann aber überall im Landkreis eingesetzt werden.

Ein Baukastensystem

Kreisbrandmeister Armin Daubenmerkl mit der Steuereinheit, mit der die Drohne gelenkt und die Bilder abgerufen werden.

Welche Vorteile versprechen sich die Feuerwehr-Führungskräfte von der neuen Technik? Da muss Weiß nicht lange überlegen: "Du hast auf jeden Fall eine dritte Sicht auf das Einsatzgeschehen, also Bilder von oben oder von schräg von der Seite." Das sei für den Einsatzleiter von großer Bedeutung. Ihm bleiben solche Einblicke momentan oft verwehrt, weil man beispielsweise bei einem Großbrand Einsatzkräfte nicht überall hinschicken könne, um den gewünschten Blick zu haben, ohne sie ernsthaft in Gefahr zu bringen. Einzige Möglichkeit wäre da derzeit ein Hubschrauber - aber der stehe nur selten zur Verfügung. "Mit einer Drohne ist es jederzeit möglich, Bilder von oben zu besorgen."

Ein zweiter wichtiger Punkt sei die Personen-Suche, etwa bei Vermissten. In diesen Fällen könne man die Drohne mit einer Wärmebildkamera bestücken, was viel effektiver und zeitsparender sei, als wenn Suchtrupps ein Gebiet durchkämmen. Ein wichtiges Argument für Daubenmerkl ist: "Da, wo ich die Drohne einsetze, gefährde ich kein Menschenleben." Als Beispiel nennt er einen Gefahrguteinsatz. "Da kann man so eine Drohne einfach mal zur Sichtung nach vorne schicken, bevor sich Einsatzkräfte einer Gefahr aussetzen."

Bei Wald- und Flächenbränden, mit denen die Feuerwehr im Sommer oft zu tun hatte, sei es vom Boden aus oft schwer oder gar nicht zu beurteilen, in welche Richtung sich das Feuer ausbreitet. Sogar bei ihren Schneeräum-Hilfsdiensten im Winter in Berchtesgaden hatten die Amberg-Sulzbacher Feuerwehrleute schon eine Test-Drohne dabei: Sie half zum Beispiel dabei, von oben zu sehen, ob die Kräfte, die nicht ganz ungefährdet auf den Dächern Schnee räumten, ordentlich gesichert waren. Dass man die Technik auch für die eigene Sicherheit nutzen kann, sei ein wichtiger Aspekt, an den man zunächst gar nicht gedacht habe.

Kein Spielzeug, sondern eine professionelle Industrie-Drohne. Die Feuerwehr wird einen sogenannten Hexacopter bekommen, also ein Gerät mit sechs Rotoren . Es kann auch noch fliegen, wenn einer davon ausfällt.

Kein Spielzeug

So eine Drohne sei kein Spielzeug, betont Daubenmerkl. Nicht überall im Landkreis bekomme man ein GPS-Signal, das bei der Navigation hilft. Und der Pilot müsse den Copter jederzeit unter Kontrolle haben. "Wenn so ein Ding ins Gesicht oder an die Halsschlagader kommt - das sind lebensgefährliche Verletzungen", stellt er klar. Deshalb wollen er und Weiß hier "größtmögliche Sicherheit". Weiß ergänzt: "Es ist schon ein Unterschied, ob ich privat am Rand vom Sportplatz mit meinem Copter unterwegs bin oder unter Einsatzbedingungen, unter Stress."

Die Feuerwehr im Landkreis setzt beim Thema Drohne auf ein Baukastensystem. Neben dem eigentlichen Fluggerät gehören dazu auch weitere Bestandteile wie verschiedene Kameras und die Steuereinheit.

Eigene Fachgruppe

Für die geplante Fachgruppe gibt es schon viele Interessenten. Die werden auch benötigt: "Wir werden da schon auf einen Pool von mindestens 15 bis 18 Leuten zurückgreifen müssen, die im Ernstfall auch alarmierbar sind", kalkuliert Weiß. Solche Experten müsse es aber nicht bei jeder Wehr geben. Wenn die Drohne gebraucht wird, "wird sie zur Einsatzstelle gebracht" - mit den Fachleuten, die sie bedienen. "Die machen dann auch nichts anderes", verdeutlicht Weiß. Derzeit machen sich die Verantwortlichen Gedanken zur Beschaffung, analysieren Einsatzmöglichkeiten, Gefahren und arbeiten an einem Ausbildungskonzept. Einen Irrglauben räumt Daubenmerkl auch gleich aus: Selbst Feuerwehrleute im Einsatz müssen sich beim Thema Drohne an Gesetze halten - zum Beispiel ans Luftrecht. Und dann müsse man sehen, was das geplante EU-Drohnenrecht vorschreiben wird.

Eines steht fest: "Alle, die bei uns im Drohnen-Team sind, brauchen auch eine feuerwehrtechnische Ausbildung", sagt Daubenmerkl. Bilder aus der Luft alleine helfen nämlich nicht, ergänzt Weiß. "Man muss sich auch mit Fachbegriffen auskennen und Situationen einschätzen können. Dafür braucht man einen Feuerwehr-Hintergrund. Aber da gibt's bei uns genügend Interessenten, das haben wir schon abgeklopft." In der Region seien die Amberg-Sulzbacher Vorreiter. "Ich kenne in Nachbarlandkreisen keine Feuerwehr, bei der schon Drohen vorgehalten werden."

Eine Drohne fliegt man ähnlich wie einen Modellhubschrauber. Trotzdem ist das ein Fall für Spezialisten: Sie müssen gut geschult sein und auch regelmäßig üben.
Info:

Ein Fluggerät, mehrere Kameras

„Wer einen Modellhubschrauber fliegen kann, kann auch eine Drohne fliegen“, sagt Armin Daubenmerkl. Er muss es wissen, er hat privat Modellflug-Erfahrung. Und hat als einer der Verantwortlichen in Sachen Amberg-Sulzbacher Feuerwehr-Drohne inzwischen auch schon etliche Tests mit Profi-Coptern absolviert. Wichtig sei es, beim Umgang mit der Drohne so sicher zu sein, dass das im Einsatz automtisch geht. „Das Ding muss wirklich sicher in der Hand liegen. Deshalb ist die Übung das A und O.“

Was die Feuerwehr anschaffen will, hat mit den beliebten kleinen Hobby-Coptern nicht viel zu tun. Hier gehe es um Industrie-Drohnen, erklärt Daubenmerkl. Um ein solches Profi-Gerät im Einsatz zu fliegen, „sind mindestens drei Leute notwendig“: Einer nimmt den Copter in Betrieb, steuert ihn, ein zweiter muss das Umfeld herrichten, eine Landezone absperren. „Und dann braucht man einen als Verbindungsmann zum Einsatzleiter der Feuerwehr“, damit klar ist, welche Informationen die Luftaufnahmen liefern sollen.

Um die 10 000 Euro müsse man für so ein Profi-Gerät schon ausgeben, sagt Daubenmerkl. Die Feuerwehr brauche nicht nur das Fluggerät, sondern auch die begleitende Technik und auch mehrere Kamera-Systeme, die gewechselt werden können, je nach Einsatz – vom Live-Bild bis zur hochauflösenden Wärmebildkamera.

Die FFW-Drohne ist laut Daubenmerkl ein Hexacopter, also ein Fluggerät mit sechs Rotoren (anders als der Quadrocopter mit nur vier): So kann das Gerät auch noch fliegen, wenn es einmal irgendwo anschlägt und ein Rotor bricht. Kreisbrandrat Fredi Weiß berichtet, „wir haben für den Start nächstes Jahr mal 20 000 Euro einkalkuliert, für den Copter und die entsprechende Technik“. Nach den Erfahrungen der ersten Einsatzjahre werde man das dann vielleicht noch ausbauen müssen.

Derzeit testen Daubenmerkl und seine Mitstreiter, dass ein Kollege den Copter steuert und ein zweiter die Kamera bedient. Das sei bei einem Brand oder in schwieriger Umgebung von Vorteil: Dann könne sich einer aufs Fliegen konzentrieren, der andere auf die Bilder. Der Pilot sollte immer den Copter im Sichtfeld haben, weiß Daubenmerkl: Wenn man dazwischen immer wieder auf den Bildschirm schaue, könne man das Fluggerät aus den Augen verlieren.

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