06.12.2020 - 10:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Fischer und Gradl hören endgültig auf: Comma-Laden schließt in Amberg

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Otto Fischer wird im nächsten Jahr 70, sein Geschäftspartner Günter Gradl 80. Für das Duo, dem einst acht Modeläden in der Innenstadt von Amberg gehörten, ist es an der Zeit, sich nun auch vom letzten Geschäft zu verabschieden.

Zum Jahreswechsel endet eine Erfolgsgeschichte: Günter Gradl (links) und Otto Fischer, die zu Spitzenzeiten in der Altstadt acht Modeläden betrieben, ziehen sich nach jeweils 44 Jahren endgültig aus der Textilbranche zurück.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die älteren Amberger werden sich noch erinnern: Otto Fischer machte sich 1976 mit den Läden Matex und Kinderland selbstständig, im gleichen Jahr eröffnete Günter Gradl seine Boutique Annemarie. Was im ersten Moment nach einer Konkurrenzsituation klingen mag, wurde rasch zur Freundschaft. Fischer und Gradl verstanden sich derart gut, dass sie 1981 Geschäftspartner wurden und zusammen den Jeansladen Blue 7 Seven (Untere Nabburger Straße 14) gründeten. In den Jahren danach kamen an der Bahnhofstraße das Jeans 2000 und das Cappuccino hinzu, in der Unteren Nabburger Straße das Chaloc und der Tom-Tailor-Laden sowie in der Georgenstraße der QS-Shop, das Street One und das Hollywood Fashion. Weitere Filialen betrieben Fischer und Gradl in Ansbach, Weiden, Gunzenhausen und Bayreuth.

Vor 14 Jahre alle Läden verkauft

"Im Jahr 2006 haben wir dann alles verkauft", erzählt Otto Fischer und begründet diese Entscheidung von vor 14 Jahren mit einer unternehmerischen Neuausrichtung. Er selbst war damals 55 Jahre alt, sein Kompagnon Gradl 65. Von so etwas wie Rente oder Ruhestand wollten die beiden nichts wissen, aber dennoch etwas kürzertreten und nicht mehr jeden Tag selbst im Laden stehen. Also wagten sie den nächsten Schritt, der eine Art Neuanfang war.

Von der Textilbranche wechselten sie ins Immobiliengeschäft und kauften zum Beispiel an der Bahnhofstraße 6 das Gebäude, in dem sich einst Ambergs erstes McDonald's-Restaurant befand. Mittlerweile ist die Targo-Bank dort ansässig. Von einem Laden wollten sich Fischer und Gradl aber 2006 partout nicht trennen. Das Chaloc, das mittlerweile in Comma umbenannt worden war, sollte eine Zukunft haben. Bis jetzt. Otto Fischer erklärt die Hintergründe: "Wir haben damals gesagt, dass wir den Laden unbedingt behalten wollen, weil wir da eine Geschäftsführerin haben, die das alles perfekt macht." Die Frau, die kein großes Aufhebens um ihre Person macht und deswegen namentlich nicht erwähnt werden möchte, ist seit mehr als drei Jahrzehnten für Fischer und Gradl tätig. Sie sollte ihren Arbeitsplatz nicht verlieren und die Chance bekommen, "in Ruhe in Ruhestand gehen" zu können, wie Fischer sagt. Er ergänzt: "Wir haben damals zu dritt den Entschluss gefasst, dass sie das Geschäft bis zum Renteneintrittsalter betreiben darf." Auch, weil im Laufe der Jahre zwischen der Geschäftsführerin und den Chefs eine tiefe Freundschaft entstanden ist.

Suche nach Nachfolger

Diese Zeit ist nun gekommen, weshalb das Comma zum Ende des Jahres schließt. Zusammen mit dem Hauseigentümer sind Otto Fischer und Günter Gradl derzeit bemüht, nach einer Nachfolgenutzung Ausschau zu halten. Doch das sei gar nicht so einfach, sagt Otto Fischer.

Kommentar:

"Schon wieder" gilt hier nicht

In der Altstadt schließt ein Geschäft. Viele Amberger mögen da denken: „Schon wieder!“ In diesem Fall ist das etwas differenzierter zu betrachten. Otto Fischer und Günter Gradl haben vor 14 Jahren alle Läden verkauft, die ihnen gehören. Nur diesen einen nicht, um einer verdienten Mitarbeiterin die Chance zu geben, reibungslos in den Ruhestand gehen zu können. Solche Chefs muss man erst mal finden. Spätestens jetzt ist das „schon wieder“ keine angemessene Reaktion mehr.

Thomas Kosarew

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