29.06.2018 - 15:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Firmen-Übernahmen: Guter Chinese, böser Chinese

Die einen sind Chinesen, haben aber offensichtlich einen Plan. Die anderen stammen aus Deutschland, ein Konzept steckt aber wahrscheinlich nicht dahinter. Das sagt Horst Ott von der IG Metall über potenzielle Investoren wie bei Grammer.

Horst Ott, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Amberg
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Horst Ott, Erster Bevollmächtigter der IG Metall-Verwaltungsstelle, redet aus aktuellem Anlass. Oder besser: aus zwei aktuellen Anlässen. Der eine ist der Übernahmeversuch von Grammer durch die chinesische Jifeng Ningbo. Der andere eine Pressemeldung der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt, in der Übernahmen von deutschen Firmen durch Chinesen sehr skeptisch gesehen werden.

"Längst nicht alle chinesischen Investitionen sind erfolgreich. Auch Arbeitnehmerrechte bleiben dabei zunehmend auf der Strecke", sagt Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft. Diese Ansicht teilt Horst Ott, "nur" Bevollmächtigter einer IGM-Verwaltungsstelle, so nicht. Die meisten chinesischen Übernahmen, so argumentiert er, seien sogar sehr erfolgreich verlaufen, die Rechte der Arbeitnehmer würden überwiegend geachtet und die Mitbestimmung nicht angetastet.

Fairer Partner

"Den guten oder bösen Investor nach Nationalität eingeteilt, das funktioniert nicht", hält Ott dagegen. Beispiel Hastor. Kein Chinese, sondern Europäer. Trotzdem kein "guter" Investor. Deswegen wollen sie ihn bei Grammer loswerden und setzen den chinesischen Interessenten dagegen. "Der hat sich sehr weitgehend verpflichtet, die deutschen Standorte zu erhalten", sagt Ott und ergänzt: "Jifeng Ningbo hat sich bisher an die Spielregeln gehalten."

Seiner Ansicht nach existiert kein Grund für die Befürchtung, die Chinesen könnten, haben sie erst einmal die Aktienmehrheit an Grammer, ganze Werke nach China verlagern. "Grammer hat Märkte und Know-how in Europa, die der nicht hat", sagt Horst Ott. "In China dagegen, da hat der doch schon was." Warum also sollte er seine Position schwächen und sich aus Europa zurückziehen? "Hastor ist um Längen gefährlicher als jeder Chinese", merkt Ott an und erzählt, dass er gerade eben beim Streik der Mitarbeiter von Halberg-Guss im Saarland gewesen ist. Diese Firma sei durch Hastor bedroht, Grammer durch Jifeng nicht.

Haben einen Plan

"Die Chinesen haben einen Plan. Warum haben die Deutschen keinen?", fragt Ott immer wieder. In China lasse sich beobachten, dass der Staat systematisch an einem nachhaltigen Ausbau der wirtschaftlichen Strukturen arbeite. Hier in Deutschland könne er überhaupt kein System erkennen, das dahinter steckt. Für den konkreten Fall gilt seiner Meinung nach aber, dass Grammer einfach zu unbedeutend ist, um in der chinesischen Wirtschaft eine entscheidende Rolle zu spielen. Wenn die Chinesen bei Mercedes oder Kuka, dem Roboterhersteller, einsteigen, dann sei das bedeutend, Grammer eher nicht. "Grammer ist zu klein und der, der Grammer übernehmen will, ist in China auch zu klein."

In Deutschland haben wir nämlich keinen gefunden, der uns bei Hastor geholfen hätte.

Horst Ott, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Amberg

Letztendlich habe die versuchte Machtübernahme von Hastor bei der Grammer AG die Chinesen erst auf den Plan gerufen. "Wir haben die doch gesucht, nicht umgekehrt", verdeutlicht Horst Ott. "In Deutschland haben wir nämlich keinen gefunden, der uns bei Hastor geholfen hätte." Deutliche Worte. Jifeng Ningbo sei einfach ein sehr wichtiger Baustein gewesen, um eine feindliche Übernahme abzuwehren. Und jetzt gehe es der Wang-Familie, den Eigentümern von Jifeng Ningbo, darum, sich via Grammer Zugang zum deutschen und europäischen Mark zu verschaffen. "Das mit Jifeng Ningbo, das hat eine Zukunft", ist sich Ott sicher.

Kein Unterschied

Der grundsätzlich keinen Unterschied zwischen den Menschen in China und denen in Deutschland erkennen kann. "Die haben die gleichen Probleme und Sorgen wie wir." Wichtiger ist es dem Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Grammer AG, die andere Seite skeptisch im Auge zu behalten, das Kapital. "Mich ärgert, dass man sich lieber auf Nationen festlegt als auf das."

Und weil die IG Metall eine sehr meinungsoffene Gewerkschaft sei, werde eben jetzt intern diskutiert. Dazu wird der Vorstand aus Frankfurt demnächst in Amberg erwartet.

Info:

Angebot läuft bis 23. Juli

Jifeng mit Sitz in der chinesischen Hafenstadt Ningbo produziert wie Grammer Kopfstützen und Armlehnen, dies aber vor allem für chinesische Autobauer. Das Unternehmen hatte 2017 einen Jahresumsatz von knapp 250 Millionen Euro – Grammer hingegen von 1,8 Milliarden. Die Firma gehört zum überwiegenden Teil der Familie Wang. Seit Montag liegt den Aktionären von Grammer nun das Angebot der Chinesen vor, ihre Aktien zum Preis von 60 Euro plus 1,25 Euro Dividende an sie abzugeben. Aktuell liegt der Grammer-Kurs mal knapp über oder unter dieser Marke. Die Offerte gilt bis zum 23. Juli, danach will Jifeng Ningbo mindestens 50 Prozent plus eine Aktie besitzen. Ein höherer Anteil sei nicht angestrebt, so das Unternehmen. (ass)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp