03.08.2020 - 14:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Flaschenwürfen: 43-jähriger Amberger muss dauerhaft in Psychiatrie

Die Amberger Justiz ist äußerst vorsichtig, wenn es um die dauerhafte Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung geht. Doch ein 43-Jähriger muss jetzt in die Forensik, weil von ihm weitere Gewalttaten befürchtet werden.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Zum ersten Prozesstermin war der 43-jährige Beschuldigte nicht erschienen. Daraufhin erließ die Erste Strafkammer des Landgerichts einen Unterbringungsbefehl gegen ihn und sorgte so dafür, dass der Amberger zwei Tage später von Polizisten festgenommen und ins Bezirkskrankenhaus gebracht wurde. Von dort führte man ihn jetzt zur neuerlich angesetzten Verhandlung vor.

Der Mann leidet an Schizophrenie. Deshalb hatte die Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld ein sogenanntes Sicherungsverfahren gegen den Beschuldigten eingeleitet. Während des eintägigen Prozesses wurde dann deutlich, dass der Mann, der bei seiner Mutter lebt, ansatzlos zu Gewalttaten neigt. Die Strafkammer hörte, dass er in der Vergangenheit einem Angehörigen in offenbar jähem Zorn eine erhebliche Gesichtsverletzung beigebracht hatte, und sie ließ sich dann schildern, welche Ereignisse zu der jetzt angesetzten Verhandlung geführt hatten.

Nur knapp am Ziel vorbei

Der 43-Jährige hatte eine Gastwirtschaft im Bahnhofsgebäude besucht, dort mehrere Biere getrunken und sich dann offenbar darüber geärgert, dass er nichts mehr bekam. Daraufhin warf er eine Flasche in Richtung eines Angestellten des Lokals. Sie verfehlte ihr Ziel, richtete aber hohen Sachschaden an.

Ähnliches ereignete sich in einer Amberger Metzgerei. Der 43-Jährige wollte dort zwei Leberkässemmeln und wurde gebeten, sich die Brötchen dazu aus einer Bäckerei in der Nähe zu holen. Das tat er, erhielt den Leberkäs auf die beiden Semmeln und ging zunächst.

Nicht lange darauf kehrte der Metzgereikunde zurück, hatte eine Flasche dabei und schleuderte sie in Richtung einer Verkäuferin. Das wurde durch eine Videokamera aufgezeichnet. Die Richter sahen sich den Film an und bekamen vor Augen geführt, dass die wuchtig geschleuderte Flasche nur ganz knapp ihr beabsichtigtes Ziel verfehlt hatte.

An Schizophrenie erkrankt

Später stellte die unter Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber tagende Strafkammer fest, dass die Gewaltausbrüche sowohl im Lokal als auch in der Metzgereifiliale ebenso grund- wie ansatzlos vonstatten gingen.

Die Richter sahen am Ende des Verfahrens, in dem auch ein Sachverständigengutachten gehört wurde, massiv Grund zum amtlichen Einschreiten. Für die beiden als versuchte gefährliche Körperverletzungen eingestuften Flaschenwürfe verhängten sie 15 Monate Haft. Das allerdings war eher Nebensache. Denn für den Beschuldigten wurde außerdem die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Dies, so stellte die Vorsitzende Richterin Stöber fest, sei wegen der unwägbaren Gefahren notwendig, die zweifelsfrei von dem an Schizophrenie leidenden Mann ausgingen.

Im Februar hat die Große Jugendstrafkammer beim Landgericht Amberg einen 20-Jährigen in die Psychiatrie eingewiesen

Regensburg
Hintergrund:

Dauerhafte Einweisung

  • Was ist eine dauerhafte Einweisung?
    Die amtlich angeordnete Unterbringung eines Menschen in der geschlossenen Psychiatrie ist ein massiver Eingriff in dessen Leben. Spätestens seit dem spektakulären Fall Gustl Mollath, der sieben Jahre grundlos in forensischen Kliniken zubrachte, ist die deutsche Justiz mit solchen Anordnungen äußerst vorsichtig geworden. Auch in Amberg.
  • Wie oft kommt sie vor?
    Die für solche Entscheidungen zuständige Erste Strafkammer des Landgerichts hat in der Regel mehrere solcher „Sicherungsverfahren“ im Jahr. Doch zu Unterbringungen auf unbestimmte Dauer kam es zuletzt so gut wie nicht. Allerdings hat die ebenfalls beim Landgericht angesiedelte Große Jugendstrafkammer heuer einen 19-Jährigen in die Psychiatrie geschickt, der im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit in Burglengenfeld einen 52-Jährigen mit Messerstichen verletzte. Diese Entscheidung ist inzwischen vom Bundesgerichtshof bestätigt.
  • Wie lange gilt sie?
    Unterbringungen in der Psychiatrie werden im Abstand mehrerer Jahre überprüft. Sie können allerdings bei fortschreitenden geistigen Erkrankungen lebenslang dauern. (hou)
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